In der vergangenen Woche bin ich auf einen Bericht von George Friedman aufmerksam geworden, der die Entwicklungen in der Welt – und insbesondere auf dem Eurasischen Kontinent – recht deutlich angesprochen und ins Visier genommen hat. Laut Friedman ähnelten die aktuellen geopolitischen Entwicklungen jenen vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.

Danach erwiesen sich Europa und Asien als globales Herz der Humanität. Immerhin leben auf beiden Kontinenten zusammengenommen fünf der sieben Milliarden Erdenbürger. Wenn es in der Welt also zu einer fortschreitenden Destabilisierung – und hier insbesondere auf dem Eurasischen Kontinent – komme, befänden sich Humanität und Menschlichkeit in Gefahr.  

Die unheilvollen Kräfte, die sich auf der eurasischen Landmasse zurzeit ausbreiteten, seien zudem mehr als ominös. Befänden sich mehrere Regionen erst einmal auf dem Weg einer unaufhaltsamen Destabilisierung, woraus ein Flächenbrand zu entstehen drohe, braue sich ein unheilvoller geopolitischer Sturm am Firmament zusammen, so Friedman.

Parallelen zur Vor-Weltkriegszeit

Dabei seien die Parallelen der heutigen Entwicklungen mit jenen Zeiten vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unverkennbar. Auch damals habe in vielerlei Regionen auf dem Eurasischen Kontinent eine – anfangs anscheinend – unabhängig voneinander einsetzende Destabilisierung stattgefunden.  

Diese unabhängig voneinander entstandenen Konflikte hätten sich irgendwann überlagert, um sich zu einem Flächebrand auszuweiten. Übrigens war es auch Ansicht von Peter Scholl-Latour, dass ein möglicherweise entstehender und sehr gefährlicher Flächenbrand im Nahen und Mittleren Osten zum Top-Auslöser des Dritten Weltkriegs avancieren könnte.

Zumindest mehr als alle anderen Konflikte in der Welt. Friedman blickt zurück auf jene Zeit vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, in der die Wirtschaften der USA und Westeuropas in eine massive Depression abgerutscht waren. Direkte Folge seien der Aufstieg faschistischer Kräfte in Deutschland, Italien oder Rumänien gewesen.

Kurzer Blick in die Historie

Eine forcierte Militarisierung habe sich an diese politischen Entwicklungen angeschlossen. In der Sowjetunion sei es im Zuge der anhaltenden Revolution zu Hunger, massiver Flucht von einzelnen Bevölkerungsteilen sowie der Ausbildung einer politischen Diktatur samt dem Einsetzen von Massenmorden gekommen.

Im Nahen und Mittleren Osten hatte die politische Abneigung der Araber gegen die britische Fremdherrschaft deutlich zugenommen. Die anti-britische Bewegung sei auf dem indischen Subkontinent kulminiert, wo sich unter der Führungsfigur Mahatma Gandhis ein politischer, jedoch friedlicher – dafür aber umso hartnäckigerer – Widerstand ausgebildet hatte.

Ähnlich den Entwicklungen in Deutschland, Italien und Rumänien war es in Japan zum Aufstieg von militaristischen Faschisten gekommen, die das Nachbarland China mit Krieg überzogen. Die japanische Invasion wurde durch die Tatsache vereinfacht, dass im Reich der Mitte bereits zuvor ein Bürgerkrieg getobt hatte.

Konflikte unterschiedlichen Urspungs wachsen zusammen

All diese Konflikte, so Friedman, hätten anfangs voneinander unabhängige Ursprünge gehabt, seien in der Folge jedoch zusammengewachsen, wodurch ein großer Flächenbrand entstanden sei. Gleichzeitig habe Russland den Versuch unternommen, die wirtschaftlichen Probleme in Westeuropa für sich zu nutzen, um auch dort eine politische Revolution zu entfachen.

Um auf die heutige Entwicklung zurückzukommen, so zeige sich, dass das geopolitische Gemisch auf dem Eurasischen Kontinent ähnlich gefährlich sei wie damals. Nahezu alle Regionen Eurasiens befänden sich bereits im Auge dieses Hurrikans. In erster Linie erweise sich das seit 2008 zu beobachtende Scheitern der Europäischen Union als ökonomischer Destabilisierungsfaktor par excellence, der nun auch politischer Natur sei. 

Auch Russland befinde sich erneut in wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten und habe sich dazu entschlossen, sich militärisch in der Ukraine und in Syrien zu engagieren. Dazu befinde sich nahezu der gesamte Mittlere Osten im wirtschaftlichen und militärischen Chaos. Die Lage an den Weltrohölmärkten verschärfe diese Situation dramatisch.

Wirtschaftlicher Abschwung, zunehmendes politisches Chaos

Sowohl China als auch Japan befänden sich in einem massiven Wirtschaftsabschwung, was mittelfristig zur Ebnung des Aufstiegs einer neuen politischen Diktatur in Japan führen könnte – mit allen Konsequenzen, die eine solche Entwicklung auf die bilateralen Beziehungen zwischen beiden asiatischen Mächten nach sich ziehen würde. 

Nicht nur die zentralasiatischen Staaten, sondern auch der indische Subkontinent sähen sich konfrontiert mit einer sich verschärfenden Wirtschaftskrise und wachsender Instabilität. Die regionalen Stürme, so Friedmans Warnung, intensivierten sich gerade. Wenn sie sich ab einem gewissen Zeitpunkt überlagerten, dürften die Folgen sehr verheerend sein.

Deutlich wird, dass das im Mittleren Osten ersichtlich werdende Chaos bereits zu massiven Fluchtwellen in Richtung West- und Osteuropas geführt hat. Zusammen mit den Amerikanern hat die Europäische Union Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängt. Im Mittleren Osten sammelt sich die schiitische Fraktion hingegen hinter den Fahnen Russlands.

Asien für viele Großmächte im Fokus

Nicht nur der Iran, sondern auch der Irak, Syrien und Teile des Libanons lassen sich zu dieser Allianz zählen. Gleichzeitig übten Russland und China gemeinsam politischen Druck auf die Staaten Zentralasiens aus, um Kontrolle über die Energie- und Ölgeschäfte in dieser wichtigen Region zu erringen. 

Zum selben Zeitpunkt wachsen die Spannungen im Südchinesischen Meer zwischen China, dessen Anrainern und den USA. Schon längst lässt sich darüber sprechen, dass sich China, Japan, Taiwan, die Philippinen, Thailand und Indonesien in einem Vorkriegsstadium befinden. Das Dominanzstreben der USA in der Region verschlimmert die Situation nur noch.

Für Friedman handelt es sich ausnahmslos um Entwicklungen, die bitter Ernst genommen werden sollten, weil sie jenen geopolitischen Entwicklungen vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in vielerlei Hinsicht ähnelten und mit derselben Brisanz einhergingen.