Über Chinas Pläne zur Wiederbelebung der alte Seidenstraße hatte ich in der Vergangenheit berichtet. Nun hat die Führung des Landes die Details zu diesen Plänen öffentlich gemacht, von der rund 4,4 Milliarden Menschen betroffen sein werden. Interne Berechnungen sehen vor, dass sich die Expansion des Handels in der Region – und somit auf dem eurasischen Kontinent –  innerhalb einer Dekade auf umgerechnet mehr als $2,5 Billionen belaufen soll. 

Wirtschafts- und Handelsgürtel auf dem eurasischen Kontinent

Ein gemeinsam durch Chinas Handelsministerium, Außenministerium sowie Nationale Entwicklungs- und Reformkommission erstelltes Dokument zeigt, welch weitläufige Auswirkungen die Pläne zur Wiederbelebung der alten Seidenstraße der Pekinger Führung auf die geographische Verknüpfung der einzelnen Länder und deren gegenseitigen Handel haben werden.

Diese Pläne zur Schaffung eines integrierten Wirtschafts- und Handelsgürtels auf dem eurasischen Kontinent, würde den Pazifischen Ozean über den Landweg mit dem Schwarzen Meer verbinden. Ein paralleler Handelsweg soll mittels des Schifffahrtswesens über den Seeweg aus der Taufe gehoben werden. 

Insbesondere in den Vereinigten Staaten werden Chinas Pläne mit Argusaugen und einer guten Portion Argwohn beäugt. Denn Analysten sind mehrheitlich der Ansicht, dass die Initiative zur Wiederbelebung der alten Seidenstraße, für deren Erschließung China mit immensen Finanzierungszusagen für Infrastrukturprojekte einstehen wird, wahrscheinlich zu einer Verschiebung des ökonomischen Machtzentrums in der Welt führen dürfte.

Antwort auf Eindämmungspolitik

Der eurasische Kontinent werde einen grenzenlos anmutenden Aufstieg erfahren, was dem globalen Machtanspruch und der Vorherrschaft der Vereinigten Staaten und deren asiatischen Partnerländer diametral entgegenstünde. In Chinas KP werden die eigenen Pläne zu einer Wiederbelebung der alten Seidenstraße nicht umsonst auch als Antwort auf eine forcierte Eindämmungspolitik Pekings durch die Vereinigten Staaten erachtet.

Chinas Staatspräsident Xi zeigte sich zuletzt hoffnungsfroh im Hinblick auf die Aussichten zu einer massiven Steigerung des Handelsvolumens der von den Plänen betroffenen Staaten. In den kommenden zehn Jahren soll sich der Handel zwischen diesen Ländern um mehr als $2,5 Billionen ausweiten. Wer ein wenig tiefer in den Dokumenten gräbt, erkennt, welche – vor allem auch geopolitischen – Visionen mit den Plänen Chinas verbunden sind.

Denn eine vollständige Umsetzung dieser Pläne hätte eine enge wirtschaftliche Verknüpfung zwischen China, Zentralasien, Russland, Europa, der Schwarzmeerregion, den Staaten des Persischen Golfs sowie der Mittelmeerregion zur Folge.

Im Hinblick auf die Erschließung einer Seeroute lässt sich sagen, dass diese Schifffahrtswege China mit den Hafenstädten Europas und den Hafenstädten von Anrainerstaaten des Indischen Ozeans miteinander verbinden würde. Eine zweite Seeroute würde China in entgegengesetzter Richtung mit dem Südchinesischen Meer bis hin zu Staaten des Südpazifiks verbinden.

Der Fokus der Pläne liegt selbstverständlich auf der Erschließung einer neu zu erschließenden Landbrücke auf dem eurasischen Kontinent, die insbesondere die wirtschaftliche Kooperation zwischen China, der Mongolei und Russland vorantreiben würde. Gleiches gilt für den Anschluss der Staaten im zentral- und westasiatischen Raum.

Chinas Unruheregion Sinkiang soll die Funktion eines Knotenpunkts zur wirtschaftlichen Verknüpfung des Landes mit Zentral-, Süd- und Westasien zukommen. Wahrscheinlich ist dies gar keine schlechte Idee, um uigurische Unabhängigkeitsbestrebungen mit ökonomischer Entwicklung und einer damit Hand in Hand gehenden Erhöhung des allgemeinen Wohlstands zu kontern. 

Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke zwischen Moskau und Peking

Wie bereits zuvor berichtet, ist der Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke zwischen Moskau und Peking ein zentraler Mosaikstein in den Planungen der Pekinger Staatsführung. Die Region Tibet spielt im Hinblick auf die Pläne Pekings ebenfalls eine zentrale Rolle. Tibet soll in der Zukunft als Knotenpunkt für eine Ausweitung der Seidenstraße in den Himalaya-Staat Nepal fungieren.

Ebenso werden untergeordnete Pläne verfolgt, um Chinas inländische Wirtschaftsregionen zu integrieren und zu globalisieren. Dafür soll es zur Auswahl und Benennung verschiedener Knotenpunkte kommen. Ziel ist, die Wirtschaftsstärke einer ganzen Reihe von chinesischen Provinzen dem Überland- und Übergrenzhandel mit Anrainerstaaten zu öffnen. Deutlich wird, welch massiven Infrastrukturprojekte mit einer Umsetzung der Pekinger Pläne verbunden wären. Keine Frage, dass die Rohstoffpreise durch Aktivitäten dieser Art wieder Wind unter die lahmen Flügel bekommen dürften.