Im Hinblick auf die weitere ökonomische Entwicklung der Eurozone bislang viel zu optimistische Ökonomen und Analysten beginnen ihre Rotstifte zu zücken. Dazu trägt nicht nur ein rekordhoher Kreditvergabeeinbruch des Bankensektors an die Realwirtschaft bei, sondern vor allem auch eine allgemeine Schrumpfung des Geldmengenwachstums in der Eurozone. Schon wird über neuen geldpolitischen Nonsense nachgedacht, der die aktuelle Lage im nächsten Jahr verbessern soll. Natürlich steht die EZB dabei – wie so oft – an der Vorfront dieser Gedankenspiele.  

Neueste Daten zur Kreditvergabe in Spanien hatten bereits ein Schlaglicht auf die in Europa mit anhaltend hoher Geschwindigkeit rückläufigen Darlehenszusagen unter den heimischen Banken geworfen. Nun, warum sollte man sich über diese Entwicklung überrascht zeigen? Erst vor Kurzem kam eine neue Studie von Ernst & Young zu dem Ergebnis, dass die Banken der Eurozone unter einer rekordhohen Anzahl von faulen Krediten leiden, die ein offizielles Gesamtvolumen von über 1,1 Billionen Euro erreicht haben.

Und solange die üblichen Verdächtigen diesen faulen Kreditberg vor sich herschieben, ihre Bilanzbücher weiter schrumpfen und sich teilweise in Form von frisch aufgenommenen Krediten zu Niedrigzinsen bei der EZB refinanzieren, dürfte sich an dem Dilemma in der Eurozone in absehbarer Zeit kaum etwas ändern. Nicht von ungefähr kam ein neuer Bericht von Standard & Poor´s  zu dem Ergebnis, dass Europas 50 größte Bankinstitute unter einem akuten Mangel von Kapital leiden, der sich aktuell auf 110 Milliarden Euro summiere.

Laut der Ratingagentur S&P seien so bald wie möglich Kapitalinjektionen in genannter Größenordnung notwendig, damit die betroffenen Banken stark genug blieben und ihre Kreditbonität aufrechterhalten könnten. Übersetzt liest sich diese Ankündigung wie eine Warnung vor einer unmittelbar bevorstehenden Herabstufungsorgie unter europäischen Großbanken durch die etablierten Ratingagenturen. Laut des Berichts seien vor allem die Bilanzen der Institute in den Krisenländern der EU nach wie vor stark angeschlagen.

Eine neue Herabstufungswelle würde insbesondere für die Banken in der Eurozone zu einer Unzeit erfolgen, da im Jahr 2014 nicht nur neue offizielle Stresstests durchgeführt werden sollen, sondern sich auch die Bedingungen für eine Bankenrefinanzierung an den Bond- und Kapitalmärkten deutlich verschlechtern würden. Noch dicker wird es im nächsten Jahr jedoch wohl für die europäische Realwirtschaft kommen. Neueste Daten der EZB zeigen, dass das Wachstum der Geldmenge M3 im Oktober um -1,4% versus dem Vorjahr gesunken ist. 

Damit ist die Geldversorgung in der Eurozone abermals mit Rekordgeschwindigkeit gefallen. Sowohl Ökonomen als auch Analysten gaben sich nach diesen Daten kleinlaut und wiesen darauf hin, dass es in der Eurozone im Jahr 2014 – anstelle der allseits erhofften Erholung – zu neuem Ungemach kommen könnte. Nun sollte man die realen Daten einmal in direkten Vergleich mit dem EZB-Zielsatz zum Geldmengenwachstum setzen, der bei 4,5% liegt – und zudem als notwendig erachtet wird, um die Eurozonen-Wirtschaft am Laufen zu halten.

Beobachter teilten nach der EZB-Datenpublikation mit, dass sich der Himmel über der Eurozone wieder stark verdunkele, da vor allem die Risiken für eine Explosion der öffentlichen Verschuldungsniveaus in den Südländern der Eurozone wieder zunähmen. Wer einmal etwas tiefer in den Daten gräbt, fördert in der Tat unschöne Entwicklungen an die Oberfläche. So brachen die vergebenen Kredite der Euro-Banken an Unternehmen aus dem Nichtfinanzsektor im Oktober um -3,7% ein.

Um sich ein noch besseres Bild über die aktuelle Lage zu verschaffen, empfiehlt es sich, die einzelnen Länderstatistiken zu bemühen. Den Vorreiter gab Spanien, wo die Kreditvergabe um -19,3% einbrach, gefolgt von Portugal mit -6,6% und Italien mit -5,7%. Schon werden in der Eurozone neue Gedankenspiele nach Art von Beschlüssen der Bank of England ins Spiel gebracht. So wird zurzeit darüber diskutiert, ob es auch in der Eurozone zur Auflage eines so genannten „Funding for Lending“ Schemas durch die EZB kommen soll.

Danach würde die EZB den Euro-Banken die Aufnahme von Krediten anbieten, die jedoch an die Realwirtschaft weitergereicht werden müssten. Zudem geht die Angst vor dem Einsetzen einer Deflation nach japanischen Vorbild in der Eurozone um. Sollten sich das nominale BIP-Wachstum in den Südländern auch im kommenden Jahr schrumpfen, würde es abermals zu Druck auf deren Regierungen kommen, neue Austeritätsmaßnahmen zu verabschieden. Eine Entwicklung, die das soziale Gefüge in diesen Ländern vollends crashen lassen könnte.

Während europaweit nach einer Expansion der QE-Maßnahmen der EZB gerufen wird und teils auch Forderung nach der Einführung von Negativzinsen aufgestellt werden, stemmt sich Deutschland weiterhin mit Vehemenz gegen eine solche Entwicklung. Manche Beobachter geben der EZB und den europäischen Aufsichtsbehörden auch eine direkte Mitschuld an der aktuellen Lage im Bankensektor. Die Institute seien in einem zu kurzen Zeitraum zu einer Aufstockung ihrer Kapitalreserven gezwungen worden, wie es heißt.

Resultat sei, dass Europas Banken Vermögenswerte in Rekordgeschwindigkeit abstießen, ihre Bilanzbücher weiter schrumpften und keine neuen Kredite mehr vergäben. Eine ganze Reihe von Entwicklungen liegt auch keineswegs in Händen der Europäer. Sollte es in den USA tatsächlich irgendwann zu einer Reduzierung der Bondankäufe durch die Federal Reserve kommen, würden die Zinsen an den Finanzmärkten weiter klettern. Vor allem angeschlagene Eurobanken würden durch potenziell hart getroffen. 

Vielmehr stellt sich die berechtigte Frage, ob Banken in aller Welt unter einem solchen Szenario überhaupt überlebensfähig wären? Denn immerhin würden die Werte einer großen Anzahl von gehaltenen Finanzassets abermals deutlich fallen, womit eine Insolvenz im Bankensektor einmal mehr offensichtlich würde.