Die private Haftpflicht gehört zu einer der wesentlichen Risiken im Leben. Im Folgenden geht es um die Einschätzung des Risikos, Grundsätze zur Haftung und vor allem konkrete Tipps bei der Ausgestaltung der privaten Absicherung.

Was bedeutet Privathaftpflicht?

Im Bürgerlichen Gesetzbuch heißt es in §823 I: „Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.“

Diese Norm ist die Grundlage der Haftung. Sie besagt kurz gesagt, dass man einen Schaden in voller Höhe zu ersetzen hat. Grundsätzlich gibt es hierbei keine Grenze nach oben.

Damit man aber für den Schaden zur Verantwortung gezogen werden kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Muss ein Schaden überhaupt eingetreten sein. Das kann ein Sach-, Personen- oder Vermögensschaden sein.

2. Muss es eine Handlung oder seltener ein Unterlassen gegeben haben. Eine beispielhafte Handlung kann die ausrutschende Faust sein.

3. Der Schaden muss durch die Handlung verursacht worden sein. Beispiel: Das blaue Auge ist wegen der Faust entstanden.

4. Es darf keinen Entschuldigungsgrund wie Notwehr geben.

5. Es muss Verschulden vorliegen. Das heißt, ich habe den Schaden vorsätzlich oder fahrlässig verursacht. Vorsatz ist: Ich habe das blaue Auge ganz bewusst hervorrufen wollen. Fahrlässigkeit wäre in dem Fall, dass ich mit der Faust herumgefuchtelt und dabei ein blaues Auge in Kauf genommen habe.

Welcher Schaden kann entstehen?

Es gibt drei Schadensarten: Sach-, Personen- und Vermögensschäden.

An einem Beispiel lassen sich diese am einfachsten beschreiben. Nehmen wir an, dass ich ohne zu schauen aus der Haustür stürze und dabei einen Fahrradfahrer aus dem Sattel haue.

Dabei gehen sein Fahrrad und das neue Handy kaputt. Der Schaden für beides beträgt etwa 2.000€. Das ist der Sachschaden.

Der Radler stürzt so unglücklich, dass er ins Krankenhaus muss und eine Hand kompliziert gebrochen ist. Die gesamten Krankenhaus- und Rehakosten betragen gute 20.000€. Das ist der Personenschaden.

Unglücklicherweise verheilt die Hand nicht richtig und der Fahrradfahrer kann seinen Beruf als Uhrenmacher nicht mehr ausüben. Statt der bisherigen 2.000€ verdient er in seinem neuen Beruf noch 1.000€ halbtags. Dieser Einkommensverlust wird inkl. der damit verbundenen niedrigeren Rentenanwartschaften hochgerechnet und ergibt den Vermögensschaden.

Es wird klar, dass der Sachschaden zwar schmerzlich, aber nicht existenziell ist. Personenschäden sind dann meist schon eine Nummer härter. Der oben skizzierte Vermögensschaden wäre die private Insolvenz.

Haften Eltern für ihre Kinder?

Es kommt drauf an. Grundsätzlich kann man nur für selbst verschuldete Schäden belangt werden. Davon abweichend gibt es nur wenige Sonderfälle, die selten relevant sind.

Bei minderjährigen Kindern gibt es die Haftung des Aufsichtspflichtigen. Eltern haften dabei für Schäden, die ihre lieben Kleinen verursachen. Diese Haftung tritt jedoch nicht ein, wenn die Eltern ihre Aufsichtspflicht nicht verletzt haben oder der Schaden auch bei korrekter Aufsichtsführung entstanden worden wäre.

Wenn also ein Schaden entsteht, die Eltern aber das Kind ausreichend beaufsichtigt haben, hat der Geschädigte in dem Fall Pech.

Gegenstand vieler Streitfälle ist dabei, inwieweit die Aufsichtspflicht verletzt worden ist. Niemand muss sein Kind rund um die Uhr zu 100% überwachen. Maßgeblich hierbei ist die Entwicklung und damit die Einsichtsfähigkeit des Kindes.

Das Gleiche gilt im Übrigen auch für behinderte Erwachsene oder für demenzkranke Personen.

Wer soll sich schützen?

Haftpflichtschäden sind eher selten, aber unbegrenzt. Also beste Voraussetzung für die Abwälzung des Risikos auf eine Versicherung. Insofern sollte jeder eine Privathaftpflichtversicherung abschließen.

Tierhalter haften vollumfänglich für Schäden, die ihre Tiere verursachen. Diese werden jedoch nicht über die Privathaftpflicht abgedeckt. Deshalb ist eine separate Versicherung bei größeren Tieren wie Hunden und Pferden anzuraten.

Immobilienbesitzer haften für Schäden, die vom Grundstück oder der Immobilie ausgehen. Die Besonderheit hier liegt in der sogenannten vermuteten Verschuldung. Das heißt, der Geschädigte muss kein Verschulden nachweisen, sondern der Häuslebauer, dass er alles richtig gemacht hat. Ein nicht ausreichend geräumter Gehweg kann da schon zur Falle werden. Hiergegen bieten gute Privathaftpflichtversicherungen Deckung. Ansonsten ist eine eigenständige Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht notwendig.

Die Privathaftpflichtversicherung bezahlt übrigens nicht nur Schäden, die man verursacht hat. Sie prüft im ersten Schritt immer, ob man überhaupt schadensersatzpflichtig ist. Das nennt man passiven Rechtsschutz. Denn lieber bezahlt die Versicherung einen Anwalt, als im Zweifel Tausende Euro an Schadensersatz zu leisten. Also immer wenn jemand einen verklagen will, sollte man diesen Vorgang der Versicherung erstmal mitteilen.

Worauf soll ich achten?

Wichtig ist eine möglichst hohe Versicherungssumme. Zwar klingen 50 Millionen Euro absurd hoch, doch gänzlich ausgeschlossen ist ein solcher Schaden nicht. Es ist daher unvernünftig, wegen 5 Euro weniger im Jahr z.B. nur 3 Millionen Euro zu vereinbaren. Also: So viel wie möglich!

Die vereinbarte Versicherungssumme sollte pauschal für alle drei Schadensarten gelten. Oftmals sind Vermögensschäden niedriger versichert. Das sind jedoch gerade die besonders Unkalkulierbaren.

Sinnvoll ist die Deckung für den Verlust von Schlüsseln. Wer beispielsweise in einem großen Mehrfamilienhaus wohnt, muss im Zweifel für den kompletten Austausch aufkommen. Auch auf der Arbeit kann das sehr teuer werden, wenn durch den Schlüsselverlust die komplette Schließanlage der Fabrik ausgetauscht werden muss.

Viele Verträge bieten mittlerweile Deckung für deliktunfähige Kinder an. Das bedeutet, dass der Geschädigte, der wie oben gezeigt, leer ausgehen würde, seinen Schaden dennoch ersetzt bekommt.

Zweckmäßig ist der Einschluss von Mietsachschäden. Das betrifft vor allem Wohn- oder Ferienräume. Dort kann es im Ernstfall ebenfalls außerordentlich teuer werden, sodass eine ausreichend hohe Deckung geboten ist.

Als besonders wichtig erachten wir die Forderungsausfalldeckung. Diese springt dann ein, wenn man selbst geschädigt worden ist, der andere aber keine Versicherung hat, um den Schaden zu bezahlen. Ohne diese Klausel würde man unter Umständen auf dem Schaden sitzen bleiben.

Oft bietet die Privathaftpflichtversicherung Schutz bei nebenberuflichen selbstständigen Tätigkeiten. Wer allerdings selbstständig ist, benötigt eine separate Berufs- oder Betriebshaftpflicht.

Als letzten Tipp empfehlen wir, eine hohe Selbstbeteiligung zu vereinbaren. Viele verwenden die Haftpflichtversicherung, um dem besten Kumpel ein neues Handy zu ermöglichen. Ach, kannst du das nicht über deine Haftpflicht einreichen? Durch diese Kleinschäden entsteht jedoch ein ähnlicher personeller Aufwand, wie für einen richtig großen Schaden. Im Zweifel ersetzt die Versicherung die 200€, die das Ding noch wert ist, hatte aber einen Verwaltungsaufwand von 500€. Solche Kleinschäden sind nichts für die Versicherung, sondern können ohne Probleme vom Notgroschen beglichen werden. Wer eine Selbstbeteiligung vereinbart, reicht solche Kleinstschäden nicht ein. Das honoriert die Versicherung mit einem niedrigeren Beitrag. Wenn ich, was wahrscheinlich ist, meine Versicherung zum Glück nie in Anspruch nehmen musste, habe ich im Laufe der Zeit eine Menge gespart. Sollte ich aber wirklich einen großen Schaden haben, kann ich auch die paar hundert Euro Selbstbeteiligung stemmen. Den großen Rest übernimmt dann die Versicherung. Als netter Nebeneffekt sinken die Schadensaufwendungen für die gesamte Versichertengemeinschaft. So bleibt der Beitrag stabil, wenn alle mitmachen.

Es spricht also alles dafür, eine hohe Versicherungssumme und möglichst umfangreiche Deckung zu vereinbaren und den Mehrbeitrag über eine Selbstbeteiligung abzufedern. Das bedeutet: niedriger Beitrag und umfassender Schutz.