Da dies mein erster Beitrag für cashkurs.com im neuen Jahr ist, möchte ich es nicht versäumen, Ihnen ebenfalls noch ein erfolgreiches und gesundes Jahr 2013 zu wünschen. Doch sind Erfolg und Gesundheit auch nicht alles im Leben. Aus diesem Grund wünsche ich Ihnen auch eine gehörige Portion Freude und vor allem viel Glück – denn Sie wissen ja: Gerade die Passagiere der ersten Klasse auf der Titanic waren alle weitestgehend erfolgreich und gesund, was Ihnen letztendlich – beim bitteren Ende – auch nicht viel geholfen hat.

Das Stichwort „Titanic“ bringt uns zum Thema. Nämlich zu unserem Finanz- und Wirtschaftssystem, das sich immer mehr von einer ehemals mehr oder weniger kapitalistischen, mitmenschlichen Marktwirtschaft im Sinne eines Ludwig Erhard in einen fast schon bizarr wirkenden Sozialkaputtalismus verwandelt hat, der weltweit und vor allem innerhalb der europäischen Währungsunion wütet.

Tatsächlich wäre es in einem wahren demokratisch-kapitalistischen System nicht möglich, dass private Banken oder Unternehmen bei wirtschaftlichem Versagen, Pech oder beidem von deren Lakaien aus der Politik im angeblichen Namen des Volkes und auch noch mit dessen Geld gerettet würden. Tatsächlich wäre es in einem wahren demokratisch-kapitalistischen System auch nicht möglich gewesen, die Hoheit über das Geldmonopol durch sogenannte Volksvertreter in private Hände zu übertragen. Tatsächlich wäre es in einem wahren demokratisch-kapitalistischen System schon gar nicht möglich gewesen, überhaupt ein solches Geldmonopol zu installieren und aufrechtzuerhalten. Ebenfalls wäre es in einem wahren demokratisch-kapitalistischen System auch nicht möglich, es im Verborgenen zu halten, gegen welche Gruppierung innerhalb der Gesellschaft man den Bürger seitens der Politik eigentlich oder angeblich vertritt. Und schon gar nicht wäre es in einem wahren demokratisch-kapitalistischen System möglich, diese Verhaltensweisen und Betrügereien am Volk über eine so lange Zeit – ohne das Einschreiten einer unabhängigen Judikative – mittlerweile weit mehr als vier Jahre bestehen zu lassen.

Friedensnobelpreis hin oder her – letztendlich kann der eingeschlagene Weg, Gewinne zu privatisieren und Verluste auf Teufel komm raus zu sozialisieren nur zu Unruhen in der Bevölkerung und langfristig bürgerkriegsartigen Zuständen führen. Auch wenn auf der einen Seite nicht nur die europäische Gemeinschafts-Titanic immer weiter mit Staatsschulden geflutet wird, ist die auf der anderen Seite stattfindende exponentielle Vermehrung der riesigen privaten Geldvermögen in den wenigen Händen vermeintlicher „gesellschaftlicher Leistungsträger“ auf Dauer nicht durchzuhalten.

Denn auch 2013 wird die Verschuldung des Bundes und der gegensätzlichen Vermögen voraussichtlich um weitere 17 Milliarden Euro und entsprechende Zinsausgaben ansteigen. Ein angestrebter ausgeglichener Haushalt für 2016 und (!) dass Beteiligungen am ESM für die Jahre 2013 bis 2016 nicht eingeplant werden, muss entweder unter die Rubrik böse Absicht, Blauäugigkeit, Einfalt oder einfach nur Dummheit eingestuft werden. Ganz wie Sie wollen. Bände spricht im Übrigen, dass diese zukünftigen, mit Sicherheit anfallenden Milliardenkosten für deutsche Steuerzahler unter dem Punkt „Investitionen“ und nicht etwa „Abschreibungen“ geführt werden

Auf unserem Planeten finden wir unzählige Berge und Täler. Wundervolle Landschaften, die die Schönheit der Erde ausmachen. Es gibt eindrucksvolle, abwechslungsreiche Gebirgslandschaften mit bedrohlichen Schluchten und weitflächige, pittoreske Ebenen ohne nennenswerte Bodenerhebungen. Und das ist gut so, vor allem, weil geologische Veränderungen in Bezug auf ein Menschenleben in der Regel nur sehr langsam vonstattengehen. Ausnahmen finden zweifellos bei natürlichen Vorkommnissen – wie beispielsweise Vulkanausbrüchen – statt, die gemeinhin vom Menschen als Natur-„katastrophen“ bezeichnet werden und das Landschaftsbild binnen weniger Stunden völlig verändern können. Doch würde der Kontinentaldrift beispielsweise dafür sorgen, dass die Gebirge der Erde in nur wenigen Jahren immer höher und schneller exponentiell in die Höhe schössen, hätte das zwangsläufig – gesamtgeologisch (im übertragenen Sinne für den Menschen gesamtwirtschaftlich!) gesehen – immer tiefer werdende Täler zur Folge. Versuchte man nun innerhalb der Täler Löcher einzusparen oder sie von unten her aufzufüllen – beispielsweise durch das Buddeln neuer Löcher in Form von Mehrbelastungen von Menschen, die in eben diesen Tälern wohnen – dürfte klar sein, dass man dabei einer Sisyphusarbeit erlegen ist. Die Auffüllung eines Tals kann nur durch die Abschmelzung eines Berges erfolgen.  

An dieser Stelle sei auf die Mär hingewiesen, dass die oberen reichsten zehn Prozent in Deutschland über 50 Prozent des Steueraufkommens zahlen. Natürlich trifft diese Aussage auf einzelne Steuerarten, wie zum Beispiel die Einkommenssteuer zu. Doch ohne Zweifel hat eine solche Feststellung in diesem Zusammenhang eine ähnliche Aussagekraft, wie die Tatsache, dass Raucher zu einhundert Prozent die Kosten der Tabaksteuer zu tragen haben.

Beispielsweise betrug im Jahr 2011 das gesamte Steueraufkommen [1] – ohne reine Gemeindesteuern / alle Zahlen gerundet – 527,2 Mrd. Euro. Die Einnahmen aus der Lohnsteuer beliefen sich auf 139,7 Mrd. Euro, die aus der veranlagten Einkommensteuer auf 32 Mrd. Euro. Umsatz- und Bundessteuern betrugen hingegen  insgesamt ca. 290 Mrd. Euro.  

Betrachtet man also das gesamte Steueraufkommen, wird recht schnell deutlich, dass Umsatz- und Bundessteuern [2] den Staat zu über 50 Prozent finanzieren, Lohn- und Einkommenssteuern lediglich einen Anteil von etwas mehr als 30 Prozent zur Staatsfinanzierung beitragen. Es ist also mitnichten so, dass die sogenannten Leistungsträger beinahe allein den Laden am Laufen halten. Doch natürlich findet über die Steuerprogression ein gewisser Ausgleich statt, der jedoch bei einem Spitzensteuersatz von 45 Prozent endet. Die indirekten Steuern belasten jedoch alle Einkommensbezieher gleichermaßen, wobei es zweifellos klar sein dürfte, das Bezieher niedriger und mittlerer Einkommen einen weitaus höheren Anteil ihres verfügbaren Geldes für den Konsum ausgeben müssen, als Bezieher sehr hoher Einkommen.

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich gerade nicht über einen Gérard Depardieu spreche, der meines Erachtens mit seinen geschätzten etwa 150 Millionen Euro, die weitestgehend aus Immobilienvermögen bestehen, weltweit bestenfalls zur oberen Mittelklasse gehört. Nein, an dieser Stelle spreche ich von den Milliardären der Welt, die im Bewusstsein und in der BILD der Öffentlichkeit meist gar nicht auftauchen und täglich zehn-, hundertausende oder gar Millionenbeträge „verdienen“ bzw. einstreichen, ohne jemals den Willen oder überhaupt die Chance zu haben, diese Vermögen verkonsumieren zu können.

Solange man diese aberwitzigen Vermögensberge der weltweit reichsten 1 Prozent weiter exponentiell wachsen lässt und sie nicht abgeschmolzen werden, wird es keine Chance geben, die Täler wieder aufzufüllen. Doch bekanntlich führt der Kontinentaldrift langfristig immer auch zu ganz natürlichen Spannungen im weltweiten Gefüge. Erdbeben, Tsunamis und andere sogenannte Natur„katastrophen“ sind in Folge zu beobachten, wenn der Mensch auch nicht in der Lage ist vorherzusehen, wann diese passieren.

Auch wenn wir uns gerade wieder einmal in einer entspannteren Phase der laufenden Systemkrise befinden und alles wieder einigermaßen „gut“ zu sein scheint, sollten wir uns keiner Selbsttäuschung hingeben. Die sich immer weiter aufbauenden Spannungen – größtenteils mitverursacht durch den mehr und mehr Einzug haltenden real existierenden Sozialkaputtalismus – werden sich früher oder später entladen müssen. Ein Exponentialdrift steht an, der die Gebirge wieder verschwinden lassen wird. Und doch kann niemand zeitlich genau prognostizieren, wann und wie dieser Drift ablaufen wird. Sicher ist nur, man wird eine Menge Glück brauchen, wenn er passiert. Und genau dieses wünsche ich Ihnen für 2013.

Fußnoten und Verweise:

[1] Bundesministerium der Finanzen:

Kassenmäßige Steuereinnahmen nach Steuerarten und Gebietskörperschaften, siehe http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/Steuerschaetzungen_und_Steuereinnahmen/2012-05-29-steuereinnahmen-nach-steuerarten-2010-2011.pdf

[2] Bundessteuern gliedern sich in:

- Zoll

- Energiesteuer

- Straßengüterverkehrssteuer

- Kraftfahrzeugsteuer (seit Juli 2009)

- Abgaben im Rahmen der Europäischen Gemeinschaften

- Stromsteuer

- Tabaksteuer

- Branntweinsteuer

- Kaffeesteuer

- Schaumweinsteuer

- Alkopopsteuer

- Solidaritätszuschlag

- Versicherungsteuer

- Zwischenerzeugnissteuer

- Pauschale Einfuhrabgaben