Mario Draghi hat mit seinen Worten „Whatever it takes“ nahezu eine Kehrtwende in der Eurokrise eingeleitet. Das damit ausgesprochene Vertrauen und vor allem das Handeln der EZB mit der Brechstange haben den Märkten derart viel Vertrauen verlieren, dass die Aktienkurse nur so kletterten und die Zinsmärkte völlig versaut wurden.

Mit versaut meine ich in diesem Zusammenhang vor allem das große Anleihekaufprogramm der EZB. Für rund 60 Mrd. EUR kauft die Europäische Zentralbank aus Frankfurt heraus Anleihen auf um den Markt mit Liquidität zu fluten. Dieses „gedruckte Geld“ soll dementsprechend für ein Anheizen der Wirtschaft sorgen und Banken dazu verhelfen Kredite an Unternehmen zu Investitionszwecken zu vergeben. Alle Anstrengungen werden von einem Inflationsziel mit 2% motiviert.

In der folgenden Grafik ist die intensive Ausweitung der Bilanzsummen der FED (Zentralbank der USA) als auch der EZB deutlich zu erkennen. Wohingegen die Ausweitung der Geldmengen auf Basis der Tapering Anstrengungen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten stagniert, nimmt die Bilanzsumme unter Draghi aufgrund des QE-Programms (Quantiative Easing) kontinuierlich zu.

So weit so gut…

Diese Form der Marktflutung mit Geld ist überall bekannt, Politiker hantieren mit diesem Kalkül und auch an den Märkten scheint es eingepreist zu sein. Vor kurzem kam nun heraus, dass nicht nur die EZB Anleihen aufkauft, sondern gleichermaßen die einzelnen Notenbanken Geld in den Markt pumpen. Was für ein Chaos das Auslösen könnte scheint derzeit noch voll und ganz im Dunkeln zu liegen. Schließlich gibt es im Euroraum insgesamt 19 (!) nationale Notenbanken. Stellt man sich nun vor, dass diese neben den heftigen Maßnahmen der EZB alle parallel ihr eigenes Süppchen kochen so kann man nur erahnen wie es hier in Sachen Transparenz und Kontrollwirkung zugeht. Ich vergleiche diese derzeit unter Verdacht stehende Handhabung gerne mit einem Piloten. Dieser repräsentiert das Geldsystem, welches wiederum von unterschiedlichen und zum großen Teil voneinander unabhängigen Fluglotsen (also den nationalen Notenbanken) Anweisungen erhält. Ob diese sich nun jederzeit einwandfrei absprechen oder nur ihren eigenen Vorteil (mein Luftraum soll möglichst einwandfrei bleiben – was jedoch beim Nachbarn passiert ist primär nicht mein Geschäft) im Fokus haben sollte ein heftiger Kritikpunkt sein.

Aufgrund dessen verlangen Politiker ein bisher geheimes Abkommen zwischen EZB und nationalen Notenbanken zu veröffentlichen, um endlich Licht ins Dunkle zu bekommen. In welcher Form also die Geldhüter mit Draghi an der Spitze mal wieder fleißig auf den Nasen der geschätzten Politiker herumtanzen ist einmal mehr beeindruckend.

Die CSU verlangt eine Aufklärung bis ins letzte Detail. Sollte Draghi dazu nicht beitragen, so sei dies mit dem Verbergen wichtiger Informationen gleichzusetzen. Gleiche Töne hört man aus fast allen Lagern mal etwas energischer und mal etwas ruhiger. Der jedoch übereinstimmende Konsens scheint zu zeigen, dass Draghi mit dem sogenannten Anfa-Abkommen (Agreement on the Net-Financial Assets) für Überraschung bei den eigentlich Verantwortlichen gesorgt hat.

Die größten in der EU ganz vorne dabei

Besonders Frankreich und Italien scheinen im Fokus zu stehen. Immerhin sind die beiden Volkswirtschaften nach Deutschland auf Platz zwei und drei des Euroraumes angesiedelt. Die folgende Grafik zeigt dabei deutlich, wie exzessiv die Banque de France (BdF – Nationalbank Frankreichs und somit Gegenstück zur Bundesbank in Deutschland) Anleihen aufkauft und somit selber die „graue“ Notenpresse anwirft. Resident securities entspricht in diesem Zusammenhang Anleihen von gebietsansässigen Emittenten. Ob es sich dabei um Anleihen aus ganz Europa handelt oder nur um festverzinsliche Wertpapiere heimischer (in diesem Fall Frankreich) Schuldner wollte man auf Rückfrage nicht beantworten.

Unterm Strich darf man jedoch davon ausgehen, dass die neu geschaffenen liquiden Mittel der BdF vor allem der heimischen Wirtschaft zu Gute kommen sollen.

Ein System das eskaliert?

Die Hauptaufgabe der Währungshüter in Frankfurt ist es dafür zu sorgen, dass in der Eurozone die Preisstabilität garantiert wird. Das Inflationsziel liegt dafür bei ca. 2%. Von diesem Idealwert sind wir aktuell noch weit entfernt, weswegen eine expansivere Geldpolitik im Einmaleins der Notenbankpolitik gerechtfertigt erscheint. Zum Vergleich: Die Zentralbank in den USA, FED oder auch Federal Reserve genannt, hat neben der Preisstabilität z.B. gleichermaßen das Ziel einer Belebung der Konjunktur. Diese Ziele kommen bei der EZB an eher zweitrangiger Stelle.

Das aktuelle Gelddrucken der EZB hingegen nimmt ein Stereoiden-ähnliches Ausmaß an, das die Wirtschaft künstlich pusht und damit wie beim Bodybuilder auch eine gewisse Abhängigkeit generiert. Ich freue mich schon auf die Tapering-Diskussion in Europa, die wir dann in ca. einem Jahr sehen werden.

Weiterhin ist die bereits beschrieben genaue Kontrolle und vor allem Transparenz, die dann auch die Entscheidungen der Politiker beeinflusst angekratzt, wenngleich nicht sogar unmöglich. Da die Politik vom genannten Abkommen bisher nichts gewusst zu haben scheint, wurden Entscheidungen also auf Basis falscher Tatsachen getroffen.

Nun ist also einmal mehr Herr Draghi am Zug. Aufklärung und vor allem Transparenz sollten oberste Priorität haben, damit die Entscheidungsgrundlagen aller Beteiligten über unser Geldsystem und die damit verbundenen Ausmaße auch mit gleicher Datengrundlage gegeben ist.

Ihr Andreas Meyer

Quelle: Banque de France, Federal Reserve, EZB