Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.0780 (07.50 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.0714 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 119.90. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129.20. EUR-CHF oszilliert bei 1.0448.

Die Spekulation gegen den Euro und damit die Eurozone ist derzeit ausgeprägter als jemals zuvor. Das gilt zumindest für den Future-Markt, in dem Positionen nachvollziehbar sind. Grundsätzlich gilt die Regel, dass die Positionierung am Future-Markt eine sinnvolle Messgrösse für die diskretionären Positionen am Devisenmarkt (OTC) sind.

Die Ignoranz gegenüber der unerwarteten konjunkturellen Gesundung der Eurozone und der im weiteren Verlauf noch einmal thematisierten unerwarteten US-Konjunkturschwäche ist ausgeprägt und zunehmend irritierend.

Gleiches gilt für die voran schreitende Gesundung der europäischen öffentlichen Haushalte ganz im Gegensatz zu der öffentlichen Haushaltslage in den USA. Fakt ist, dass die USA seit einigen Tagen wieder ihren öffentlichen Haushalt durch Notfallmaßnahmen auf die Beine stellen, da das Schuldenlimit wieder erreicht wurde. Die Medien schweigen dazu ...

Das geopolitische Desaster, dass die USA bei der Gründung der AIIB (Isolierung der USA, obwohl die USA dabei China isloieren wollten) erleiden, wirkt sich derzeit gleichfalls „noch“ nicht in der Bewertung der Leitwährung aus.
Werfen wir einen Blick auf die „Short-Euro/Long USD“ Position am Future-Markt:

Was für die Parität EUR-USD gilt, gilt natürlich auch für die unbestechliche, aber am Future-Markt manipulierbare Währung Gold gegenüber dem USD.

Vor dem Hintergrund der aggressiven Positionierung zu Gunsten des USD und der aktuellen Konjunkturwelt, der aktuellen Fiskalwelt und der geopolitsichen Lage, die in dieser Form von den Märkten nicht erwartet wurde, muss die Frage nach der Nachhaltigkeit der freundlichen USD-Tendenz gestellt werden – mehr gibt es nicht zusagen ....

Die Konjunkturbelebung vermindert die Arbeitslosigkeit in der Eurozone auf den niedrigsten Wert seit circa drei Jahren. Durch Revisionen ergab sich gegenüber der bei 11,2% angesiedelten Konsensusprognose eine Verschiebung.
Per Februar hatten 18,204 Millionen Männer und Frauen keinen Arbeitsplatz. Das waren 49.000 weniger als im Januar und 643.000 weniger als ein Jahr zuvor.

Laut Eurostat sank die um saisonale Schwankungen bereinigte Arbeitslosenquote auf 11,3%, dem niedrigsten Stand seit Mai 2012.

Der deutsche Arbeitsmarkt setzte gleichfalls positive Akzente. Die Arbeitslosenquote sank in der saisonal bereinigten Fassung von 6,5% auf 6,4%. Die Anzahl der Arbeitslosen sank von 2.812.000 auf 2.798.000 und markierte den niedrigsten Stand seit 1991.
Der Chart bildet die Anzahl der Arbeitslosen in der saisonal bereinigten Fassung ab:

Der Blick auf die Erwerbstätigenzahl in der Krise und in den Nachwehen der europäischen Krise ist darüber hinaus beeindruckend.

Nach dieser erfreulichen Kost aus der Eurozone wenden wir uns den USA zu.
Während die Tendenz der europäischen Daten der EZB Anlass geben könnte über eine zukünftige Exitstrategie aus der QE Politik nachzudenken, erreicht uns aus den USA Zinserhöhungsverbalakrobatik im Angesicht unerwarteter Konjunkturschwäche, die auf Strukturschwäche beruht.

Gehen wir ins Detail:

Der US-Notenbanker Jeffrey Lacker dringt wegen des Aufschwungs in den Vereinigten Staaten auf eine baldige Zinserhöhung. "Nach jetzigem Stand spricht vieles dafür, dass das Zinsniveau eigentlich höher liegen sollte", sagte der Chef der Notenbank des Bezirks Richmond.

Faktencheck in Richmond Virginia:

Lieber Herr Lacker, von einem Chef der regionalen Federal Reserve erwarten wir, dass er mindestens die Konjunkturlage im eigenen Umfeld kennt. Ihr Composite Index steht auf dem niedrigsten Stand seit Januar 2013! Der Index markiert Kontraktion und nicht Wachstum!

Das gilt auch nicht nur für den Fed-Bezirk Richmond, sondern für diverse weitere Fed- Bezirke, beispielsweise Kansas (Composite -4), oder Dallas (Manufacturing -17,4). Die anderen Einkaufsmanagerindices, ob aus Philadelphia, Kalifonrien oder NY schwächten sich zum Teil markant ab, ohne in den kontraktiven Bereich zu sinken.

Mehr noch fallen die Unternehmensgewinne in den USA seit vier Quartalen. Passt das zu Ihrer Einlassung Herr Lacker? (Chart siehe unten!)

Es gilt auch für den von der Federal Reserve Chicago ermittelten „National Activity Index“ (85 nationale Indikatoren zusammengefasst), der aktuell bei -0,11 Punkten steht und sich den dritten Monat in Folge auf negativem Terrain bewegt. Das war zuletzt 2010/2011 der Fall.

Gestern wurde der Einkaufsmanagerindex aus Chicago per März veröffentlicht Herr Lacker. Der Index stieg geringfügig von 45,8 auf 46,3 Punkte (=Kontraktion) und verfehlte die bei 51,5 Zählern angesiedelte Konsenusprognose sportlich.
Der Index markierte den zweitschwächsten Wert seit Juli 2009 Herr Lacker!

Gut Herr Lacker, eine Runde geht an Sie!

Zwar ist das Verbrauchervertrauen nach Lesart des Conference Board bekanntlich volatil und neigt zu Überzeichnungen, dennoch punkten Sie hier.
Völlig unerwartet und im diamtralen Gegensatz zu den Entwicklungen in dem Sektor Produktion, Dienstleistung und allen voran Einzelhandel spurtete dieser Index des Verbrauchervertrauens per Berichtsmonat März von 98,8 (revidiert von 96,4) auf 101,3 Punkte. Damit markierte dieser Index den zweithöchsten Stand seit August 2007.

Vor dem Hintergrund der Verarmung, auch im Mittelstand, in den USA stellt sich die Frage, wer hier befragt wird. So ein nominaler Anstieg der mittleren Einkommen um 2,5% seit Lehman 2008 bei einer Zunahme der Konsumverschuldung um 18% und kräftig viel „Sub Prime“ in den Sektoren Automobilkredite, Kreditkarten & Co. muss dann auch im Verbrauchervertrauen den jetzt ermittelten Niederschlag finden, oder?

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.0480 – 1.0500 neutralisiert den positiiven Bias.

Viel Erfolg!

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