Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.0938 (07.52 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.0928 im asiatischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 121.85. In der Folge notiert EUR-JPY bei 133.30. EUR- CHF oszilliert bei 1.0360.

Wirtschaftsdaten spielen derzeit für die Bewertung an den Devisenmärkten eine untergeordnete Rolle.

Das Griechendrama spitzt sich weiter zu und lastet auf dem Euro:

Der verbleibende zeitliche Spielraum ist extrem eng. Die nächsten Zins-und Tilgungsverpflichtungen kommen in einem Volumen von 1,6 Mrd. Euro auf Athen zu. Ohne externe Hilfe ist Griechenland nicht in der Lage, diese Zahlungen zu leisten. Die Regierung in Athen, wohlwissend, dass circa 70% - 80% der Bevölkerung im Euroraum verbleiben wollen, zocken mutig weiter.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass man in der Regierung in Athen dem Glauben verfallen ist, dass Schuldner die Bedingungen der Kreditpakete bestimmen könnten.

Nach mehr als 30-jähriger Berufserfahrung kann ich diese Wahrnehmung in Athen nicht unterschreiben. Es verhält sich genau anders herum.
Auch das geopolitische Pfand, das Athen fraglos in Händen hält, könnte vor obigem Hintergrund durchaus verblassen.

Die Wahrscheinlichkeit eines Grexit oder Graccident nimmt latent zu. Die damit verbundene Nervosität belastet den Euro aktuell.

Sofern der letzte Vorhang des Dramas fällt, könnte ein latenter Belastungsfaktor des Euros der vergangenen Jahre neutralisiert werden. Eine Scheidung ist zwar kostspielig, sie hat aber auch ihre guten Seiten. Man kann sich neu aufstellen und neu fokussieren.

Bezüglich der Erfolge in den weiteren Reformländern und jüngst ermutigenden Signalen aus Rom und Paris bezüglich der Konjunkturlagen verliert ein Grexit oder Graccident sehr viel an Schrecken. Warren Buffett sagte unlängst frei übersetzt, dass ein Euro ohne Athen Charme hätte, das kann sehr wohl so sein ...

Entscheidend für den plötzlichen und abrupten Absturz des Euros gegenüber dem USD von Niveaus jenseits der 1,12 waren die Einlassungen von Frau Yellen.
Yellen sagt, sie gehe davon aus, dass die Notenbank 2015 die Zinswende einleiten werde, obwohl sich der Arbeitsmarkt noch nicht vollständig erholt hätte.

In der Tat, liebe Frau Yellen, das Bild ist sehr viel prekärer als es ihre kreative Statistik des BLS darlegt. Es geht dabei einerseits um die fallende Partizipationsrate bei steigender Bevölkerung! Es geht andererseits um die Frage der Qualität der verlorenen Jobs im Vergleich zu der Qualität der neu geschaffenen Jobs. Um es noch deutlicher zu sagen, geht es um die neu geschaffenen Lohnsummen, die das erhöhte Kreditvolumen zu bedienen haben. Auf dieser Seite sieht der Stellenaufbau prekär aus. Diese halbherzigen Arbeitsmarktanalysen/Strukturanalysen aus den USA irritieren zunehmend.

Die US-Wirtschaft sei auf einem guten Weg, das schwache erste Quartal abzuschütteln. Das sei nur durch vorübergehende Faktoren bedingt gewesen. Sie erwartet zukünftig freundlichere Wirtschaftsdaten, die die Zinswende erlauben würden.

An dieser Stelle gilt es, die asymmetrische Wahrnehmung in der Federal Reserve zu bewundern. Wie sagt man auf „amerikanisch“: „What a narrative!“
Fakt ist, dass sich seit nunmehr mehr als 2 Quartalen von der Fed und den Auguren vollkommen unerwartet das schwächste Wachstumsbild seit 2012 abzeichnet. Es geht nicht um das erste Quartal 2015. Bereits das vierte Quartal 2014 enttäuschte die Erwartungen des Marktes und der Federal Reserve nachhaltig. Dem schloss sich von unseren Freunden unerwartet ein prekäres erstes Quartal 2015 an. Die aktuelle Prognose für das 2. Quartal 2015 liegt laut Federal Reserve Atlanta bei 0,7% annualisiert (Marktkonsensus bei knapp 3%). Auffällig ist, dass exakt in dem Moment, in dem die quantitativen Maßnahmen der Federal Reserve eingestellt wurden, die Dynamik des Wachstums kippte. Diese Korrelation findet derzeit außerhalb Bremens erstaunlicherweise keine Wahrnehmung, obwohl sie sich förmlich aufdrängt.

Liebe Frau Yellen, sie klingen genau wie die Meinungsführer der Fed, als man 2007/2008 laut verkündete, die Krise sei begrenzt („The crisis is contained!“).
Die Tatsache, dass man jetzt seitens der Statistikbehörden (BEA) ernsthaft erwägt, eine zweite saisonale Bereinigung der schwachen US-Daten vorzunehmen, mag etwas an Daten, aber nicht an Realitäten ändern.

Es ist erstaunlich wie willfährig der Markt bezüglich der Federal Reserve ist, die sich in entscheidenden Punkten, dann wenn es mit der US-Wirtschaft bergab ging, massiv irrte. Lernkurven sind offensichtlich ein Luxus, den sich der „Markt“ nicht leisten will.

Fakt ist, dass diese beiden Themen derzeit den Markt machen. Ergo steht der Euro zunächst unter Druck.

Der deutsche IFO-Index sank, aber er sank nicht so stark wie erwartet. Per Berichtsmonat Mai kam es zu einem Rückgang des Sentimentindex von 108,6 auf 108,5 Punkte. Die Prognose lag bei 108,3 Zählern.

Die US-Verbraucherpreise legten im Monatsvergleich per Berichtsmonat April um 0,1% zu. Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um 0,2% nach zuvor -0,1%.
Der Blick auf den Chart verdeutlicht, dass bezüglich des Preisniveaus die schwächste Situation seit 2009 vorliegt. Da sind Zinserhöhungen natürlich goldrichtig ...

Bei der Kernrate bietet sich ein anderes Bild, das Raum für Zinsspekulationen der Fed lässt. Hier kam es zu einem Anstieg im Monatsvergleich um 0,3% und im Jahresvergleich von 1,8% nach zuvor 1,8%.

Chart: Index der Kernrate der Verbraucherpreise

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Ein Ausbruch aus der Bandbreite 1.0650 – 1.1230 eröffnet neue Opportunitäten.

Viel Erfolg!

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