Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.0595 (07.48 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.0552 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 121.35. In der Folge notiert EUR-JPY bei 128.55. EUR-CHF oszilliert bei 1.0658.

Die Griechenlandkrise wabert weiter. In den nächsten Tagen stehen weitere Gespräche auf der Agenda, unter anderem Tsipras/Merkel..
Der Wille, Griechenland in der Eurozone zu halten, ist noch erkennbar. Gleichzeitig ist man seitens der Geldgeber auf andere Szenarien vorbereitet.

Die Einlassungen des Chefs der deutschen Wirtschaftsweisen ist diesbezüglich Richtung weisend.
Ein Exit Griechenlands aus der Eurozone würde nach Auffassung des Chefs der Wirtschaftsweisen Schmidt die Eurozone wirtschaftlich nicht grundlegend bedrohen. Zitat: „Gefährlicher als die ökonomischen Folgen eines Grexit wären die politischen Auswirkungen, wenn es Griechenland erlaubt werde, vertragliche Vereinbarungen seiner Rettungspakete einseitig aufzukündigen. Dann könnten politische Strömungen in Europa Auftrieb und mehr Zulauf erhalten, die vermeintlich leichte Auswege aus der Krise versprächen.“

Wir stimmen vollständig zu.

Die Wirtschaftsdaten aus der Eurozone setzten grundsätzlich positive Akzente

Die Verbraucherpreise sanken im Jahresvergleich per Februar im Jahresvergleich um 0,3% nach zuvor -0,6%. Im Monatsvergleich kam es zu einem Anstieg um 0,6%.
Die Kernrate (endogene Preissteigerung) stieg im Jahresvergleich um 0,7% (Prognose 0,6%) nach zuvor 0,6%.

Der deutsche ZEW-Sentimentindex legte per März zwar von zuvor 53,0 auf 54,8 Punkte zu, die Prognose bei 58,2 Punkten wurde jedoch verfehlt. Dennoch markierte der Index damit den höchsten Stand seit Februar 2014.

Positiv stach ins Auge, dass der Lageindex mit einem unerwarteten Anstieg von 45,5 auf 55,1 Punkte (Prognose 50,0) positive Akzente setzte. Hier wurde der höchste Wert seit Juli 2014 erreicht.

Arrondiert wurde dieser Datenpotpourri von einer Neubewertung Portugals durch den IWF: Portugals Staatsfinanzen entwickeln sich nach Einschätzung des IWF besser als erwartet. Der IWF verringerte die Prognose für das Haushaltsdefizit auf 3,2% nach bisher 3,4% des BIP. Das Wirtschaftswachstum soll sich laut aktueller Prognose auf 1,5% (bisher 1,2%) nach 0,9% im Vorjahr stellen.

Mit anderen Worten überwiegen die positiven Daten in der Eurozone.

Die US-Konjunkturdaten verfehlen die Erwartungen dagegen markant:

Nachdem bereits in den Vortagen US-Konjunkturdaten die Erwartungen enttäuschten, konnten auch die gestern veröffentlichten Daten nicht im Ansatz überzeugen.
Vollständig unerwartet brachen die US-Neubaubeginne per Berichtsmonat Februar dramatisch um 17% von zuvor 1.081.000 auf 897.000 (annualisierte Fassung) ein.

Damit wurde der niedrigste Wert seit Juni 2013 markiert! Es kam zum größten prozentualen Einbruch seit 2011. Bezüglich der Anzahl war es der größte Rückgang seit 02/2007.
Die Prognose lag bei 1.049.000 Neubaubeginnen.
In der Prognose der Experten waren die US-Wetterkapriolen selbstredend inkludiert. Entscheidend ist, dass sich auch im Westen der USA, der von den Wetterkapriolen nicht betroffen war, ein Einbruch um 18% einstellte.

Schließen wir den Kreis zu den US-Arbeitsmarktdaten per Februar, die Ausgangspunkt der jüngsten USD-Befestigung waren.
Laut US-Arbeitsmarktbericht wurden per Februar 17.200 neue Jobs in der Wohnbauindustrie per Februar 2015 geschaffen. Das war der höchste Anstieg der Beschäftigung in dieser Branche innerhalb der letzten zwei Jahre (siehe Chart).

Ergo will uns das Bureau of Labor Statistics weis machen, dass während des größten Einbruchs der Neubaubeginne seit Juni 2013 die höchste Neubeschäftigung der letzten zwei Jahre in diesem Sektor gegeben war.
Das Maß an statistischer Unverdaulichkeit ist nur schwer erträglich ....

Fakt ist, dass die Phalanx der massiv enttäuschenden US-Konjunkturdaten täglich länger wird.
Fakt ist, dass die Federal Reserve Bank Atlanta diese aktuellen Konjunkturdaten in eine laufende BIP-Prognose der USA einpflegt.

Da es sich um von der Federal Reserve erhobene Daten handelt, dürfen wir unterstellen, dass diese Datensätze auch den Verantwortlichen im Offenmarktausschuss der Federal Reserve bekannt sind.
In dem Chart wird der Konsensus des Marktes als auch die Berechnung der Federal Reserve Atlanta abgebildet.

Per 17.März 2015 berichtet die Fed Atlanta, dass die BIP-Prognose für das erste Quartal 2015 weiter von zuvor 0,6% auf 0,3% in der annualisierten Fassung revidiert wurde. Der Konsensuswert aus den besten und schlechtesten 10 Prognosen im Finanzmarkt liegt derzeit bei knapp 2,5%! Genau diese 2,5% sind der Wert, der vom Devisenmarkt diskontiert ist.

Das Problem der US-Wirtschaft ist primär struktureller Natur. Nach den Interventionsphasen ohne Strukturreformen ergeben sich jetzt Erschöpfungszustände (= aktuelle Konjunkturdaten) mangels neuen „Wirtschaftsdopings“.

Nur der Arbeitsmarktbericht (Nonfarm-Payrolls, Extrapolation von Umfragewerten) setzte positive Akzente. Sowohl bezüglich der Jobs in der Wohnbaubranche als auch im Energiesektor haben wir im Forex Report belegt, dass die aktuellen Arbeitsmarktdaten in den USA keine Realitätsnähe liefern.

Bezüglich der heute anstehenden Offenmarktausschusssitzung der Federal Reserve stellt sich die Frage, ob man sich der strukturellen als auch konjunkturellen Realität stellt?
Man könnte auch den Weg der Federal Reserve gehen, der 2007/2008 eingeschlagen wurde. Wie hiess es noch so laut: „The crisis is contained!“

Auch damals haben wir der Federal Reserve laut widersprochen. Je länger man Realität verkennt, desto größer wird das Problem.
Anders als die EZB ist die US-Zentralbank auf eine Wachstumspolitik verpflichtet.
Wir sehen dem verbalen Ergebnis des Offenmarktausschusses mit höchster Spannung entgegen.

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.0820 – 50 neutralisiert den negativen Bias.

Viel Erfolg!

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