Dass im Produktions- und Dienstleistungswesen durch einen verstärkten Einsatz von Robotern sowie einer sich intensivierenden Automatisierung in der Arbeitswelt kein Stein mehr auf dem anderen bleiben würde, hatten wir Ihnen in einer ganzen Reihe von Berichten in der Vergangenheit bereits näher gebracht.

Die Robotisierungswelle im Produktionswesen scheint nun an Fahrt aufzunehmen, nachdem der Apple-Zulieferer Foxconn in der vergangenen Woche bekannt gegeben hatte, in einem seiner wichtigsten Produktionswerke 60.000 Arbeiter durch Roboter substituiert zu haben. Dies geht aus einem jüngsten Bericht in der South China Morning Post hervor.

Es zeigt sich, dass Arbeitnehmer nicht mehr nur durch eine anhaltende Auslagerung von Arbeitsplätzen aus den Industrieländern in Richtung China und anderer Schwellenländer bedroht sind. Vielmehr scheint der Faktor Arbeit Konzernunternehmen auch in diesen Region langsam aber sicher zu teuer zu werden.

Fortschreitende Automatisierung auch im Reich der Mitte

Folge ist, dass unzähligen Analysen und Ankündigungen nun auch Taten folgen. Von dieser Entwicklung einer sich beschleunigenden Roboterisierung und Automatisierung ist vor allem Chinas Provinz Jiangsu betroffen, in welcher viele taiwanesische Hersteller vor Ort in China produzieren. 

Foxconn gab auf Anfrage diverser Medien bekannt, dass das Unternehmen dabei sei, seine Produktionswerke in ganz China bereits seit vielen Jahren zu automatisieren. Gleichzeitig wurde bekannt gegeben, dass eine Freisetzung der Produktionsmitarbeiter ein Segen für die Belegschaft sei, weil sich die ehedem Beschäftigten nun nach Arbeitsplätzen in höherwertigen Segmenten des heimischen Produktionsprozesses umsehen könnten.

Für die entlassenen Mitarbeiter muss dies wie Hohn klingen. Denn vielerorts sind vor allem jene Arbeitnehmer von den Entlassungen betroffen gewesen, die über keine höherwertige Ausbildung verfügen, um sich für Bürojobs zu qualifizieren. Bei welcher Firma sollen die Entlassenen neue Arbeitsplätze in den Bereichen Forschung & Entwicklung, Prozess- oder Qualitätskontrolle finden, die oft nicht einmal über eine abgeschlossene Schulausbildung verfügen?!

600-Millionen-Dollar-Investition in „Künstliche Intelligenz“

Laut Foxconn sei der Konzern dabei, in nahezu all seinen Fabriken Roboter und andere innovative Produktionstechnologien in Betrieb zu nehmen, um Basisprozesse, die einst durch Arbeitnehmer am Band ausgeführt wurden, mittels eines verstärkten Einsatzes von Technik und Automatisierung ausführen zu lassen. Da die Automatisierung eine wichtige Rolle im Betriebsablauf von Foxconn einnehme, würden in den nächsten Jahren noch mehr Mitarbeiter durch Roboter & Co. ersetzt.

Laut aktuellen Daten der Provinzregierung planen mehr als 600 Unternehmen in Jiangsu, die eigene Belegschaft durch einen verstärkten Einsatz von Robotern und Automatisierung zu ersetzen. Diese Planungen beruhen auf Anstrengungen zur Wachstumssteigerung und einer zukünftigen Reduzierung der Kostenbasis.

Allein im vergangenen Jahr gaben taiwanesische Unternehmen einen Betrag von rund $600 Millionen im Bereich „Künstliche Intelligenz“ aus, um diese Initiative voranzutreiben. Aus diversen Berichten geht hervor, dass die Unternehmen einen Einsatz von Robotern und Maschinen in der Produktion Menschen vorziehen.

Zunehmender Wettbewerbsdruck

Grund sei, dass sich sowohl Roboter als auch Maschinen langfristig als vorhersehbarer und stabiler erwiesen als Menschen. Auf lange Sicht werde diese Entwicklung zu einer deutlichen Reduzierung der Arbeitskosten führen. Die verstärkte Einführung „Künstlicher Intelligenz“ im Produktionsablauf könnte jedoch auch noch andere Hintergründe haben. 

So sahen sich Just-in-Time-Lieferanten wie Foxconn in den vergangenen Jahren einem immer stärker wachsenden Druck ausgesetzt. Hauptgrund ist, weil Unternehmen wie Foxconn einen immanent wichtigen Part in der Lieferkette einnehmen, und deshalb stets unter Zeitdruck und Deadlines zur Auslieferung der eigenen Produkte stehen.

Nicht von ungefähr stand Foxconn in den letzten Jahren wiederholt in der Kritik für dessen inadäquate Arbeitsbedingungen. Diese Situation hatte vor einigen Jahren zu einer Reihe von Selbstmorden unter Mitarbeitern in einigen Fabriken des Konzerns geführt. Irgendwann gingen die Foxconn-Mitarbeiter dann auch an die Öffentlichkeit.

Menschenunwürdige Lebensbedingungen, schlechte Bezahlung

Laut Aussagen der Beschäftigten fühlten sich viele Mitarbeiter überarbeitet. Hinzu habe sich die Tatsache gesellt, dass die Mitarbeiter durch den Konzern in für Menschen unwürdigen Schlafeinrichtungen untergebracht und zudem unterdurchschnittlich bezahlt wurden. Manche Beobachter vermuten, dass Foxconn diesen Klagen durch einen verstärkten Einsatz von Robotern und Automatisierung ein Ende bereiten möchte.

Doch nicht nur China ist von dieser Entwicklung betroffen. Auch wenn in den USA immer wieder von einer bevorstehenden Renaissance des Produktionswesens schwadroniert wird, die sich bis dato nicht eingestellt hat, kommen in Amerikas Fabriken heutzutage bereits 260.000 Roboter zum Einsatz.

Im Jahr 2015 wurden rund 32.000 Fabrikroboter in einem Gegenwert von $1,8 Milliarden an Unternehmen in Nordamerika ausgeliefert. Gegenüber dem Vorjahr entsprach dies einem Wachstum von 14%. Zu den größten Abnehmern gehören nicht nur die amerikanischen Autokonzerne, sondern auch Unternehmen wie Amazon.

Roboter auch im Versand- und Einzelhandel

Bei Amazon kommen Roboter verstärkt in großen Auslieferungslagern zum Einsatz, wo sie Produkte aussortieren und gemäß der Bestellkette von einem Ort zum nächsten transportieren. Bislang erfolgte eine Substituierung von Arbeitnehmern in der Produktion in den meisten Fällen in Bereichen, in denen keine besonderen Fähigkeiten der Mitarbeiter von Nöten waren.

Doch dies könnte sich bald ändern. Nicht nur Band- und Lagerarbeiter blicken einem drohenden Jobverlust entgegen. Sondern nun geraten auch immer mehr Firmenbereiche in den Fokus, deren Mitarbeiter eine höherwertige Ausbildung vorzuweisen haben, und die über jahrelange Erfahrung im Kundendienst verfügen. 

So ist es im vergangenen Jahr beispielsweise zum erstmaligen Einsatz des Roboters Pepper in Einzelhandelsgeschäften in China gekommen. In der letzten Woche hat Pepper erstmals eine Anstellung bei der Fastfood-Kette Pizza Hut gefunden. Pepper kommt bei Pizza Hut vorerst nur in Filialen auf dem asiatischen Kontinent zum Einsatz, wo der Roboter Kundenwünsche und -bestellungen entgegennimmt.