International beachtete Spiele lassen die Börsenumsätze sinken – Und wenn ein Tor fällt wird´s noch ruhiger – Mitarbeitern der Europäischen und der niederländischen Zentralbank sei Dank für die Tüftelei

Es ist doch gut, dass die derzeit viel beachteten Spiele der Fußball-Europameisterschaften am Abend und nicht während de Börsenstunden stattfinden. Denn sonst kämen sicher viele Börsianer und sicher auch andere professionelle Trader und Anleger in Entscheidungsprobleme, ob sie lieber auf den Fernsehschirm oder ihren Börsenmonitor schauen.

Aber das war und ist ja nicht immer so. Zum Beispiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika fanden viele Spiele während der Börsenhandelszeiten statt, was die Aufmerksamkeit von vielen Millionen Fans rund um den Globus fand. Und unter diesen Millionen Fans waren auch viele, viele Anleger und Börsianer, die in ihrem Tun von den faszinierenden Fußballspielen beeinflusst wurden. Soll heißen, sie ließen zum Teil Börse Börse sein und konzentrierten sich auf den Sport.

Müder Handel wenn ein Tor fällt

Das jedenfalls haben uns dankenswerterweise zwei Ökonomen der Europäischen Zentralbank und der niederländischen Zentralbank haarklein, mit wissenschaftlichen Methoden und unter Anwendung von Adam Riese – soll heißen vielen komplizierten mathematischen Formeln -  nachgewiesen. Dabei wurden minutenweise die Handelsdaten von 15 internationalen Börsen ausgewertet. Wer die englischsprachige Studie im Detail inhalieren möchte, geht auf  den Internet Newsletter der Börse Frankfurt vom 14. Juni und klickt dort auf „Studie im Internet“. Wer es etwas einfacher haben möchte, für den bringen wir hier die drei wesentlichen Erkenntnisse.

  • Während der Spiele fielen die Börsen-Aktivitäten deutlich zurück. Verglichen mit normalen Tagen fiel die Anzahl der Trades um 45 Prozent, wenn das Nationalteam des jeweiligen Landes spielte; die Börsenumsätze fielen sogar um 45 Prozent.
  • Die Börsenaktivitäten wurden auch durch besondere Ereignisse auf dem Spielfeld beeinflusst. So bewirkte zum Beispiel ein Tor einen weiteren Abfall der Handelsaktivitäten um 5 Prozent und auch einen Abfall der gestellten Kurse. Doch ähnelt dieser weitere Abschlag auch der normalen Entwicklung während des Mittagszeit. Außerdem wurde festgestellt, dass schon vor dem Beginn des Spieles die Marktaktivitäten unterdurchschnittlich waren, was auch noch für die ersten 45 Minuten nach dem Spiel zu beobachten war.
  • Die Kursentwicklung an den nationalen Märkten wurde durch die Spiele beeinflusst und koppelte sich in einem gewissen Ausmaß von der Entwicklung an den globalen Märkten ab, zumindest solange bzw. insoweit, als die Preisentwicklungen an den globalen Märkten sich in Grenzen hielten. Eine Entwicklung, die allerdings ansonsten während der Mittagszeit nicht zu beobachten ist. Die nationalen Aktienmärkte beobachten und beachten dann folglich die Geschehnisse auf dem Fußballplatz mehr als die Abläufe an den internationalen Märkten.

Das alles sind für Börsianer sicher wichtige Erkenntnisse. Doch handelt es sich derzeit „nur“ um eine Europameisterschaft, wovon die weltweiten Börsen sicher weniger beeinflusst werden. Vielleicht ist es aber trotzdem gut, sich an den Spielabenden mit der deutschen Mannschaft rechtzeitig zu positionieren, um dem Geschehen auf dem Platz mit 100 Prozent Aufmerksamkeit folgen zu können.