Hat sich Amerikas Realwirtschaft von den Ereignissen zwischen den Jahren 2006 und 2009 eigentlich jemals erholt? Diese Frage wird unter Beobachtern und Analysten in den letzten Wochen und Monaten immer lautstarker gestellt. Nachdem Fed-Chefin Janet Yellen zuletzt erklärte, dass eine weitere Zinsanhebung die USA wieder in eine Rezession befördern könnte, dürfte sich eine Antwort auf diese Frage als klarer denn je erweisen. 

Doch wie dem auch sei, es ist die Mittelklasse der Vereinigten Staaten, die im Angesicht der gewaltig aufklaffenden Schere zwischen Arm und Reich immer stärker evaporisiert wird. Auf welche Weise in den vergangenen Jahrzehnten eine enorm zunehmende Anzahl von ehedem gut bezahlten Arbeitsplätzen in Teilzeit- und Niedriglohnjobs umgewandelt wurden, hatten sowohl Dr. Paul Craig Roberts wie auch ich wiederholt zum Thema der Betrachtung gemacht.

Und da sich die „Erholung“ der amerikanischen Wirtschaft laut offizieller Verlautbarungen fortsetzt, ist es einmal mehr an der Zeit, diese Aussagen eingehend auf ihren Wahrheitsgehalt abzuklopfen. Im Monat Juni hatte ich darüber berichtet, dass sich der Kollaps im so wichtigen Bereich der Firmenneugründungen in den USA nur schwer in Worte fassen lässt. Dabei hatte ich mich auf ein Statement in einer veröffentlichten Analyse der Economic Innovation Group (EIG) bezogen.

Harte Daten negativ wohin man auch blickt

Während die amerikanische Wirtschaft – wie fast alle anderen wichtigen Wirtschaftsregionen in der Welt – nach wie vor am Tropf der Notenbanken hängt, zeichnet sich immer deutlicher ab, auf welch negative Weise sich die nicht enden wollenden staatlichen Interventionen in die Märkte auf die US-Wirtschaft auswirken. Unternehmen gehen in hoher Anzahl Pleite, die frei verfügbaren Einkommen der Amerikaner tendieren gegen Null und Ersparnisse gibt es kaum noch.

Ganz zu schweigen von Investitionen, die in einem solch unsicheren Umfeld wie dem heutigen ebenfalls kaum noch auf der Agenda der Unternehmen zu stehen scheinen. Wen wundert es, dass die amerikanische Mittel- und Arbeiterklasse, die einst einmal das Rückgrat des prosperierenden Landes gebildet hatte, immer stärker unter die Räder gerät oder in den nächsten Jahren im Angesicht einer sich verschärfenden Roboterisierung gar auszusterben droht?

Es ist Jim Clifton, Vorstandsvorsitzender des Umfrage- und Meinungsinstituts Gallup, der zu den aktuell zu beobachtenden Entwicklungen seine ganz eigenen Ansichten hat, und diese zum Glück auch öffentlich äußert. Immerhin handelt es sich im Fall von Gallup nicht nur um die zeitlich älteste Umfragefirma, sondern auch um jene, der die Amerikaner am meisten über den Weg trauen. Erst jüngst hatte Gallup die Amerikaner zur Lage der Mittelklasse befragt.

Desaströse Umfrageergebnisse

Die Ergebnisse aus dieser Umfrage lassen sich schlichtweg als desaströs bezeichnen. Clifton bezieht sich in seinen Ausführungen auf jene Ergebnisse, die der amerikanischen Mittelklasse einen katastrophalen Zustand mit Ausblick auf einen anhaltenden Abschwung bescheinigen. In Cliftons Ausführungen finden sich unter anderem auch Erklärungen, die aufzeigen, warum die staatlichen Interventionen an den Märkten vor allem die so wichtigen Kleinunternehmen aufs Sterbebett bringen.

Unter Bezugnahme auf eine Gallup-Umfrage im April 2015 ist die prozentuale Anzahl der Befragten, die sich zu Amerikas Mittelklasse zählt, um volle 10 Prozentpunkte eingebrochen gegenüber dem zuletzt gemessenen Zeitraum zwischen den Jahren 2000 und 2008. Während im damaligen Zeitraum noch ein Wert von 61% gemessen wurde, sank dieser Wert bis zum Jahr 2015 auf 51%:

Doch laut Verband der Klein- und Mittelgroßen Unternehmen werden nach wie vor 65% aller neuen Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten in eben jenem Bereich geschaffen. Aktuelle Zahlen deuten darauf hin, dass die Pleiten im Sektor der Klein- und Mittelgroßen Firmen in den vergangenen Monaten die Anzahl der Neugründungen erstmals seit dem Jahr 2008 wieder ausgestochen haben.

25,2 Millionen US-Armerikaner haben seit 2008 ihren gut bezahlten Job verloren

Betrachten wir den Sektor noch aus einem anderen Blickwinkel. Seit dem Jahr 2008 haben 10,5% der Mitglieder der erwerbstätigen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten ehedem gut bezahlte Arbeitsplätze eingebüßt. Dies entspricht einer Anzahl von 25,2 Millionen Personen. Nicht nur ehedem gut bezahlte Jobs gingen im Zuge dieser Entwicklung verloren, sondern auch die ökonomische (Planungs-)Sicherheit.

Fast schlimmer noch fällt die Tatsache ins Gewicht, dass Millionen von Amerikanern auf diese Weise aus dem System herausgefallen sind oder statistisch schlichtweg unsichtbar sind. Viele der Betroffenen werden nicht als arbeitslos ausgewiesen, weil sie in der Folge Teilzeit- oder Niedriglohnjobs angenommen oder die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz in Gänze eingestellt haben.

Laut Clifton werde diese Situation anhand einer bestimmten Entwicklung offensichtlich. Und dies beziehe sich auf Angestellte, die einst einmal $65.000 oder mehr pro Jahr an Einkommen zu verzeichnen gehabt hätten. Neue Realität, der diese Menschen ins Auge blickten, sei die Aussicht auf einen neuen Job, der $13 bis $14 pro Stunde bei verringerten oder gar keinen Sozialleistungen mehr abwerfe.

"Vollbeschäftigte" mit weniger als der Hälfte des bisherigen Jahresgehaltes

Jemand, der vor einigen Jahren noch $65.000 pro Jahr verdiente, blickt dadurch heute noch auf ein Jahreseinkommen von mageren $28.000. Fatal an dieser Entwicklung sei, dass eben jene Personen – die bereits in die Millionen gingen – in der offiziellen Statistik auch weiterhin als „vollbeschäftigt“ ausgewiesen würden. Resultat sei, dass die Mittelklasse in einer immer schnelleren Geschwindigkeit am Schrumpfen sei.

Dabei, so Clifton, sei es unerlässlich, dass die Anzahl der Klein- und Mittelgroßen Firmen in den USA wieder zunehme, um neue Arbeitsplätze zu schaffen und für ein ausreichendes Wirtschaftswachstum im Land zu sorgen. Dass hierbei jedoch der Wunsch Vater des Gedanken sei, zeige sich allein schon an der dramatischen Konsolidierungswelle im US-Unternehmenssektor, der nicht selten Monopol- oder Oligopolstellung zum Ergebnis habe.

Und so schließt Clifton mit dem Fazit ab, dass die Mittelklasse in den Vereinigten Staaten innerhalb von nur wenigen Jahren in Gänze verschwunden sein könnte. Dies hätte die Wiederauferstehung eines feudalistischen Systems zur Folge, in dessen Zuge die Massen auf ihre eigene Pauperisierung blicken würden. Allzu weit entfernt scheinen wir mit Blick auf weite Teile der Welt gewiss nicht mehr zu sein...