Im Monat August wurde ein neuer Rekordwert erreicht. Wie mein Autorenkollege Simon Black vor Kurzem ausführte, ist die Verschuldung der Washingtoner Bundesregierung im letzten Monat um weitere $151,5 Milliarden geklettert. Daraus resultiert auf Monatsbasis die höchste Staatsverschuldung in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika.

Die im laufenden Jahr zu beobachtende Verschuldungsorgie in Höhe von $1,36 Billionen sei dabei, zur dritthöchsten und innerhalb eines Jahres aufgenommenen Staatsverschuldungsorgie in der amerikanischen Geschichte zu avancieren, wie Black weiter ausführte. Die einzigen beiden Jahren, in denen die Staatsverschuldung ein noch höheres Niveau erreicht hatte, waren die beiden Krisenjahre 2009 und 2010.

Die Verschuldungsgrad der Washingtoner Bundesregierung expandiert zurzeit nicht nur mit der schnellsten Geschwindigkeit seit der Finanzkrise, sondern auch mit dem höchsten Tempo in der amerikanischen Historie. Falls weiterhin dem Gedanken das Wort geredet wird, laut dem Prosperität in den USA wieder mittels einer an Gewalt grenzenden Verschuldungsorgie hergestellt werden soll, entspricht dies nichts anderem als einem perfiden Spiel auf Zeit.

Mickriges Wirtschaftswachstum - stark steigende Verschuldung

Und so hat die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) den eigenen Ausblick für das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten im laufenden Jahr gerade erst auf einen lumpigen Wert von 1,4% abgesenkt. Im kommenden Jahr soll sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts auf mickrige 2,1% belaufen. In der Zwischenzeit ist die US-Staatsverschuldung auf $19,5 Billionen geklettert und wächst weiter in hohem Tempo.

Fed-Chefin Janet Yellen und der Rest der Meute geraten dadurch immer stärker unter Druck. „Wir befinden uns in einem Dilemma von monumentalen Ausmaßen”, wie Ökonom Frank Hollenbeck vor Verweis auf die $64.000-Frage mitzuteilen weiß: „Wie wollen wir US-Bürger es anstellen, uns aus diesem Schuldendilemma zu befreien, ohne die globale Wirtschaft im gleichen Atemzug zu crashen?“

Jim Rickards ist der Ansicht, dass verzweifelte Eliten sich schon bald dem Instrument des so genannten „Helikopter-Geldes“ bedienen werden. Gleichzeitig dürften die Leitzinsen in einigen Weltregionen noch tiefer in negatives Terrain abdriften. Vorstellbar wäre jedoch auch eine Anfachung des Goldpreises, um den Versuch einer Wiederbelebung des Leichnams einzuleiten. [Lesen Sie dazu auch den Beitrag: Pimco: Warum kauft Fed Gold nicht auf $5000 pro Feinunze hoch?]

Wunderwaffe "Chicago Plan"?

Doch Hollenbeck tendiert zur Verschreibung einer gänzlich anderen Medizin – und zwar einer Medizin, die eigennützige Interessen nur schwerlich zu schlucken bereit sein werden. Laut Hollenbeck handele es sich dabei um einen „enormen Reset Button in Bezug auf die globale Wirtschaft“. Damit verbunden wäre eine Komplettstornierung aller ausstehenden Regierungs- und Staatsschulden, die durch Banken gehalten werden.

Gleichzeitig würden auch ausstehende Schulden im Privatsektor in Höhe von $15 Billionen gestrichen. Folge wäre ein Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts von 10%. Übrigens erweisen sich auch Ökonomen des Internationalen Währungsfonds als Verfechter eines solchen Ansatzes zur Lösung der in der Welt bestehenden Probleme. Das Ganze basiert auf dem Chicago Plan.

Ursprünglich ausgearbeitet durch Wissenschaftler an der Universität von Chicago in den 1930iger Jahren, erklärt Hollenbeck, dass der Chicago Plan Antworten auf das „monumentale Dilemma“ liefern könnte, dem wir gerade entgegenblicken. Die Regierung würde unter diesem Plan nahezu alle durch die Banken gehaltenen Staats- und Privatschulden gegen Cash eintauschen. Der größte Teil der ausstehenden Kreditkarten-, Hypotheken-, Studenten- und Autoschulden würde auf diese Weise mit einem Schlag verschwinden.

Schuldeneliminierung mit einem Schlag

Die ausstehenden Schulden würden sozusagen also mit einem Schlag eliminiert und aus dem System gespült. Auch der Staat würde von seinen Schulden gesäubert. Es würde zu einem echten Neubeginn kommen, der diesen Namen auch verdiene. Und der wichtigste Aspekt im Hinblick auf diese Entscheidung wäre, es niemals wieder zu einer solchen Situation wie heute kommen zu lassen.

In einer einzigen Aktion würden die ausstehenden Schulden gegen Geld eingetauscht, ohne dabei die negativen Konsequenzen aus dem stetigen Drucken von Geld befürchten zu müssen. Das Bankensystem würde in einer Weise restrukturiert werden, dass es niemals wieder zu Boom- und Bustzyklen einen Beitrag leisten könnte. Die meisten Schulden – staatlich oder privat – könnten gestrichen werden

Es handelt sich also um eine Art Amnestie, die der Weltwirtschaft behilflich sein könnte, aus dem Gefängnis, in dem sie sich gerade befindet, entlassen zu werden. Das wichtigste Element des Chicago Plans würde die Banken dazu verpflichten, alle geführten Konten mit 100% in Form von Reserven abzusichern. Heutzutage sehen sich Banken lediglich dazu verpflichtet, weniger als 10% an Reserven in Relation zu den Konteneinlagen physisch vorzuhalten.

Banken: Zurück in die Rolle ehrlicher Finanzmakler

Allein aus diesem Grund ist unser bestehendes System auf Sand gebaut. Und eben jener Sand zieht irgendwann alles in seinen Schlund, so wie in den Jahren 1929 oder 2008 geschehen. Unter dem Chicago Plan würde die Kreditvergabe der Banken auf soliden Grund und Boden gestellt. Das System des Fractional Reserve Banking würde praktisch über Nacht abgeschafft.

Der Chicago Plan würde gleichzeitig vorsehen, die Konteneinlagen bei Banken von deren vergebenen Krediten zu separieren, so dass Banken zukünftig letztendlich wieder in die Rolle jener ehrlichen Finanzmakler schlüpfen würden, die ihnen zeitlebens angedacht gewesen sei, wie Hollenbeck ausführt. Die Rolle der „Betrüger, in die sie heute geschlüpft sind“, hätte sich damit erledigt.

Irving Fisher, der große Yale-Ökonom, der mit am besten für unseren Zeitgeist stünde, wie Hollenbeck weiter ausführt, habe gesagt, dass „der Chicago Plan die Signifikanz von Wirtschaftszyklen deutlich reduzieren werde, wobei es im gleichen Atemzug wahrscheinlich zu einer kompletten Ausmerzung von Boom- und Bustzyklen kommen würde. Bank Runs würden nahezu unmöglich, wodurch auch eine staatliche Einlagensicherung obsolet würde.

Abschaffung der Zentralbanken ohne Wenn und Aber

Darüber hinaus würde es zu einer signifikanten Reduzierung der ausstehenden Schulden im staatlichen und privaten Sektor kommen. Hollenbeck ergänzt, dass der Plan – falls auf die richtige Weise strukturiert – „die Weltwirtschaft endlich wieder auf stabilen Grund und Boden stellen würde“. Vielleicht wäre dem so und in der Theorie hört sich das alles toll und großartig an.

Doch spätestens im Hinblick auf den nächsten Punkt zeigt sich, dass Hollenbeck einer Schimäre das Wort redet. Hollenbeck gibt sich überzeugt, dass Zentralbanken ohne Wenn und Aber abgeschafft werden sollten. Der Chicago Plan würde letztlich also auch einen Beitrag dazu leisten, „um Regierungen in der Zukunft davon abzuhalten, in den wichtigsten Preisfeststellungsmechanismus der Wirtschaft einzugreifen: die Zinsen“.

Laut Hollenbeck sollte auch wieder ein Goldstandard eingeführt werden, um Regierungen an die Kette zu legen, weil diese ihre Ausgabenpolitik niemals an die Realität anpassen würden, solange ihnen durch einen Goldstandard keine Fesseln angelegt würden. Dies mag alles wahr und richtig sein. Doch wir haben in der Vergangenheit noch niemals erlebt, dass Regierungen sich selbst an die Kette legen.

Alle Regierungsausgaben werden nur noch aus Steuereinnahmen bestritten

Und so vertiefen sich die Fantasieträume. Unter dem Chicago Plan würden Regierungen dazu gezwungen, deren Ausgaben in Gänze aus direkten Steuereinnahmen zu finanzieren. Laut Hollenbeck wären Regierungen gegenüber ihren Steuerzahlern rechenschaftspflichtig, um den eigenen Bürgern zu erläutern, warum eigene Soldaten in Afghanistan operieren oder Kampfjets über Libyen zum Einsatz kommen müssen.

Die Durchschnittsbürger würden irgendwann dazu in die Lage versetzt werden einzusehen, dass es auf Dauer keinen „Free Lunch“ geben kann. Es würde in der breiten Öffentlichkeit die Erkenntnis dafür wachsen, dass für Regierungsdienstleistungen Unsummen an Steuergeldern aufgewendet werden müssen, die immer größere finanzielle Opfer in der Gesamtgesellschaft zur Folge hätten.

Doch Hollenbeck scheint gänzlich seine eigene Erkenntnis unter den Tisch zu kehren, laut der „Regierungen nichts anderem als einer großen Fiktion entsprechen, die jedermann dabei helfen soll, auf Kosten des anderen in der Gesellschaft zu leben“. Wenn Staatsbürger von der Erwartung ausgehen, dass Regierungen im Ernstfall immer wieder ihre Kreditkarte zücken werden, ist dies vergleichbar mit der Erwartung eines Auftauchens des Teufels in der Kirche.

An welchen Kräften könnte dieser Plan scheitern?

Eine Umsetzung des Chicago Plans ist in den 1930iger Jahren auch nicht nur annähernd in Erwägung gezogen worden, weil die Banken sich mit aller Macht dagegen gestemmt hatten. Meine Frage lautet: Warum sollte es heutzutage anders sein als damals? Die Großbanken sind heute noch weitaus größer als in den Zeiten vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008.

Wir hegen gegenüber dem Chicago Plan aus diesem Grund unsere berechtigten Zweifel, so wie es sich auch mit Blick auf die meisten anderen „Pläne“ zur Problemlösung unserer Zeit verhält. Gleichzeitig sprechen wir uns dafür aus, diverse Ideen erst einmal auf sich einwirken zu lassen, um davon zu kosten, bevor der gesamte Teller hinuntergeschlungen wird.

Der Chicago Plan hinterlässt gewiss einen bitteren Nachgeschmack, der durch eine Zuckerung ausgeglichen werden müsste. Doch ist ein Mehr desjenigen, was gerade getan wird, der Weg, der auch weiterhin eingeschlagen werden sollte? Nein. Jedenfalls nicht unter Bezugnahme auf Hollenbeck:

Nichthandeln ist keine Option. Heute befinden wir uns zwischen einem Felsen und einer Sandwüste ohne erfolgsversprechende Auswege. Wir blicken auf die wachsende Gefahr und Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs einer wirtschaftlichen Depression samt Hyperinflationen. Es ist wichtig, dass es im Bankensektor zu einer revolutionären Umwälzung kommt, bevor es dafür zu spät sein wird. Unter dem Chicago Plan würde das Weltbankensystem reformiert, unseren Kindern eine Welt hinterlassend, die stabil und ohne das Einsetzen von Boom- und Bustzyklen wäre, die unter vielen Menschen derart große Entbehrungen gefordert haben.

Wecken Sie uns bitte auf, wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, was nicht bedeutet, dass radikale Änderungen nicht bereits in den Startlöchern stehen könnten.

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2016 The Daily Reckoning / Agora Publishing