Die Interventionisten werden alles tun, um die amerikanische Bevölkerung darüber im Dunkeln zu lassen, dass es deren außenpolitische Strategie ist, die Terrorismus nicht nur in der ganzen Welt Vorschub leistet, sondern auch Trittbrettfahrer dazu inspiriert, uns allen zu schaden. Die Neocons wissen – falls es zu einem Verständnis der Zusammenhänge in der Öffentlichkeit darüber kommen sollte, dass der Bumerang am Zurückfliegen ist –, deren Macht über die außenpolitischen Leitlinien unseres Landes im Rückgang begriffen sein wird. Denn Menschen, egal woher sie kommen, wollen nicht uns attackieren, weil wir die Guten und frei sind, sondern weil wir deren Länder bombardieren und besetzen.

Es ist eben jener Grund, weswegen sie – wann immer ein solches Ereignis wie die Pariser Anschläge eintritt – zu den Fernsehstationen eilen, um die Amerikaner zu verängstigen und die heimische Bevölkerung und deren öffentliche Meinung dazu zu bringen, dem Abwerfen von noch mehr Bomben, noch mehr Landnahme, noch mehr Überwachungsmaßnahmen und noch einer stärkeren Einschränkung der Bürger- und Freiheitsrechte zuzustimmen.

Sie erklären uns, dass dies notwendig sei, um den Terrorismus zu bekämpfen, doch bei Licht besehen tragen eben jene ihrer politischen Leitlinien zu einer Zunahme des Terrorismus bei. Falls sich meine Worte für Sie hart anhören, dann berücksichtigen Sie bitte den erst kürzlich veröffentlichten 2015 Global Terrorism Index Report. Aus diesem Bericht geht hervor, dass sich die aus internationalem Terrorismus resultierenden Todesopfer über den Zeitraum der vergangenen 15 Jahre dramatisch erhöht haben.

Es handelt sich dabei um eben jene Periode, die als „War on Terrorism” bezeichnet wird, und die einst dazu auserkoren war, dem internationalen Terrorismus ein Ende zu setzen. Folgende Informationen gehen unter anderem aus dem jüngsten Bericht hervor:

Die Terroraktivitäten nahmen im Jahr 2014 um 80% zu und kletterten auf ein neues Rekordhoch... Die Anzahl der Menschen, die terroristischen Aktivitäten zum Opfer gefallen sind, hat sich seit dem Jahr 2000 verneunfacht.

Die beiden weltgrößten und tödlichsten Terrororganisationen, Islamischer Staat (ISIS) und Boko Haram, sind zu einem höchst zweifelhaften Ruhm gelangt, der direkt aus den Folgen vorheriger Interventionen der Vereinigten Staaten resultiert. Der ehemalige Direktor der Defense Intelligence Agency, Michael Flynn, wurde in der letzten Woche gefragt, ob er die ehedem stattfindende Invasion des Irak im Angesicht eines Aufstiegs von ISIS bereue.

Er antworte wie folgt: „Ja, absolut… Die geschichtliche Lektion, die daraus resultiert, lautet, dass es strategisches Versagen gewesen ist, mit Bodentruppen in den Irak einzurücken“. Er fügte folgendes an: „...anstatt uns die Frage zu stellen, warum sie uns attackierten, stellten wir uns nur die Frage, woher sie kamen“.

Flynn zählt nicht zum Lager der Interventionisten. Doch er stellt eine Verbindung zwischen der US-Invasion im Irak und dem Emporkommen von ISIS und anderen terroristischen Organisationen her. Und zumindest drängt er uns dazu, zu überdenken, weswegen wir von ihnen angegriffen werden. Ebenso ist der Aufstieg von Boko Haram in Afrika ein direktes Resultat aus zuvor stattgefundenen Interventionen der Vereinigten Staaten.

Vor dem durch die USA beförderten „Regime Change“ in Lybien, handelte es sich im Fall von Boko Haram lediglich um eine ärmlich ausgerüstete Gangstertruppe. Als Gaddafi dann einmal durch die Vereinigten Staaten und unsere NATO-Partner gestürzt war – wodurch das nordafrikanische Land im Chaos versank – verhalf sich Boko Haram selbst zu einem Zugang zu allen nur erdenklichen Waffensystemen, die sie tragen konnten.

Anstelle von nur ein paar Gewehren bewaffneten sie sich mit raketengetriebenen Granaten, Sturm- und Maschinengewehren, die mit Anti-Flugzeugvisieren ausgestattet sind, fortschrittlichen Sprengstoffen sowie auf Fahrzeugen installierbarer Luftabwehrartillerie. Dann begannen sie mit Tötungen in massivem Ausmaß. Und nun – so laut Global Terrorism Index – hat Boko Haram ISIS als weltweit tödlichste Terrororganisation überflügelt.

Die Interventionisten versuchen indes verzweifelt, die öffentliche Aufmerksamkeit von der Tatsache abzulenken, dass deren politische Leitlinien zum Emporkommen des Terrorismus beigetragen haben. Nach den Pariser Anschlägen schoben Neokonservative wie der ehemalige CIA-Direktor James Woolsey die Schuld dann auch noch auf NSA-Whistleblower Edward Snowden!

Woolsey erklärte, dass es Snowdens Enthüllungen über die Überwachungsmaßnahmen der NSA seien, die die Terroristen fortschrittliche Verschlüsselungssysteme nutzen ließen. Woolsey rief sogar dazu auf, Snowden für seine Enthüllungen aufzuhängen, weil sich die Situation nun so darstelle wie sich darstelle. Doch dies ist nicht die Wahrheit: die Pariser Angreifer nutzten keine Chiffrierung und andere Gruppen hatten sich Chiffriermethoden schon lange vor Snowdens Enthüllungen bedient.

Der Terrorismus nimmt weltweit zu, weil sich die Vereinigten Staaten und die westliche Welt eines andauernden Interventionismus bedienen. Dies bedeutet nicht, dass – falls wir plötzlich nicht mehr einer interventionistischen Strategie folgen würden – sich die Welt in ein friedliches Utopia verwandeln würde. Doch glaubt auch nur irgendjemand daran, dass eine Fortsetzung dessen, was den Terrorismus weltweit zunehmen lässt, zu einem Rückgang des Terrorismus führen wird?

Gastbeitrag für CK*wirtschaftsfacts / © 2015 Dr. Ron Paul / Institute for Peace and Prosperity

Dr. Ron Paul war in der Vergangenheit neben seiner Tätigkeit als Washingtoner Kongressabgeordneter für den Bundesstaat Texas auch Präsidentschaftskandidat für die Partei der Republikaner. 



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