Die unter einer Reihe von großen Versicherungskonzernen getroffene Entscheidung, das Auftürmen anfallender Verluste durch einen Rückzug aus den Obamacare-Börsen zu beenden, beschert einen von sechs Obamacare-Vertragsnehmern nur noch mit jeweils einer einzigen Versicherungsoption. Hinzu gesellt sich der Rückzug von 70% aller „Co-ops“ in Amerikas Gesundheitsversicherungssektor.

Falls Obamacare den momentanen Kurs beibehält, wird es in einem Großteil Amerikas bald so aussehen wie in Pinal County im Bundesstaat Arizona. Dort steht niemandem mehr die Möglichkeit offen, sich noch eine private Krankenversicherung zuzulegen.

Jene, die das Glück haben, Gesundheitsvorsorgeversicherungsleistungen zu beziehen, blicken hingegen immer stärker steigenden Versicherungskosten bei einem gleichzeitigen Rückgang von Anbietern ins Auge.

Kein wirklicher Markt

Viele Befürworter von Obamacare beriefen sich auf das Argument, dass die Börsen einen Markt für Gesundheitsvorsorgedienstleistungen schaffen würden, der es den Verbrauchern gestatten würde, von einem wachsenden Wettbewerb im Gesundheitssektor zu profitieren.

Doch die Ermöglichung der Auswahl von Gesundheitsplänen aus einer Palette von durch die Regierung kontrollierten Versicherungsanbietern entspricht eben keinem wirklichen Markt. Anstelle dessen verhält es sich mit Blick auf Obamacare vielmehr um etwas, was durch den großen Ökonomen Ludwig van Mises einst einmal als „Spekulationsmarkt“ bezeichnet wurde. 

Unglücklicherweise, wenn nicht gar überraschenderweise, ziehen viel zu viele Leute die falschen Schlüsse aus den mit Obamacare verbundenen Schwierigkeiten. Anstatt nach einer Außerkraftsetzung von Obamacare und allen anderen Regierungsinterventionen in die Märkte zur Gesundheitsvorsorge zu rufen, wird vielerorts nach deutlich steigenden Strafzahlungen für jene gerufen, die sich des mit Obamacare verbundenen individuellen Mandats widersetzen.

System einer Einheitskasse

Worin liegen die Gründe? Hauptsächlich doch darin, um diese Personen in eine der Börsen zu zwingen. Andernorts werden Stimmen laut, die nach einer durch den Staat gestützten Variante schreien, um private Versicherungsunternehmen in einen Wettbewerb mit durch Steuergelder finanzierten Einheiten zu locken.

Auf diese Weise würde der Weg in den USA in ein Gesundheitssystem nach kanadischem Vorbild geebnet, das nichts anderem als dem System einer Einheitskasse entspricht. Selbst jene, die daran arbeiten, die individuelle Kontrolle über die Gesundheitsvorsorge mittels Steuererleichterungen, Krediten und Gesundheitskonten zu restaurieren, unterstützen noch immer die Regierungsinterventionen, um den Armen ein „Sicherheitsnetz“ zu garantieren.  

Selbstverständlich teilt jedermann – inklusive der Libertären – das Ziel, ein Sicherheitsnetz in der Heimat zu kreieren. Libertäre durchschauen jedoch, dass ein auf gesellschaftlicher Moral und Effizienz basierendes Sicherheitsnetz auf freiwilliger Basis durch Individuen, religiöse Organisationen und privat finanzierte Wohltätigkeitsorganisationen betrieben wird.

Ein durch die Regierung betriebenes Gesundheitssystem: Wer profitiert (nicht)?

Die Regierung verfügt hingegen über keine rechtmäßige Autorität, um sich zugunsten einer Finanzierung von diversen Gesundheitsvorsorgeleistungen oder irgendwelchen anderen wohlfahrtsstaatlichen Programmen der amerikanischen Steuergelder zu bedienen. Ein durch die Regierung betriebenes Gesundheitssystem dient auch nicht wirklich den Interessen jener, die angeblich von einem solchen Programm „profitieren“.

Jedermann, der daran Zweifel hegt, sollte den Faktor berücksichtigen, auf welche Weise zunehmende Rückerstattungen und eine stark wachsende Bürokratie mehr und mehr Ärzte dazu veranlassen, Medicare- und Medicaid-Patienten eine Behandlung zu verweigern. Medicaid-Patienten werden wachsenden Entbehrungen ausgesetzt sein, wenn – und nicht falls – die Fiskalkrise der US-Regierung den Kongress zu Ausgabekürzungen zwingen wird.

US-Bevölkerung benötigt keine staatliche Unterstützung

Wenn diese Krise einmal einsetzt, was wird dann unter aller Voraussicht zuerst gekürzt? Ausgaben, von denen hauptsächlich große Konzerne und Großbanken, die es sich leisten können, ein Heer von mächtigen Lobbyisten in Washington zu unterhalten, profitieren? Oder Ausgaben, von denen zurzeit noch einkommensschwache Amerikaner profitieren, die sich eine Repräsentation in der K Street finanziell jedoch nicht leisten können?

Im Gegensatz zu den gängigen Mythen blieben einkommensschwache Amerikaner auch in jenen Tagen vor der Einführung des Wohlfahrtsstaats nicht ohne Fürsorge. Private und durch Wohlfahrtsorganisationen betriebene Krankenhäuser, die auf Basis von freiwilligem Personal arbeiteten, schufen ein Sicherheitsnetz für all jene, die sich den Abschluss einer privaten Krankenversicherung nicht leisten konnten.

Die meisten Ärzte boten überdies bereitwillig eine kostenlose oder preisreduzierte Behandlung für all jene an, die eine solche Behandlung dringend benötigten. Die hohe Anzahl wohltätiger Spenden bei gleichzeitig hohem Arbeitseinsatz auf freiwilliger Basis in den Vereinigten Staaten zeigt, dass die amerikanische Bevölkerung keine staatliche Unterstützung benötigt, um ein effizientes Sicherheitsnetz zu gewährleisten.

Die Probleme, die das heimische Gesundheitssystem plagen, wurzeln in der Betrachtung, dass Gesundheitsvorsorge ein Gott gegebenes „Recht“ sei. Und auf Basis dieser Annahme werden Regierungsinterventionen an den heimischen Gesundheitsmärkten gerechtfertigt. Es sind jedoch eben jene Interventionen, die zu immerwährenden Preissteigerungen bei gleichzeitig sinkender Qualität und einem rückläufigen Angebot führen.

Ironischerweise sind jene, die am stärksten unter den Interventionen der Regierung leiden, die Leute selbst, welchen Befürworter dieser staatlichen Programme zu helfen beabsichtigen. Der erste Schritt zur Wiederherstellung eines Gesundheitssystems, das den Bedürfnissen aller Bürger gerecht wird, fußt auf dem Beginn, Gesundheitsvorsorgeleistungen als ein Gut zu betrachten, das lediglich durch freiwillige Aktionen freier Menschen angeboten werden kann und angeboten werden sollte.

Gastbeitrag für CK*Wirtschaftsfacts / © 2016 Dr. Ron Paul / Institute for Peace and Prosperity

Dr. Ron Paul war in der Vergangenheit neben seiner rund zwanzigjährigen Tätigkeit als Kongressabgeordneter für den Bundesstaat Texas in der Hauptstadt Washington auch Präsidentschaftskandidat für die Partei der Republikaner. Sein neues Buch „Swords into Plowshares“ ist im Buchhandel erhältlich.

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