In der letzten Woche hat der Ausschuss für den Militär- und Heeresdienst des Unterhauses einen Gesetzeszusatz zum National Defense Authorization Act genehmigt, der Frauen dazu auffordern würde, sich mit Blick auf die allgemeine Wehrpflicht registrieren zu lassen. Es bedeutet, dass – falls der Kongress die allgemeine Wehrpflicht wieder aus der Mottenkiste der Geschichte holen würde – Frauen sich dazu gezwungen sähen, in der Zukunft in den Krieg zu ziehen.

Die Einbringung des Gesetzeszusatzes im Repräsentantenhaus erfolgte als Antwort auf die Entscheidung des Pentagons, Frauen Kampfeinsätze in Kriegen zu erlauben. Politische Unterstützer des Einzugs von Frauen in den Militär- und Heeresdienst weisen darauf hin, dass der bis dato bestehende Bann für Kampfeinsätze von Frauen Grund gewesen sei, weshalb das Oberste Gerecht bislang nur einen für Männer geltenden Gesetzentwurf unterstützte.

Aus diesem Grund, so deren Argumentation, sei es nur logisch, nun auch Amerikas Frauen dazu zu zwingen, sich für den allgemeinen Militär- und Wehrdienst registrieren zu lassen. Daneben weisen die politischen Unterstützer zugunsten einer Ausweitung des Einzugs von Wehrpflichtigen darauf hin, dass nicht alle Wehrpflichtigen in Kampfeinsätze geschickt würden. 

Ist das Vorhaben überhaupt verfassungskonform?

Die meisten Kritiker, die gegen einen Einzug von Frauen zum allgemeinen Militärdienst opponierten, taten dies, weil sie nicht davon überzeugt waren, dass Frauen für Positionen in militärischen Kampfeinsätzen geeignet seien – und nicht aus Gründen, weil sie es ablehnten, Frauen zum allgemeinen Militär- und Heeresdienst heranzuziehen. Nur Wenige – wenn gar überhaupt jemand – im Kongress stellen die Moralität eines solchen Ansinnens in Frage.

Auch die Verfassungskonformität eines solchen Vorhabens und die Hinterfragung der Notwendigkeit zur Registrierung für den allgemeinen Wehrdienst fallen völlig unter den Tisch. Daher ist diese Debatte nur ein weiteres Beispiel dafür, auf welche Weise sich unsere so genannten „politischen Vertreter“ um unsere freiheitlichen und bürgerlichen Rechte scheren.  

Manche Befürworter eines Einzugs zum allgemeinen Wehrdienst rechtfertigen diese Maßnahme als „Amortisationsleistung“ für die Freiheit, mit der die Regierung ihre Bürger beglückt. Diejenigen, die sich solcher Argumente bedienen, klammern sich an die kollektive Grundannahme, als ob wir unsere bürgerlichen Freiheitsrechte durch die Regierung bezögen.

Werden Grundfreiheitsrechte nach Gusto der Regierung wieder einkassiert?

Eine solche Grundannahme hätte zur Folge, dass die Regierung diese Grundfreiheitsrechte notfalls wieder einkassieren könnte, wenn es ihr notwendig erschiene. Somit kehren die politischen Unterstützer bezüglich des Einzugs von Frauen zur allgemeinen Wehrdienst der Unabhängigkeitserklärung ihren Rücken zu.

Während eine oppositionelle Haltung zum Wehrdienst für Frauen als progressive oder libertäre Grund- und Geisteshaltung angesehen wird, erwiesen sich viele Konservative – darunter Ronald Reagan, Barry Goldwater und Robert Taft – als ausgewiesene Gegner der allgemeinen Wehrpflicht.

Unglücklicherweise hat der Militarismus, der so viele Konservative auf außenpolitische Abwege führte, eine große Anzahl unter ihnen zu Befürwortern einer Registrierung zum obligatorischen Militär- und Heeresdienstes avancieren lassen. Zum gleichen Zeitpunkt erweisen sich viele dieser Konservativen als große und aus meiner Sicht korrekt handelnde Opponenten mit Blick auf eine verpflichtende Registrierung des Waffenbesitzes.

Vietnam-Krieg: Überwältigende Opposition gegen die Wehrpflicht

In einer freien Gesellschaft sollten Sie niemals Ihr Kind oder Ihre Waffen bei Ämtern zu registrieren haben. Traurigerweise unterstützen einige Opponenten des Militärstaats – darunter eine Anzahl von Libertären – den Einzug zum allgemeinen Wehrdienst aufgrund deren Hoffnungen, dass dieser obligatorische Einzug Massenproteste gegen den Militärstaat in der Heimat auslösen würde.

Die Befürworter dieser Sichtweise weisen indes auf die Rolle des obligatorischen Einzugs zum Wehrdienst mit Blick auf die überwältigende Opposition gegen den Vietnam-Krieg hin. Dieses Argument lässt jedoch die Tatsache unter den Tisch fallen, dass es mehrere Jahre und den Tod von Tausenden für den Vietnam-Krieg eingezogenen Amerikanern benötigte, um die damalige Bewegung zu nähren und voranschreiten zu lassen.

Eine Variation dieses Arguments basiert darauf, dass der obligatorische Einzug von Frauen zum allgemeinen Wehrdienst zu einer Anti-Kriegshaltung in der Heimat führen werde, da die Amerikaner sich dem Gedanken widersetzen werden, Mütter in Kriegseinsätze zu entsenden. Doch glaubt irgendjemand, dass die Regierung Mütter mit kleinen Kindern zum Wehrdienst einziehen würde?

Den obligatorischen Einzug zum Wehrdienst wieder aus der Mottenkiste der Geschichte hervorholend, wird den politischen Einfluss der Kriege befürwortenden Fraktion keineswegs vermindern, solange die Menschen der Kriegspropaganda, der sie seitens der unseres militärisch-industriellen Komplexes angeschlossenen Medien ausgesetzt sind, Glauben schenken.

Die geistige Haltung der Menschen im Hinblick auf unseren Militärstaat und dessen medialen Propagandaorganen zu ändern, ist der einzige Weg, um zu einer Außenpolitik des Friedens und der Prosperität mit allen anderen in der Welt zurückzukehren. Selbst wenn die derzeitigen Pläne sich als kontrollierendes Element mit Blick auf den wachsenden Militärstaat erweisen könnten, opponieren jene, welche die persönliche Freiheit unterstützen, noch immer dagegen.

Libertäre, welche eine Verletzung von individuellen Bürger- und Freiheitsrechten hofieren, um ein politisches Ziel zu erreichen und durchzusetzen – selbst ein derart nobles Ziel wie den Erhalt des Friedens – unterminieren deren Argumente gegen nicht-aggressives Verhalten und Auftreten in der Welt und diskreditieren auf diese Weise sowohl unsere Bewegung – und noch weitaus wichtiger – unsere Philosophie.

Eine Verabschiedung zum Einzug für den allgemeinen Wehrdienst entspräche einer – wenn nicht gar der schlimmsten – Verletzungen unserer individuellen Bürgerrechte, die durch Regierungen der Neuzeit begangen werden können. Eine solche Entwicklung kann leicht auch dazu führen, dem Wachstum des Militärstaats durch eine Senkung der Kosten zugunsten des Militarismus Vorschub zu leisten.

All jene, die sich Frieden, Prosperität und individuelle Freiheit auf die Fahnen geschrieben haben, müssen sich die Opposition zur Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht für Frauen ganz oben auf ihre Agenda schreiben.

Gastbeitrag für CK*wirtschaftsfacts / © 2016 Dr. Ron Paul / Institute for Peace and Prosperity

Dr. Ron Paul war in der Vergangenheit neben seiner rund zwanzigjährigen Tätigkeit als Kongressabgeordneter für den Bundesstaat Texas in der Hauptstadt Washington auch Präsidentschaftskandidat für die Partei der Republikaner. Sein neues Buch „Swords into Plowshares“ ist im Buchhandel erhältlich.

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