Chinas Wirtschaftsmodell eines export- und investitionsgetriebenen Wachstums befindet sich in einer Krise. Da es niemanden mehr in der Welt gibt, an den/die sich die eigenen Produktionsüberschüsse jedes Jahr exportieren lassen, blickt China nun auf außerordentlich hohe Überkapazitäten in nahezu jedem heimischen Industriezweig. Die Produktpreise sinken, viele Unternehmen erweisen sich als unprofitabel und einst vergebene Bankkredite werden faul. Jede weitere Form von neuen Investitionen wird die Situation nur noch verschlimmern.

Mit freundlicher Genehmigung von The Daily Reckoning und / Agora Publishing

Kollaps der Rohstoffpreise

Resultat ist, dass China immer weniger Rohstoffe aus dem Rest der Welt importiert. Es ist der Grund, weshalb die Rohstoffpreise kollabiert sind. Im vergangenen Monat importierte China 20% weniger an Gütern und Waren als im Vorjahr. China ist also nicht mehr länger die Lokomotive der Weltkonjunktur. Bei Licht besehen erweist sich das, was in China gerade vor sich geht, als signifikanter Bremsklotz in Bezug auf das globale Wachstum.

Es ist einer der Gründe, weshalb sich viele Schwellenländer in der ganzen Welt mit einer deftigen Wachstumsabschwächung konfrontiert sehen. Ganz davon zu schweigen, dass sich eine Reihe der Länder wieder in einer Rezession befindet. Viele Schwellenländerwährungen sind im Außenwert – im Einklang mit den sich deutlich eintrübenden Wachstumsaussichten in den Emerging Markets – empfindlich gesunken.

Da sich viele dieser Staaten in den vergangenen Jahren auf teils extreme Art und Weise auf Basis von ausländischen Währungskrediten – hauptsächlich auf US-Dollarbasis – verschuldet haben, wachsen die Chancen, dass diese Länder ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr in der Lage dazu sein werden, diese einst aufgenommenen Darlehen zurückzubezahlen. Viele ausländische Kreditgeber repatriieren ihr Kapital bereits aus den Schwellenländern, um dem Beginn von Schulden- und Zahlungsausfällen zuvor zu kommen.

Kapitalabzüge verteuern Kredite

Dieser Kapitalabzug verschärft die ökonomischen Schwierigkeiten, denen diese Länder nun entgegenblicken, indem Kredite immer teurer werden. All diese Probleme haben in ihrem Zusammenkommen dazu geführt, die Weltwirtschaft abermals auf ein Rezessionsgleis zu setzen. Es erweckt zurzeit den Eindruck, als ob die Situation sich erst einmal noch deutlich verschlechtern wird, bevor sich die Lage aufhellen und bessern dürfte.

Der US-Dollar ist aus einem bestimmten Grund die vorherrschende internationale Weltreservewährung: die Vereinigten Staaten leisten sich jedes Jahr horrende Handelsdefizite mit dem Rest der Welt. Daraus resultiert, dass der Rest der Welt jedes Jahr Hunderte von Milliarden US-Dollars akkumuliert. Diese US-Dollarbestände müssen in Form von US-Dollar denominierten Vermögenswerten – wie beispielsweise US-Staatsanleihen – investiert werden.

In Bezug auf den Yuan handelt es sich nicht um eine wichtige globale Weltreservewährung, weil China sich keine massiven Handelsdefizite leistet. Anstelle dessen erwirtschaftet das Land jedes Jahr massive Handelsüberschüsse. Aus diesem Grund horten andere Staaten keine bedeutsamen Yuan-Währungsreserven. Falls China damit beginnen würde, selbst massive Handelsdefizite mit dem Rest der Welt zu erzeugen, würden andere Staaten über eine ganze Menge an Yuan-Devisenreserven verfügen.

Wird der Yuan wirklich zu einer wichtigen Weltreservewährung aufsteigen?

Diese Staaten sähen sich dann dazu gezwungen, in Yuan denominierte Schuldpapiere zu erwerben. In diesem Fall würde der Yuan zu einer wichtigen Weltreservewährung aufsteigen. Doch falls China sich ein massives Handelsdefizit mit dem Rest der Welt leistete, würden mehrere Zehnmillionen chinesische Fabrikarbeiter ihre Arbeitsplätze verlieren, was wiederum eine soziale und gesellschaftliche Instabilität im Reich der Mitte zur Folge hätte.

Aus diesem Grund erscheint es unwahrscheinlich, dass der Yuan in absehbarer Zeit zu einer wichtigen Weltreservewährung aufsteigen wird – falls dies überhaupt jemals der Fall sein sollte. Chinas Wirtschaft befindet sich nun unter großem Druck. Chinas politische Entscheider würden den Außenwert des Yuans gewiss gerne gegenüber dem US-Dollar abwerten, um sowohl Chinas Exporte als auch das ökonomische Wachstum des Landes anzukurbeln.

Doch Chinas Handelsüberschuss mit den Vereinigten Staaten belief sich im vergangenen Jahr auf $340 Milliarden. Dies bedeutet, dass – in Ermangelung von Interventionen durch Chinas Zentralbank – der Außenwert des Yuans gegenüber dem US-Dollar aufwerten, und nicht abwerten, würde. Der Außenwert des Yuans in Relation zum US-Dollar ist etwas, was direkt zwischen den Regierungen Chinas und derjenigen der USA auf permanenter Basis verhandelt wird.

Wem nützt eine Auf- bzw. Abwertung des Yuan?

Der US-Regierung wäre es nur allzu recht, wenn der Yuan auch weiterhin aufwerten würde gegenüber dem US-Dollar, so dass sich Chinas Handelsüberschuss mit den Vereinigten Staaten nicht noch stärker ausweiten würde. Der US-Regierung ist eine sich fortsetzende Yuan-Abwertung gewiss ein großer Dorn im Auge. Auf diese Weise würde nämlich nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit von Amerikas in Relation zu Chinas Exporteuren beeinträchtigt, sondern China würde auch Deflation in die USA exportieren, da die Vereinigten Staaten pro Jahr Güter und Waren in einem Umfang von $500 Milliarden aus China beziehen.

Jede weitere Abwertung des Yuans würde dazu führen, dass die Importpreise diese Güter und Waren sänken. Im Umkehrschluss würde diese Entwicklung dazu führen, dass die Preise in den Vereinigten Staaten auf breiter Basis zurückgingen. China ist andererseits nicht daran interessiert, den Außenwert des US-Dollars gegenüber dem Euro und dem japanischen Yen weiter aufwerten zu sehen. Grund ist, dass der Yuan an den US-Dollar gekoppelt ist. Wenn der US-Dollar also gegenüber Euro und Yen aufwertet, so tut dies der Yuan ebenfalls.

Ein im Außenwert anziehender Yuan beeinträchtigt Chinas Exportaktivitäten nach Europa und Japan. Daher fordert Chinas Führung die Federal Reserve dazu auf, von Zinsanhebungen abzusehen, da höhere Zinssätze in den USA zu anziehenden Außenwerten des US-Dollars und des Yuans in Relation zu anderen wichtigen Papierwährungen führen würden. Falls die Fed ihren Leitzins trotzdem anheben wird, wird China den Außenwert des Yuans gegenüber dem US-Dollar abwerten, um den Yuan gegenüber anderen Papierwährungen nicht aufwerten zu lassen.

Yuan-Abwertung - ein Warnschuss an die Federal Reserve?

Eine der zurzeit an den Märkten zirkulierenden Theorien besagt, dass die geringfügige Yuan-Abwertung im August dieses Jahres ein Warnschuss an die Federal Reserve gewesen ist, um von einer Zinsanhebung abzusehen. Andernfalls hätte China den Yuan erst richtig abgewertet. Eine starke Abwertung des Yuans würde der Federal Reserve und den USA einen schweren Schlag versetzen, da die offiziellen Inflationszahlen in den USA – vielleicht gar in negatives Terrain – nach unten befördert würden.

Das eigens gesetzte Inflationsziel der Fed von 2% würde sich in einem solchen Umfeld nicht erreichen lassen. Wie ich die Dinge sehe, wird eine tatsächliche Zinsanhebung der Federal Reserve die Chancen auf eine Yuan-Abwertung exponentiell steigern. Diese „Bedrohung“ könnte die Fed davon abhalten, den eigenen Leitzins in absehbarer Zeit anzuheben. Wie dem auch sei, es bestehen auch ohne Berücksichtigung dieser Prämisse durchaus Chancen, dass China den Yuan weiter abwerten wird.

Selbst wenn die Fed ihren Leitzins nicht anheben sollte. Denn falls sich Chinas Wirtschaft weiter abschwächen sollte, werden sich die politischen Entscheider in Peking wahrscheinlich an eine Abwertung der eigenen Währung klammern. Diese Entwicklung würde auf Basis von Not- und Rettungsmaßnahmen forciert, um eine ernsthafte Wirtschaftsschrumpfung in China zu vereiteln.

QE4 - Eine Neuauflage eines gefühlten Vermögenseffekts?

Falls China den Yuan weiter abwerten würde, würde der Rest der Welt darunter leiden. Auch die Rohstoffpreise würden weiter sinken. Ferner würden die Währungen der Emerging Markets weiter im Außenwert nachgeben, wodurch sich die Chancen auf den Ausbruch einer neuen Finanz- und Schuldenkrise in den Schwellenländern signifikant erhöhen würden. Die Unternehmensgewinne würden sinken und die globalen Aktienmärkte würden durch einen Ausverkauf getroffen.

Ich gehe davon aus, dass sich die Fed einer vierten QE-Runde bedienen wird, um einen Rückfall der Vereinigten Staaten in die Rezession zu verhindern. Seit dem Jahr 2008 hat sich das Kreditwachstum als zu schwach erwiesen, um das ökonomische Wachstum in den USA nachhaltig anzukurbeln. So hat die Fed das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten durch die elektronische Erzeugung von Kapital bei gleichzeitiger Steigerung der Preise an den Finanz- und Vermögensmärkten künstlich gepusht, um einen gefühlten Vermögenseffekt zu erzielen, der den heimischen Konsum und die ökonomische Expansion unterstützt.

Nachdem QE 1 und QE 2 endeten, begannen die Vermögenspreise in den Vereinigten Staaten zu sinken. Ferner erweckte es den Eindruck, als ob die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten wieder in eine Rezession zurückfallen würde. Zu jedem dieser Zeitpunkte verabschiedete die Fed eine neue Runde des QE, um zu verhindern, dass es tatsächlich dazu kommt. Ich glaube, dass wir schon bald eine Wiederholung dessen erleben werden, nachdem QE 3 ausgelaufen ist. Denn die US-Wirtschaft schwächt sich bereits für jedermann sichtbar ab.

QE4 aus Angst vor einem erneuten Rückfall in die Rezession?

Ich denke nicht, dass die Fed QE4 verabschieden wird, weil deren Mitglieder davon überzeugt wären, die „richtige Entscheidung im Hinblick auf die sich in den Emerging Markets entwickelnde Lage zu treffen“. Sondern ich denke, dass die Fed QE 4 verabschieden wird, weil deren Mitglieder Angst davor haben, dass die amerikanische Wirtschaft in eine neue und sehr ernsthafte Rezession zurückfallen wird, falls sie es nicht tun.

Dies nun offen zum Ausdruck bringend, glaube ich ferner, dass die Schwellenländer von QE4 in derselben Weise profitieren werden, wie dies im Hinblick auf die ersten drei QE-Runden der Fall gewesen ist. Eine Alternativstrategie für die Vereinigten Staaten könnte sein, noch weitaus höhere Budgetdefizite zu kreieren, um sowohl der amerikanischen als auch der globalen Wirtschaft weitere Fiskalstimulierungen zukommen zu lassen. Dies würde jedoch wohl nicht vor den im Jahr 2016 stattfindenden US-Präsidentschaftswahlen geschehen. Ob es danach geschähe, lässt sich ebenfalls bezweifeln.

Eine weitere Strategie wäre, überhaupt nichts zu tun. Es ist eben jene Strategie, der sich die politischen Entscheider in den 1930iger Jahren bedienten. Resultat war damals der Ausbruch einer globalen Wirtschaftsdepression. Falls sich die politischen Entscheider zum aktuellen Zeitpunkt dazu entschließen sollten, nichts zu tun, wird es unter aller Voraussicht zum Ausbruch einer neuen, großen Wirtschaftsdepression in der Welt kommen.

Welches Land könnte überhaupt die Rolle der globalen Wachstumslokomotive übernehmen?

Die Vereinigten Staaten hatten sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs als Treiber des globalen Wachstums erwiesen. Doch die US-Wirtschaft wächst nicht mehr länger in einer Weise, die stark genug wäre, um die globale Konjunkturlokomotive zu stellen. Darüber hinaus erweckt es auch nicht den Eindruck, als ob irgendein anderes Land in der Welt diese Position einnehmen könnte. Um diese Position als globale Konjunkturlokomotive von den USA zu übernehmen, müsste dieser Staat dazu bereit sein, sogar ein noch weitaus höheres Handelsdefizit als die Vereinigten Staaten hinzunehmen. Und dies wird nicht möglich sein.

Welcher Mittel hätte sich Japan bedienen können, um das Wachstum des Landes im Jahr 1990 zu befeuern? Nachdem die astronomischen Blasen in Japans Wirtschaft geplatzt waren, denke ich nicht, dass Japan auch nur irgendetwas hätte tun können, um sein Wirtschaftswachstum wieder anzukurbeln. China befindet sich heute in derselben Lage wie Japan im Jahr 1990. Es haben sich enorme Blasen in der heimischen Wirtschaft gebildet. Ich erkenne nicht, auf welche Weise die Pekinger Staatsführung „das Wirtschaftswachstum in der Heimat weiter befeuern kann“.

Kann die globale Schuldenblase überhaupt noch weginflationiert werden?

China wird es schon schwer genug fallen, die platzenden Blasen nicht in eine ökonomische Depression münden zu lassen. Dazu wird es einer Kreierung von sehr hohen Budgetdefiziten benötigen. Ferner werden in China neben einer Portion Glück auch große ökonomische und wirtschaftshistorische Kenntnisse benötigt, um in den kommenden zehn Jahren zumindest noch ein jährliches Wachstum von 3% zu erzielen. 

All die seit dem Jahr 2008 verfolgten Regierungsstrategien (Ausgabeprogramme in Höhe von Billionen US-Dollars, die Erzeugung von Billionen US-Dollars an neuer Fiat-Papierwährung, Nullzinsen, etc.) haben bislang den Ausbruch einer neuen, großen Wirtschaftsdepression in der Welt verhindert. Doch nun, nach dem Ende von QE 3, sind die Stimulierungsanreize nicht mehr ausreichend, um die globale Schuldenblase weiter zu inflationieren.

Diese Schuldenblase beginnt nun zu deflationieren. Die Entscheidung, auf die wir nun blicken, pendelt zwischen einer Verabschiedung von noch mehr Stimulierungsmaßnahmen oder dem Ausbruch einer zerstörerischen Wirtschaftsdepression in der Welt, welche das Potenzial in sich trägt, die Welt – in der Weise, wie wir sie kennen – zu zerstören.

Gastbeitrag für CK*wirtschaftsfacts / © 2015 The Daily Reckoning, Agora Publishing

Richard Duncan ist Autor der internationalen Bestseller The Dollar Crisis: Causes, Consequences, Cures, The Corruption of Capitalism: A strategy to rebalance the global economy and restore sustainable growth sowie The New Depression. Richard begann seine Karriere als Aktienanalyst in Hongkong und diente ABN Amro Asset Management als globaler Chef für Investmentstrategien. Ferner war er Sektorspezialist im Bereich Finanzen bei der Weltbank sowie Chef der Sparte Aktienanalyse bei der Firma James Capel Securities and Salomon Brothers. Er diente dem Internationalen Währungsfonds zu Zeiten der Asienkrise als ökonomischer Berater in Thailand. Zum aktuellen Zeitpunkt ist er Chefökonom der Firma Blackhorse Asset Management in Singapur.

 

Ein besonderer Dank geht an The Daily Reckoning und den Verlag Agora Publishing in Baltimore/USA.

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