Die Lage an den Finanzmärkten der Schwellenländer bleibt angespannt. Die unselige Kombination aus Unsicherheit über deren zukünftige Wirtschaftsentwicklung und Ängsten der Anleger vor anhaltenden Liquiditätsdrosselungen der Fed schlagen sich negativ in Kapitalentzug nieder. So sind die Renditen fünfjähriger türkischer und südafrikanischer Staatstitel - beide Länder sind von ausländischem Kapital und Güterimporten abhängig - seit Jahresbeginn angestiegen. Allerdings weisen politisch stabile, über hohe Devisenreserven verfügende Staaten wie Südkorea und China eine wesentlich günstigere Renditeentwicklung ihrer Staatsanleihen auf.

Der Kapitalentzug in den Schwellenländern droht auf die Realwirtschaft überzugreifen: Es könnte längerfristig auch an realwirtschaftlichem Investitionskapital fehlen. Eine nachhaltige Konjunkturabkühlung der Schwellenländer wie ab 1997 würde sich in unserer globalisierten Weltwirtschaft über eine ausbleibende Nachfrage nach westlichem Industrie-Know How und Vorprodukten unweigerlich auch in den etablierten Industriestaaten bemerkbar machen. Als Warnsignal konnte der zweite Rückgang des offiziellen Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe in China gewertet werden, auch wenn dieser mit einem Wert von 50,5 nach wie vor auf eine sich fortsetzende Wirtschaftsexpansion hinweist.

Die Turbulenzen in den Emerging Markets haben sicherlich mit zu der massiven Stimmungseintrübung im Verarbeitenden Gewerbe der US-Wirtschaft beigetragen. Deren Neuauftragskomponente gemäß ISM Index verzeichnete zuletzt einen drastischen Rückgang von 64,4 auf 51,2 und signalisiert insofern eine verlangsamte Dynamik der US-Industrie.

Deutsche Wirtschaft stark abhängig von den Schwellenländern

Natürlich würde eine Wirtschaftsschwäche in den Schwellenländern und insbesondere in China konjunkturelle Bremsspuren auch in der deutschen Industrie hinterlassen. Der deutschen Exportindustrie geht es im europäischen vergleich deshalb gut, weil insbesondere China die Aorta für z.B. unsere Auto- und Maschinenbauer ist. Noch zeigt sich die deutsche Industrie allerdings verhältnismäßig robust. So konnten die ifo Geschäftserwartungen nach einer Stabilisierung im Vormonat zuletzt sogar weiter - wenn auch nur leicht - zulegen.

Deutschland, das über seine starke Exportwirtschaft wie kaum ein anderes Land eng mit der Weltwirtschaft verwoben ist, bekäme den konjunkturellen Gegenwind der Emerging Markets am meisten zu spüren.

In Euroland zeigt sich bisher die Konjunkturstimmung im I. Quartal 2014 von ihrer optimistischen Seite. Setzt man die ifo Geschäftslage euroländischer Unternehmen zu den ifo Geschäftserwartungen gemäß der vier typischen Phasen eines Konjunkturzyklus zueinander in Bezug, ist eine anhaltende Stimmungsverbesserung der euroländischen Wirtschaft erkennbar. Bei fast unveränderten Geschäftserwartungen wird die -lage erneut freundlicher beurteilt. Auf der Stimmungsebene befindet sich Euroland im stabilen Aufschwung.

Die EZB hat Angst vor De- nicht Inflation

Die EZB hat auf ihrer letzten Zinssitzung zwar noch keine weiteren geldpolitischen Maßnahmen beschlossen. Aufgeschoben ist allerdings nicht aufgehoben. Denn EZB-Chef Mario Draghi wird nicht müde zu betonen, dass im Ernstfall weiterhin eine Vielzahl von auch unkonventionellen Maßnahmen bereit steht. Insbesondere die im März erstmals veröffentlichten euroländischen Konjunktur- und Inflationsprojektionen für 2016 - mit dann vermutlich gesenkten mittelfristigen Inflationserwartungen - und eine weitere Eintrübung in den schwächeren Schwellenländern dürften weitere Maßnahmen der EZB auf den Plan rufen. Die EZB wird nach heutiger Einschätzung ihre geldpolitische Offensive konsequent fortsetzen.

So ist die massive Unterschreitung des EZB-Inflationsziels von zwei Prozent - aktuell beträgt die Preissteigerungsrate lediglich 0,7 Prozent - gerade eine Einladung für weitere Maßnahmen. Quantitative Lockerungen, also eine weitere Notenbankzinssenkung auf 0,1 Prozent bzw. die Senkung des Einlagenzinses für von Banken bei der EZB geparktes Geld auf negatives Niveau haben abseits von Symbolpolitik über eine weitere ultralockere Geldpolitik keine bedeutende realwirtschaftliche Wirkung. Daher wird es der EZB zukünftig um quantitative Instrumente gehen. Mit Staatsanleiheaufkäufen - die Prüfung, ob der unbegrenzte Kauf von Staatsanleihen durch die EZB mit EU-Recht vereinbar ist, wird der Europäische Gerichtshof treffen, dessen Zustimmung mit verhaltenen Einschränkungen zu erwarten ist - würde sie zu einer deutlichen Reflationierung beitragen. Als Einstieg könnte die EZB im März die Sterilisierung der von ihr 2011 zur Beruhigung der euroländischen Zinsmärkte in beschränktem Umfang aufgekauften Staatstitel einstellen. Die damals bereitgestellte Liquidität wird regelmäßig von der EZB wieder aus dem Markt gezogen. Diese Maßnahme käme einer Nettoliquiditätszufuhr von rund 175 Mrd. Euro gleich.

Im Gegensatz zur Fed wird die EZB krisenbedingt die geldpolitische Geschwindigkeit nicht verringern, sondern weiter erhöhen. Ähnliches gilt für die Bank of Japan. Selbst bei Abschluss des Tapering im Sommer mit dann ausbleibender, weiterer Liquiditätszufuhr seitens der US-Notenbank wird die internationale Liquiditätsausstattung weiter spürbar ansteigen. Insgesamt bleibt die Liquiditätshausse bei Aktien - wenn auch unter zunehmender Volatilität - erhalten. Es gibt keine geldpolitische Wende der internationalen Notenbanken.

Berichtsaison mit stabilen Ausblicken

Nach einem starken Ergebnis für das IV. Quartal 2013 zeigt sich die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft trotz eines herausfordernden Marktumfelds mit hohem Preisdruck zuversichtlich. Daimler kann mit einem soliden Ausblick überzeugen, nachdem auch das Jahresergebnis besser ausfiel als erwartet. Der Autokonzern sieht die Nachfrage 2014 um vier bis fünf Prozent steigen und rechnet auch mit Zuwächsen beim operativen Ergebnis. Auch HeidelbergCement ist zuversichtlich gestimmt und erwartet weiteres Wachstum in Nordamerika, Afrika und Asien sowie eine Aufhellung m Europa-Geschäft. Grundsätzlich stellen aber 2014 negative Währungseffekte einen Belastungsfaktor dar.

Aktuelle Marktlage und Charttechnik

Die Liquiditätsängste der Anleger und die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Schwellenländer sorgen seit Anfang 2014 - in Euro gerechnet - für ein anderes Bild als noch 2013. Defensive Anlageklassen wie die Edelmetalle Gold und Silber aber auch deutsche Staatsanleihen, die risikoscheue Anleger als sichere Häfen ansteuern, sind seit Jahresbeginn die Gewinner. Die risikoreicheren, auch konjunktursensitiven Anlageklassen befinden sich hingegen in der Verlustzone. Rohöl leidet unter einem Überangebot auf dem Weltmarkt. Die internationalen Aktienmärkte bekommen die Malaise der Schwellenländer zu spüren. So müssen US-Aktien gefolgt von euroländischen und deutschen Aktien Verluste hinnehmen. Japanische Aktienunternehmen litten als direkter und großer Handelspartner unter den Eintrübungen der Emerging Markets. Die großen Verlierer seit Jahresanfang sind Aktien aus den Emerging Markets, denen die Kapitalflucht zusetzte.

Allerdings dürfte eine sich im Zeitablauf stabilisierende Anlegereinschätzung der für die Weltwirtschaft wichtigen Schwellenländer für eine allmähliche Beruhigung sorgen. Sie sind nicht mit ihrer schwachen Fundamentalsituation zur Zeit der Asien-Krise ab 1997 zu vergleichen. Entsprechend scheint der kürzliche Währungsverfall der Schwellenländer bislang nicht den verheerenden Weg wie damals zu nehmen. Außerdem werden die großen internationalen Notenbanken nicht wie im Vorfeld der damaligen Krise eine restriktive Geldpolitik zeigen.

Dieser Beruhigungs- und Erkenntnisprozess wird aber noch seine Zeit brauchen. Volatile Aktienmärkte sind vorerst der Grundtenor, bis im zweiten Halbjahr die Wogen geglättet sind und die Aktienmärkte sich wieder spürbar befestigen.

Und das passiert in der 7. Kalenderwoche

Auf Unternehmensebene dürfte die Commerzbank trotz Fortschritten beim Konzernumbau erneut schwache Zahlen präsentieren. ThyssenKrupp dürfte erneut die Belastungen aus seinen Stahlwerken in den USA und Brasilien zu spüren bekommen.

In den USA weisen stabile Einzelhandelszahlen und ein festes Konsumentenvertrauen der University of Michigan auf einen soliden Jahresstart der Binnenwirtschaft hin. Fraglich ist, ob die US-Industrieproduktion ähnlich wie die Auftragseingänge unter dem schlechten Januarwetter zu leiden hatten.

In Euroland dürften die BIP-Zahlen für das zurückliegende Schlussquartal 2014 die leichte Stabilisierung der Euro-Wirtschaft bestätigen. Das dürfte erneut auf Deutschland zurückzuführen sein.

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