Aktienmarkt 2014 - Unser Basisszenario und mögliche Risiken

2013 zeigten sich die Aktienmärkte - in Euro gerechnet - als Gewinner der Performance-Rangliste. Dank des geldpolitischen Stimulus und einer Erstarkung der US-Wirtschaft avancierten amerikanische Aktien zur erfolgreichsten Anlageklasse. Und dank einer ebenso lockeren Geldpolitik der EZB und der Bank of Japan fanden sich deutsche Aktien auf Platz zwei - unsere stabile Wirtschaft hat auch geholfen - wieder, dicht gefolgt von japanischen und euroländische Aktien auf Platz drei und vier. Die Rentenmärkte verliefen im Seitwärtstrend.

Rohstoffe, darunter Rohöl, zeigten sich aufgrund der Tapering-Diskussion der Fed volatil. Diese Verunsicherung schwächte zwischenzeitlich auch Aktien der Schwellenländer, die sich zum Jahresende jedoch wieder stabilisierten. Gold und Silber waren die großen Verlierer. Sie fielen dem erfolgreichen geldpolitischen Krisenmanagement zum Opfer.

Basisszenario: Aktien weiter mit Steherqualitäten

Die seit Mai 2013 andauernde Anlegerverunsicherung, ob das Tapering kommt und wie es kommt, ist endlich beendet und durch Fakten ersetzt worden. Um die einsetzende Konjunkturerholung der USA nicht zu gefährden, drosselt die Fed ihr Anleihenaufkaufprogramm ohnehin nur in Trippelschritten, zunächst von monatlich 85 auf 75 Mrd. US-Dollar. Übrigens, bei negativer Konjunkturdatenlage ist auch eine Wiederaufnahme verstärkter Anleihenaufkäufe möglich. Grundsätzlich wird die Liquiditätsausstattung der USA weiter zunehmen. Und die Notenbankzinsen - die wirklich restriktive geldpolitische Waffe - behält die Fed noch für unabsehbare Zeit auf dem aktuell niedrigen Niveau.

An den Finanzmärkten kommt dieser insgesamt smarte Deal der US-Notenbank gut an. Die Aktien- und Anleihenmärkte erkennen, dass ihnen notenbankseitig kein Ungemach droht.

Überhaupt, in Euroland steht der Höhepunkt der geldpolitischen Offensive zur Krisenbewältigung erst noch bevor. Die Optionen der EZB bewegen sich von weiteren Zinssenkungen über negative Einlagezinsen auf bei ihr von den Geschäftsbanken geparktes Geld bis zu Anleihenaufkäufen von Staatstiteln zur weiteren Renditesenkung. Und wenn alle Stricke reißen, könnte die EZB den Banken mit dem Aufkauf von besicherten Krediten sogar das Ausfallrisiko abnehmen und damit das Zinsniveau der Kreditwirtschaft weiter senken. Auch die Bank of Japan wird ihre Liquiditätsoffensive wie geplant verstärken, um der japanischen Deflation endgültig den Garaus zu bereiten.

Insgesamt vergeben die Notenbanken eine Lebensversicherung für Aktien auch im nächsten Jahr. Früher sind Liquiditätsblasen an den Aktienmärkten - Dotcom-Euphorie 2000 oder Immobilienhausse 2008 - durch Zinserhöhungen geplatzt. Aber wegen der weltweit immer noch schwelenden Krisen wird sich an dieser Vollkaskoversicherung noch lange nichts ändern können. Die Liquiditäts- und Zinswende bleibt aus und die Liquiditätshausse intakt.

Darüber hinaus sprechen aber auch die Fundamentaldaten immer mehr für Aktien. Die Weltwirtschaft stabilisiert sich 2014 deutlich: Die USA, Japan, die Schwellenländer und selbst Euroland zeigen wirtschaftliche Stärke. Die Daten von ifo und ZEW weisen gemäß ihrer Konjunkturerwartungen eindeutig auf eine an Dynamik gewinnende deutsche Wirtschaft hin. Darauf folgen in sechs Monaten auch steigende Unternehmensgewinne, was die aktuell sportlichen Aktienbewertungen entspannt.

Die sich aufhellende globale Konjunkturperspektive sowie das anhaltend üppige Liquiditätsumfeld bilden die Basis für einen auch 2014 stattfindenden Aktienbullenmarkt.

10 Risiken für unser Basisszenario 2014

Von unserem positiven Basisszenario sind wir überzeugt. Dennoch wollen wir im Folgenden 10 mögliche Risiken auflisten, die einzeln oder in Kombination unsere Einschätzung theoretisch bedrohen könnten.

1. Industrieländer in der Rezession

Trotz geldpolitischer Rekordstimuli von Fed, EZB und Bank of Japan kommt die weltwirtschaftliche Entwicklung nach einem Strohfeuer nicht wirklich in Fahrt. Als großes Handicap erweist sich die Kreditvergabe der Banken, die durch zunehmende Regulierungen und Eigenkapitalvorschriften gebremst wird. Vor allem Banken in Euroland sind immer noch schwach eigenkapitalisiert. Euroland gerät in die Rezession und auch die US-Wirtschaft spürt die Knute einer sich eintrübenden US-Konsumstimmung.

2. Starker Euro als Wachstumsbremse

Die geldpolitische Offensive der EZB bleibt deutlich hinter der Feuerkraft anderer großer Notenbanken aus Exportnationen zurück, was den Euro als Handelswährung einem zunehmenden Aufwertungsdruck aussetzt. Insbesondere die Bank of Japan schwächt mit ihrer ultralockeren Geldpolitik ihre Währung immer weiter. Von der abwertungsbedingten Wettbewerbssteigerung Japans beeindruckt, treten auch andere Exportländer in einen markanten Abwertungswettlauf der Währungen ein. Eurolands Export bricht ein und nimmt auch Deutschland entscheidende Wachstumsimpulse weg.

3. Deutsche Wirtschaft von der Lokomotive zum Tenderwagen

Die Abkehr von der Agenda 2010 mit u.a. Mindestlohn und Rentenerhöhungen führt zu einer Wettbewerbsschwächung der deutschen Industrie. Erschwerend kommt die umfängliche Beteiligung der deutschen Industrie an den Kosten der Energiewende auf Anordnung der EU hinzu. Unternehmen fangen an, den Wirtschaftsstandort Deutschland in Frage zu stellen und sich nach Alternativen umzuschauen. Ihre Investitionsbereitschaft in Deutschland geht zurück. Export- und allgemeine Wirtschaftsrückgänge sorgen für weniger Steuereinnahmen, mehr Arbeitslosigkeit und steigende Sozialausgaben. Daraufhin notwendige Sozialversicherungs- und Steuererhöhungen schwächen die deutsche Wirtschaft weiter. Deutschland fällt in punkto internationaler Wettbewerbsfähigkeit deutlich zurück.

4. Schwellenländer als Gefahr für die Weltwirtschaft

Der Transformationsprozess der Schwellenländer von dynamisch wachsenden, export- und investitionsgetriebenen hin zu stabileren, nachhaltigeren, von einem kaufkräftigen Mittelstand getriebenen Volkswirtschaften führt zu erheblichen Reibungsverlusten und zu merklichen Wachstumsdellen. Insbesondere das hard landing Chinas - Wachstumsraten deutlich unter den von der chinesischen Regierung angepeilten sieben Prozent - führt zu einer schockartigen Stimmungsverschlechterung der Weltwirtschaft. Über eine massive Kapitalflucht und Investitionseinbrüche wiederholt sich die Asien-Krise von 1997.

5. Das geldpolitische Experiment in Japan geht schief

Trotz des massiven geldpolitischen Stimulus der Bank of Japan kann die japanische Wirtschaft ihre anfängliche Dynamik aus 2013 nicht fortsetzen. Die Risiko- und Investitionsbereitschaft fällt zurück und Überalterung, Überschuldung und Umweltverschmutzung führen das Land schließlich in eine scharfe Rezession. Angesichts einer Verschuldung von mehr als dem Doppelten seiner Wirtschaftsleistung kann Japan seinen staatlichen und sozialpolitischen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Der Vertrauensverlust internationaler Investoren führt zu Gerüchten, dass Japan als erste Industrienation seit dem zweiten Weltkrieg einen Staatsbankrott erleben könnte.

6. Euroland zurück im Krisenmodus

Die hohe Arbeits- und Perspektivlosigkeit in den angeschlagenen Euro-Ländern sorgt für starke Gewinne Euro-kritischer Parteien bei der am 25. Mai 2014 anstehenden Europawahl. Die Angst der auf Länderebene verantwortlichen Politiker vor Einbußen bei der nächsten Nationalwahl führt zu einer weiteren Abkehr von Spar- und Reformaktivitäten. Über die weitere Wettbewerbsschwäche drohen weitere soziale Spannungen. Als Gegenmaßnahme werden den Not leidenden Ländern noch mehr Kredite der Euro-Kernländer gewährt. Die zunehmende Mithaftung der Kernländer führt schließlich auch in Deutschland zu einer massiven Abwehrhaltung gegenüber Euroland und dem Euro. Die politische Euro-Krise erreicht einen neuen Höhepunkt.

7. Renditeverfall bei Staatsanleihen

Vor diesem Hintergrund werden alle Tapering-Pläne in den USA obsolet. Die Fed ist sogar gezwungen, ihr Anleihenaufkaufprogramm wieder aufzustocken. Der realwirtschaftliche Erfolg bleibt aber aus. Über die zunehmende Deflationierung sinkt das allgemeine Zins- und Rentenniveau immer weiter. Die großen Anlagesammelbecken wie Versicherer können ihre Ein- und Auszahlungsströme nicht mehr in Übereinstimmung bringen. Gerüchte über Stützungsaktionen durch die Staaten und die Notenbanken machen die Runde. Aufgrund des wieder zunehmenden Anlegermisstrauens wird Geld umfänglich in vermeintlich sicheren Staatspapieren bzw. geldmarktnah geparkt. Trotz sinkender Zinsen nimmt die Bereitschaft, Kredite aufzunehmen, ab. Selbst die ultralockerste Geldpolitik hat ihre Wirkung verloren. Weltweit fallen die Preise. Dagegen steigen die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen dramatisch an. Der Privatwirtschaft gelingt es nicht mehr, sich ausreichend zu finanzieren.

8. Edelmetalle als sichere Häfen

Die weltweit zunehmenden Schulden- und Wirtschaftsprobleme führen zu einer Renaissance von Edelmetallen. Die Anleger besinnen sich wieder auf die mit Gold und Silber verbundene Funktion der Werterhaltung. Die Tatsache, dass Zinsvermögen keine bonitätsgerechten Renditen bietet, wirkt als Katalysator für das sichere Sachkapital Edelmetalle.

9. Die fundamentalen Säulen unserer Finanzwelt brechen weg

Das Grundvertrauen in unser weltweites Finanzsystems ist erschüttert. Die Frühindikatoren zeigen keine verbesserten Zukunftsperspektiven an, weil der (Geld-)Politik von Anleger- und Wirtschaftsseite nicht mehr zugetraut wird, die Probleme in den Griff zu bekommen. Die Deflation nimmt ihren Lauf und die Verunsicherung an den Finanzmärkten erhöht sich auf Rekordniveau. Das Vertrauen der Anleger in das Geldsystem schwindet.

10. Der Finanz-Crash 2014

An den Aktienmärkten findet ein massiver Ausverkauf statt. Die Liquiditätsblasen platzen. Und schließlich wird auch die Sicherheit von Staatspapieren in Zweifel gezogen. Nutznießer sind die Edelmetalle in physischer Form, die den Status als Krisenwährung erhalten.

Wertung Basisszenario versus Risikopotenziale

Es ist es uns schwer gefallen, zehn theoretische Risiken für die Finanzmärkte 2014 zu identifizieren. Und auch bei ihrer Beschreibung haben wir ihr Eintreffen als praktisch unwahrscheinlich empfunden.

Von unserem Basisszenario sind wir jetzt noch mehr überzeugt.