"Gloria Libani data est ei - Die Ehre des Libanon ist ihm verliehen." Dieser Spruch ist eingewoben, in das feierliche Messgewand des maronitischen Patriarchen.  
Gemäß der alten Verfassung des Libanons - Nationalpakt genannt - stellen die christlichen Maroniten den Staatspräsidenten der Zedernrepublik, während der Ministerpräsident sunnitisch und der Parlamentspräsident schiitisch sein sollte.
Diese Aufteilung beruht auf der alten demographischen Struktur des Libanons, die inzwischen verschoben ist, basierend auf Kriegen, Flucht und Aus- und Zuwanderung, der jüngeren Vergangenheit.

Am Montag wählte das Parlament den ehemaligen Oberbefehlshaber der libanesischen Streitkräfte, Michel Aoun, zum neuen Staatsoberhaupt, einen Maroniten. Laut libanesischen Medien stimmten 83 der 128 Abgeordneten für den 81jährigen Aoun.

Zwei Jahre lang war das Amt des Präsidenten vakant. Die Wahl Michel Aouns stellt einen weiteren schweren Schlag für Saudi-Arabien dar, beim Ringen mit Iran um die Vorherrschaft in der Region.

Der General a. D. gilt als Teherans Mann im Libanon, während der Iran der größte Financier der Hisbollah ist. Diese wiederum gelten als wichtige Verbündete der syrischen Regierung.

Das war nicht immer so. Vor einem Vierteljahrhundert, während des blutigen Bürgerkrieges, war Aoun ein vehementer Gegner des syrischen Einflusses in seinem Land. 1990 wurde er des Landes verwiesen und ging nach Frankreich ins Exil. In Paris versuchte er den Widerstand gegen die Herrschaft Damaskus im Libanon zu einigen, wurde dabei von Paris aber nur sehr unzureichend unterstützt. Als Assad 2005 die syrischen Truppen abzog, kehrte Aoun zurück. Dass es Aoun nun gelungen ist, die Mehrheit für sich zu gewinnen, ist auf taktische Überlegungen zurückzuführen.

Eingeklemmt zwischen den Interessen Saudi-Arabiens und des Iran

Saudi-Arabien lässt seit Beginn des Syrien-Kriegs nichts unversucht, er beteiligten Parteien zurückzuführen. Neben den Christen machte sich auch die schiitische Hisbollah für ihn stark.

Saudi-Arabien und seine Verbündeten, die sunnitisch-reaktionären Golf-Monarchien, versuchten die politischen Veränderungen im Libanon durch die üblichen Tricks und Manipulationen aufzuhalten, ohne Erfolg. Als Prellbock  versuchte das saudische Regime den ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri, der die »Zukunftsbewegung« anführt, die stärkste Kraft im libanesischen Parlament, zu instrumentalisieren.

Hariri ist in Riad geboren, hat beste Beziehungen zum dortigen Königshaus und besitzt neben der libanesischen auch die saudische Staatsangehörigkeit.
Doch die verheerende - vom Westen unterstützte - Politik der Saudis, die in der Region Tod und Terror verbreitet, findet selbst bei den Sunniten in der Region keine Anhänger mehr.

Hariri, der zu Beginn im Sinne seiner Günstlinge vorging, änderte schlagartig seine Meinung und unterstützte Aoun als Staatpräsident.

Saudi-Arabien zeigt sich entsetzt. Die Taktik, sich politische Einflussnahme zu erschleichen, welche jahrelang im Westen mit Erfolg praktiziert wurde, zieht in der Levante nicht mehr.

Hariri möchte gemäß der Verfassung, nach der Parlamentswahl im nächsten Jahr Ministerpräsident werden, benötigt dazu die Unterstützung der Christen und der Schiiten, durch deren politischen Arm - die Hisbollah.

Im Libanon geht man davon aus, dass die sich abzeichnende Konsolidierung des syrischen Regimes, sowie der Achse Moskau-Teheran in Syrien auch Veränderungen an der syrisch-libanesischen Grenze nach sich ziehen werden Die Saudis beginnen unterdessen damit, sich aus dem Libanon zurückzuziehen. Das Regime in Riad hat die finanzielle Unterstützung für die libanesische Armee eingestellt und sogar den Botschafter zurückgerufen. Iran wird stärker, Saudi-Arabien schwächer.

Wie lange will der Westen noch auf das sinkende Schiff der Saudis bauen, wie lange kann man in Berlin, Paris und Washington noch Teheran als neue starke Macht ignorieren?