Interviewfortsetzung von Teil 1, Teil 2 und Teil 3:

Helmut Reinhardt: Wie willst Du es denn hinbekommen, dass die Sparer ihre Geldsparpläne aufgeben? Das ginge doch nur über eine Steuer auf gehortete Geldvermögen inkl. Freibetrag für kleine Sparer, was im Grunde nichts anderes als die Gesell-Lösung darstellt. Ich sehe schon  die BILD-Schlagzeile vor meinem geistigen Auge: „JETZT WOLLEN SIE UNS AUCH NOCH UNSERE ZINSEN NEHMEN.“

Andererseits hat beispielsweise Herr Ackermann höchstselbst in einer Rede die Rolle der Banken in unserem Wirtschaftssystem mit den Worten „Die Bankenbranche müsse ihre gesamte Tätigkeit daraufhin prüfen, ob wir damit unserer genuinen Aufgabe als Diener der realen Wirtschaft gerecht werden." in Frage gestellt. Des Weiteren scheint ja mittlerweile auch der ein oder andere Superreiche einzusehen, dass sie selbst es sind, die durch die sie verschonende Steuerpolitik im Endeffekt verlieren werden. Glaubst Du das durch die aktuelle Krise gerade ein weltweiter Bewußtseinswandel stattfindet oder wird es nach einem nicht mehr zu verhindernden Reset einfach weitergehen wie bisher? Auch wenn es schwer vorstellbar erscheint: Könnte es passieren, dass die Geld- und Machtelite freiwillig Macht und Vermögen aufgibt, weil es ihnen langfristig selbst schadet? An dieser Stelle sei an die französische Revolution erinnert: Kopf ab!

Jörg Buschbeck: Erst mal glaube ich, dass wir insbesondere auch zur Erhaltung der Marktwirtschaft an einer stärkeren Besteuerung größerer Vermögen und sehr großer Einkommen nicht vorbeikommen. Dies löst über das damit finanzierte Grundeinkommen natürlich auch schon einen Teil des Problems der mangelnden Nachfrage. Das Geld gelangt zu denen, welche überhaupt auch noch Nachfrage haben. Da aber dann sofort das Geheule losgeht, dass bei dieser stärkeren Besteuerung von Marktvermachtungseinkommen dann angeblich zu wenig investiert wird, sollte man unbedingt auch doch noch eine automatische Stabilisierung  des makroökonomischen Gleichgewichts einbauen. Hier habe ich die Idee für etwas ganz Neues: Die Bundesbank wird zur monetativen Staatsgewalt, welche dieses Makro-Gleichgewicht ganz unabhängig bei Fast -Nullzins stabil hält.

Helmut Reinhardt: Also 100% Money nach Irving Fisher?

Jörg Buschbeck: Na ja, diese Idee klebt halt sehr stark an der Vorstellung der ökonomischen Märchenwelt mit Tauschhandel und Gelddingen. Diese Gedanken muss man erst auf die Realität anpassen. Gut finde ich die Idee, dass eine von der Legislative unabhängige Instanz marktneutral für Gleichgewicht sorgt. Um die Nachfrage nach Guthaben = Schulden zu senken, muss Sparen mehr in Sachwertinvestitionen auch bei kleinen Renditen stattfinden. Dazu vergleicht der Investor die über den Investitionszeitraum zu erwartenden Sparzinsen mit den Risiken und Mehrerträgen einer realwirtschaftlichen Investition


Helmut Reinhardt: Es gibt also 3 Stellschrauben, die Spar-Zinserwartungen, die Risikoaufschläge und die reale Rendite?

Jörg Buschbeck: Genau, und wenn die Investition auch bei niedriger Rendite den Vorzug haben soll, braucht es die Erwartung von dauerhaft niedrigen Zinsen und wirtschaftlicher Stabilität. Genau dies kann „meine Monetative“ leisten – sie zahlt bei Unternachfrage (Geldsparpläne zu groß) einen staatsschuldenfinanzierten Grundeinkommenszuschlag und nimmt bei Übernachfrage (Verschuldungspläne zu groß) eine Kreditsteuer auf alle neuen Kredite, welche die Staatsverschuldung wieder tilgt. Und diese Stabilisierung erfolgt bei einem Sparzinsniveau von etwa 0,5%. Und nach einer Testphase wird den Investoren natürlich klar, dass sich eine Unmenge an realwirtschaftlichen Investitionen nun mit diesen Erwartungen rechnen. Dadurch wird die Staatsschuldentilgung überwiegen, obwohl auch eine Staatsschuldenautomatik dahinter steht. Dies ist sozusagen Keynes 3.0 mit tatsächlicher Staatsschuldentilgung und weniger Regelabweichung durch schnellere Reaktion. Alles Dinge, welche die kalkulatorischen Risikoaufschläge realwirtschaftlicher Investitionen senken und eines der wichtigsten wirtschaftliche Güter überhaupt wiederherstellen – das Vertrauen.
   

Helmut Reinhardt: Und dieses Vertrauen wurde ursächlich durch die Geschäftsbanken pulverisiert. Stellt sich nicht generell die Frage, wozu wir Geschäftsbanken überhaupt noch brauchen.


Jörg Buschbeck: Also mit alleinigen Schuldzuweisungen an die Geschäftsbanken wäre ich vorsichtig, auch wäre mir als Unternehmer eine staatliche Kreditmonopolbehörde (Geldschöpfungsbehörde) ein absoluter Horror – eine fürchterliche Investitionsbremse. Die deutsche gewerbliche Kreditqualität ist hervorragend, auch aufgrund von sehr guten Vorgaben und Kontrollen. Das die Banken z.B. ausländische Staatsanleihen mit Spargeldern kaufen mussten, hat eben mit den Exportüberschüssen und der Horterei
zu tun. Dafür hat man ja auch administrativ die Anreizsysteme geschaffen, ein Kredit an einen deutschen Mittelständler musste man mit Eigenkapital unterlegen, die griechische Staatsanleihe nicht. Also die Geschäftsbanken werden schon gebraucht, wir müssen ihnen nur die richtigen Vorgaben machen.

Helmut Reinhardt: Tatsächlich gibt es doch aber viele Ideen, wie sich die Bürger selbst Geld zur Verfügung stellen können. Bitcoins oder Rheingold sind nur zwei Beispiele dafür. Wie müßte ein Bürgergeld konstruiert sein, dass einerseits die übermäßige Geldhortung und Marktvermachtung verhindert, andererseits aber auch von den Menschen akzeptiert wird? Oder sind diese vielen neuen Ansätze einfach nur Quatsch weil sinn- und im Positiven folgenlos?

Jörg Buschbeck:
Ich möchte den alternativen Ansätze folgendes vorschlagen: Geht weg vom alternativen Zahlungsmittel sondern hin zum alternativen Wertaufbewahrungsmittel. Unsere Probleme liegen ja darin, dass die Zahlungsmittel zur Wertaufbewahrung blockiert werden, und deshalb mit schlechten Schulden neu produziert werden müssen. Wenn wir die Geschäftsbanken beauflagen, nur noch aus guten privatwirtschaftlichen Schulden Zahlungsmittel in funktionierenden Wettbewerb herzustellen, dann haben wir sehr gute Zahlungsmittel. Mit mehreren Zahlungsmitteln und evtl. noch Kursstellung zu operieren, erhöht nur die Transaktionskosten des Wirtschaftens und bringt damit neue Unsicherheiten. 

Helmut Reinhardt: Du meinst also, dass wir vor allem das Problem des Schuldgeld-Missbrauchs zur Wertaufbewahrung lösen müssen?

Jörg Buschbeck: Ja und  dazu sehe ich neben der „monetativen Nullzinspolitik“ die Sogwirkung von  alternativen liquiden Angeboten zur Wertaufbewahrung. Neben dem Schuldgeld zur Wertschöpfung brauchen wir ein buntes Angebot von „Wertgeld“ zur Wertaufbewahrung. Dies ist nichts anderes, als ohne Kredithebel verbriefte Sachwerte, also realwirtschaftliche Investitionen. Stell Dir ein Windrad vor, es kostet 1 Mio. € und wird einfach ohne weitere Kredite gekauft und in kleinen Stücken als schuldlose Eigentumstitel verbrieft. So könnte ich mir wunderbar regionale Investitionsinitiativen vorstellen. Man organisiert die Investition in die blühenden Landschaften der eigenen Region und lernt dabei wieder die Freude am Investieren statt der Schulden produzierenden Geldsparerei. Auch dürfte der Sicherheitsaspekt positiv ankommen.

Helmut Reinhardt: Gibt es solche Sachwert-Fonds nicht bereits? Ich meine irgendwann einmal von einem solchen Projekt in Verbindung mit Sonnenenergie gehört zu haben.

Jörg Buschbeck:
Ja es gibt natürlich schon ein Haufen Fonds, aber die werden fast immer mit Kredit gehebelt. Bedeutet in guten Zeiten eine bessere Rendite, beim kleinsten Problem ist die Kiste dann schnell „unter Wasser“. Teilweise müssen die Leute dann sogar Geld nachschießen. Der kreditgehebelte Sachwertfond ist deshalb heute für den Normalsparer kaum die Alternative zu Sparbuch und Lebensversicherung.

Helmut Reinhardt: Warum eigentlich werden dann diese Kredithebel eingesetzt?

Jörg Buschbeck: Dies hat heute 2 Gründe – zum einen können die Initiatoren und Banken so ihre Vertriebskosten besser verstecken, zum anderen will man mit dem Kredithebel eben gerade gegenüber den Sparbuchzinsen gut dastehen.

Helmut Reinhardt: Also wären Sachwertfonds ohne Kredithebel eine gute Möglichkeit das Geldhortungs- und Zinseszinsproblem langfristig zu lösen?

Jörg Buschbeck: Ja, das Zinsproblem würden wir wie oben lösen, nur die konventionellen Vertriebskosten rufen eben nach bürgerschaftlichen Engagement in regionalen „Wertgeldclubs“. Hier kann Geld endlich mal ein Ding sein und nicht anderer Leute Schulden. Wenn man dann noch seine Investitionen sehen kann und über die Verbriefung auch liquide bleibt, könnte ich mir eine große Begeisterung für das neue „Regiowertgeld“ vorstellen – und es ist eben vor jedem Bankencrash dinglich sicher, auch wenn die Rendite schwanken kann. Mit einem Mix verschiedener Investitionen könnte aber auch das Risiko gestreut werden.

Helmut Reinhardt: Du sprichst mit diesen verbrieften Sachwertinvestitionen sinnvolles  Engagement in die eigene Region an. Investitionen, die einem auch ein gutes Gefühl geben, weil man sieht, dass man in ein vernünftiges Projekt in der eigenen Heimat investiert hat, - und im besten Fall noch selbst von diesem profitiert. Wäre es generell nicht wünschenswert, den Globalisierungswahn zu stoppen und hinsichtlich der vielen ökologischen Probleme ein vereinigtes, dezentrales Europa der Regionen zu schaffen? Mir gefällt dieser Gedanke im Vergleich zu der sich anbahnenden EUDSSR-Diktatur sehr.

Jörg Buschbeck: Mit Glühlampenverbot und genormten Duschköpfen werden wir auch keine ökologische Wende hinbekommen. Der europäische Gedanke ist nicht prinzipiell zu verwerfen, er darf nur nicht mit sozialistischer Regelungswut daherkommen, sondern sollte auf Marktmechanismen setzen. Wir sollten gerade den Naturverbrauch statt der menschlichen Arbeit für unser Grundeinkommen besteuern. Dann ist automatisch regionale und ressourceneffiziente Wertschöpfung im Vorteil und wird sich im Markt gegen weitgereiste Billiglohnland-Artikel durchsetzen. Für so eine Naturverbrauchssteuer sollten wir uns auch auf europäischer Ebene einigen und dann eben für Nicht-EU-Produkte aus Ländern ohne eine solche Besteuerung einen „Naturverbrauchs-Zoll“ einführen.

Helmut Reinhardt: Lass uns an dieser Stelle die Ergebnisse unseres Gesprächs kurz und bündig zusammenfassen. Was muss also nach dem bereits laufenden Systemcrash getan werden? 

Jörg Buschbeck: Ich würde die „grundeinkommensgesteuerte Marktwirtschaft“ vorschlagen. Der Mensch hat das einzige Einkommensmonopol in dieser dienenden Wirtschaft. Der demokratische Staat steuert über Lenkungs-Steuern statt über Verordnungen und Subventionen. Alle Marktvermachtungen und Externalitäten wie Naturverbrauch sind vorrangige Besteuerungsgrundlage. Die Bundesbank regelt über Grundeinkommens-Zuschläge und  eine Kreditsteuer das monetäre Gleichgewicht bei fast Nullzins aus. Es gibt keinen Wachstumszwang zur Neuschuldnergewinnung mehr. Nun lohnen sich auch subventionsfrei Investitionen mit kleinen Renditen in die dezentrale Versorgung mit erneuerbarer Energie und eine regionale Kreislaufwirtschaft. Die Deutsche Wirtschaft ist stärker auf den Binnenmarkt orientiert und verschuldet nicht länger seine Nachbarn via Exportüberschüsse, dann klappt’s auch weiter mit dem Frieden in Europa. 

Helmut Reinhardt: Lieber Jörg, vielen lieben Dank für das Gespräch, Deine vielen weiterführenden Gedanken und mehr als interessanten Antworten!

Jörg Buschbeck: Lieber Helmut, ich danke Dir ganz herzlich für die tollen Fragen und den "Ritterschlag bei Dirk". ;-)

Würde mich sehr freuen, wenn wir weiter was zusammen machen können. Ich freu´ mich aber auch wenn Du als passend empfundene Gedanken selbst weiterverarbeitest und einbaust. Ich bin auch nicht der Typ, der sich gern mit den Geschichten in den  Mittelpunkt schieben möchte. Mir geht es eigentlich nur um die Friedensfrage, würde auch gern wieder 100% meinen Betrieb machen, wenn andere die Ideen aufgreifen und auch gern unter eigenem Namen vermarkten.

Beitrag senden Beitrag drucken