Der Kupferpreis sank in den letzten Wochen auf neue Mehrmonattiefs, was insbesondere an den skeptischen Einschätzungen unter Investoren zum zukünftigen Wirtschaftswachstum in China liegt. Viele Beobachter erhofften sich von dem neulich abgehaltenen Parteikongress, dass Chinas Staatsführung klare Aussagen zur angestrebten Transformation des Landes weg von einem Exporttiger und hin zu einer deutlichen Steigerung des Inlandskonsums machen würde.

Doch wer auf eine Art ökonomischen Ruck gewartet haben mag, der wurde durch das veröffentliche Kommunique herbe enttäuscht. An den Finanzmärkten stellt man sich die Frage, wie es denn in China in den nächsten zehn Jahren nun weitergehen soll. Vor allem der Kupfermarkt bekam diese Enttäuschung zu spüren. Denn nach wie vor halten sich nicht nur hartnäckige Gerüchte, dass die Pekinger Führung ihren Wachstumsausblick für 12014 obendrein auch noch auf 7% sinken könnte. Auch die heute Morgen veröffentlichten Daten aus dem produzierenden Gewerbe enttäuschten. 

Immerhin führte die wirtschaftliche Abkühlung in China zu einer deutlichen Reduzierung der Kupfernachfrage aus der Energie- und Bauwirtschaft des Landes. Gleichzeitig blicken die globalen Kupfermärkte nun auch noch auf ein wachsendes Angebot, da viele Kupferkonzerne ihre Produktion im Zuge des Rohstoffbooms in der vergangenen Dekade ausweiteten, indem sie neue Minen erschlossen. Wer nach China blickt und dessen Entwicklung in den letzten zwei bis drei Jahren eingehender verfolgte, wird wissen, dass die Kupferlagerhäuser in Chinas Hafenmetropolen in den meisten Fällen überlaufen.

Chinesische Importeure betrieben in den letzten Jahren eine extreme Kupferhortung, die in den meisten Fällen als Sicherheit für frische Kreditaufnahmen bei heimischen Banken hinterlegt wurde. Zudem sind die Überkapazitäten in der Kupferindustrie enorm hoch. Um diese Bestände auf ein gerüttetes Maß zu stutzen, würde es wahrscheinlich nicht Monate, sondern gar ein bis zwei Jahre brauchen – und dies bei einer konstant hohen Nachfrage, die jetzt schon nicht mehr gegeben ist.

Seit Jahresbeginn hat sich der Kupferpreis um etwa 10% verbilligt. Aktuell wird eine Tonne Kupfer zu durchschnittlich $7.185 gehandelt. Rohstoffanalysten beklagen, dass viele Minenkonzerne wieder einmal zu prozyklisch investiert und geplant hätten. Denn das stark wachsende Kupferangebot könne auch im kommenden Jahr bei einer tendenziell weiter sinkenden Nachfrage nur dazu führen, den Preis unter Druck zu setzen. Einer ganzen Reihe von Analysten gefällt die Entwicklung des Kupferpreises schon deshalb nicht, weil das rote Metall als globaler Konjunkturindikator wahrgenommen wird.

Als Hoffnungsschimmer erwiesen sich neue Daten, die zeigten, dass Chinas raffinierte Kupferimporte im Monat September um 32% – und damit auf ein 19-Monats-Hoch – kletterten. Beobachter hoffen darauf, dass diese Entwicklung in den nächsten Monaten anhält, da China etwas mehr als 40% der gesamten Kupferweltnachfrage allein auf sich vereint. Es ist leicht ersichtlich, dass die Kupfermärkte eine echte Grippe bekommen würden, falls China husten würde. Doch noch ist es nicht soweit. In den nächsten Monaten wird sich zeigen müssen, welcher Trend die Oberhand gewinnt.