Nun, auch an der Wall Street scheint man auf den Hund gekommen zu sein, dass den offiziell aus Chinas verlautbarten Konjunkturdaten kaum über den Weg zu trauen ist. Wahrscheinlich wird man dies schon seit längerer Zeit wissen, doch ob Aussagen dieser Art auch etwas damit zu tun haben könnten, dass China die Vereinigten Staaten zuletzt als größte Wirtschaftsnation der Welt abgelöst hat? Wer weiß. Wie dem auch sei, schon seit längerer Zeit wiesen wir auf dieses brisante Thema hin. Mit Goldman-CEO Lloyd Blankfein outete sich jetzt jemand, der seinen Glauben ebenfalls verloren zu haben scheint. Dabei müsste seine Institution nach den Abläufen in Griechenland & Co. doch eigentlich wissen, wie man Bücher auf eine Weise frisiert, um sie nach Außen hin besser aussehen zu lassen...
Er sei sich nicht sicher, ob man den offiziell aus China verlautbarten Konjunkturdaten trauen könne, wie sich Blankfein auf einer jüngst abgehaltenen Konferenz in New York ausdrückte. Ob Chinas Behörden die offiziell verlautbarten Konjunkturdaten frisierten könne er zwar nicht mit Gewissheit sagen, doch die Art und Weise, wie diese Aussage auf einer vor Kurzem abgehaltenen Konferenz in NYC getätigt wurde, hinterlässt einen schalen Beigeschmack.
Laut Blankfein stünde in Zweifel, ob Chinas Behörden die Daten auf dieselbe ordentliche und metrisch-orientierte Weise sammelten wie dies in den USA der Fall sei. Ha, ha, man hat gewiss selten so gut gelacht. Wer berücksichtigt, auf welche Weise allein die Statistiken zu den monatlich durch das BLS publizierten Arbeitsmarktdaten geschönt werden – um es gelinde auszudrücken – kann sich ein Schmunzeln an dieser Stelle gewiss nicht verkneifen.
Doch in den USA ist man natürlich in allem, was man macht, besser als der Rest der Welt. Gerne sucht und findet man den Dorn im Auge des anderen, in der Gewissheit, selbst alles richtig zu machen. Selbstkritik ist nicht gerade eine Stärke, die man in den USA in diesen Zeiten an den Tag legt. Eher herrscht die Meinung vor, dass alles, was der eigenen Regierung erlaubt ist, für den Rest der Welt noch lange nicht zu gelten hat.
Es gibt also auf der politischen Bühne eine Art selbst ernannten besseren Gleichen unter Gleichen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Washington den USA das Etikett einer „unentbehrlichen Nation“ auf Erden aufgeklebt hat. Ohne Zweifel wäre es einer großen Anzahl von Ländern gewiss lieber, wenn Washington sich in Sachen Geo- und Außenpolitik stärker zurücknehmen würde anstatt einen dauerhaften Beitrag zum Ausufern von Konflikten und Chaos in der Welt zu leisten.   
Und so bedient man sich in vielen Dingen noch krasserer Methoden als die so oft kritisierten Schurkenstaaten – wie unter anderem der jüngste CIA-Folterbericht zeigt –, glaubt dann aber fest daran, ein Gott gegebenes Recht drauf zu besitzen, sich als „Micky Maus Demokratie“ für Menschenrechte und so genannte Freiheit in der Welt stark zu machen, indem man alle anderen maßregelt und sich hinter seinen eigens begangenen Sünden versteckt.
Dass hinter diesem Slogan in vielen Fällen knallharte Wirtschafts- und Rohstoffinteressen in Übersee stehen, beginnen spätestens nach den Ereignissen in der Ukraine glücklicherweise immer mehr Menschen zu verstehen.
Ebenso heuchlerisch verhält es sich mit einem Goldman-CEO Lloyd Blankfein. Ist bei Goldman bis dato eigentlich irgendwer dafür strafrechtlich belangt worden, Griechenland vor dem Euro-Eintritt aktiv dabei geholfen zu haben, die Bücher des Landes auf eine Weise zu frisieren, um diesen Beitritt überhaupt zu ermöglichen? Wer hat sich hier zu verantworten? Die Antwort lautet schlichtweg: niemand! Und so ist natürlich leicht, China für seine Sünden anzuprangern, anstatt endlich damit zu beginnen, die eigens an den Tag gelegten Methoden zu hinterfragen.
Doch eines muss man Blankfein lassen. Allzu viel Neid aufgrund der Tatsache, dass China die USA als größte Wirtschaftsnation überholt hat, scheint in seinen Worten nicht mit zu schwingen. Zwar zog sich Goldman im letzten Jahr aus einem achtjährigen Investment in Chinas größtem Kreditgeber zurück. Dies ändere laut Blankfein jedoch nichts an seiner persönlichen Einstellung, nach der China die USA zurecht als größte Wirtschaftsnation abgelöst habe.
Zudem seien Chinas langfristige Perspektiven hervorragend, so dass China das 21. Jahrhundert auf eine Weise für sich proklamieren könnte, wie dies in Bezug auf die USA im 20. Jahrhundert der Fall gewesen sei. Nun, Aussagen dieser Art ließen sich seitens Investoren wie Jim Rogers bereits in den vergangenen Jahren vernehmen. Dass die Maus wohl keinen Faden abbeißt, wenn es um ein Frisieren der chinesischen Wirtschaftdaten geht, scheint dieser Sichtweise wohl keinen Abbruch zu tun.
Wiederholt hatten wir die Leser in den vergangenen Jahren auf diese Thematik hingewiesen, insbesondere dann, wenn sich die Dinge um Chinas ökonomische Daten zur Berechnung des BIPs, der Exportausfuhren oder des internationalen Handels drehten. Im letzten Jahr räumte der Chef des Nationalen Statistikamts öffentlich ein, dass seine Behörde nun über eine bessere Kontrolle in Bezug auf die eingehenden Wirtschaftsdaten verfüge.
Dies sei der Einführung eines neuen Berichtssystems zu verdanken, auf dessen Basis es Offiziellen der Lokal- und Provinzregierungen erschwert worden sei, die eingehenden Daten zu manipulieren. Nun, wenn man sich die in den letzten Monaten aus China eingehenden Daten einmal etwas genauer anschaut, so bleiben trotz allem auch weiterhin Zweifel, ob dieses neue Berichtssystem wirklich einen enormen Beitrag leistet, um den vorherrschenden Abläufen Einhalt zu gebieten.
Letztendlich ist es doch fast überall auf der Welt das gleiche: jeder versucht sich nach außen besser darzustellen als er letztendlich ist. Während selbst die äußere Schale schon vieles von ihrem einstigen Glanz verloren hat, verrottet der innere Kern. Dank Währungskriegen, gefakten Statistiken und Zentralbanken von hinten bis vorne manipulierten Märkten. Auch und vor allem in den USA ist dies keineswegs anders. Es gibt dort also keinerlei Grund, mit dem Finger auf andere zu zeigen...! Völlig egal, um welchen Bereich es sich handelt.