Es muss einen mächtigen Rumms über den Wolken gegeben haben, als die Götter am Wochenende die „Sunday Times“ gelesen haben. Lloyd Blankfein ist gerade auf Charming-Tour durch die Welt und gibt Interviews, wie neulich am Wochenende. Er verteidigt die durchschnittlichen Gehälter, die im Hause Goldman Sachs gezahlt werden – 700.000 Dollar pro Angestellten. Und ganz nebenbei tritt er von einem Fettnapf in einen anderen...

Im Jahr 2009 läuft die Party an den Märkten wieder. Gebrüder Lehman und der Bär aus dem Hause Stearns sind vergessen. Die Banken erholen sich mit dem Geld der Steuerzahler, das als Anreiz für Wachstum in die Realwirtschaft gefeuert wird. Mit frischem Geld bewegen die „Investoren“ mit ihrem unglaublichen Anlagenotstand wieder Billionen, während Millionen als Bonus in ihren Taschen verschwinden. Zugleich garantieren wir selbst für unsere Einlagen und die derer, die auf Partydroge sind. Man muss sich keine Sorgen machen und kann am Wochenende gemütlich die Zeitung lesen – unter anderem ein Interview in der „Times“ (Quelle)

"Wir helfen Unternehmen, die wachsen wollen, bei der Aufnahme von Kapital. Wachsende Unternehmen wiederum schaffen Wohlstand. Wir dienen also einem sozialen Zweck", sagte Blankfein und fügte hinzu. "Ich bin bloß ein Banker, der Gottes Arbeit verrichtet."

Wie viel Zynismus verträgt ein Mensch? Nicht dass ich es wüsste. Solange er satt ist und seine täglichen Urbedürfnisse befriedigen kann, unendlich viel, möchte man meinen. Die Kommentare auf das Interview sind beißend. Im Himmel werden die Götter zusammengezuckt sein – aus Angst vor Goldman Sachs. Vielleicht gibt es auch besprachen mit dem Vatikan. Benedetto wird sicherlich in die Basilika gestolpert sein, um für das Seelenheil dieses Mannes gebetet haben. Oder hatten sie zuvor telefoniert?

Blankfein for Papst

In der Tat. Blankfein ist einer der mächtigste Banker der Welt, neben seinen Kollegen aus der FED und den Kumpels in der Regierung. Man kennt sich. Man hilft sich. Was hat Goldmann Sachs so mächtig gemacht? Ganz einfach, schrieb Matt Taibbi im Frühjahr in einem Artikel für das Magazin „Rolling Stones“.

„Das allererste, was man über Goldman Sachs wissen muss, ist, dass sie überall sind. Die mächtigste Investment Bank der Welt ist eine große Vampir-Krake, die sich über das Antlitz der Menschheit gestülpt hat und ihren Saugmund unablässig überall dorthin steckt, wo es nach Geld riecht.“

„Wenn man sagt, dass sich Amerika gerade im Abfluss dreht, dann hat Goldman Sachs einen Weg gefunden, dieser Abfluss zu sein.“

Göttlich ist seine Arbeit nun wirklich nicht. Keine Bank verschenkt Kredite. Nirgendwo. Aber sie leihen sich heute Geld, das kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Dafür sorgen die Freunde in den Zentralbanken. Mit dem Akt der Geldschöpfung vergeben Banken ein Vielfaches dieses Geldes wieder an Kreditnehmer, die damit Investitionen tätigen – ob erfolgreich oder nicht. In einem gesättigten Markt mit übergroßen Kapazitätsüberhängen in den etablierten Wirtschaften bedarf es schon eines einiger Anstrengungen und Tricks, um die Blasenmaschinen am Laufen zu halten. Doch es geht um mehr. Es geht um Macht. Wie das funktioniert, ist im Artikel von Matt Taibbi nachlesbar. Man sollte ich etwas Zeit dafür nehmen. (Klick)

Kleines aktuelles Beispiel: Goldman Sachs steht in den letzten Tagen als Teil eines Konsortiums in der Presse, das das deutsche Stromnetz für Peanuts übernehmen will. (Quelle) Sicherlich für einen guten Zweck. Ich bin gespannt, wo sich der Einlass des Abflussrohrs demnächst auftut, wenn für den Bezug von Strom eine Gebühr fällig wird. Wieso diese Klimahysterie? Wegen der Eisbären am Pol oder den möglichen Gewinnen aus einer neuen Blase? Wann verkaufen wir unser Straßennetz?

Bereinigung vertragt

Jetzt, wo die Krise offiziell abgesagt wurde und sich Wirtschaftsdaten mit Pluszeichen einkleiden, fragt man sich, wie viele Billionen beim nächsten Problem locker gemacht werden müssen. Billiarden? Die Krise ist vertragt, mit Wiedervorlage in Monaten oder Jahren. Und Banken wissen, wie es funktioniert. Dieses Mal musste man nur an die Steuertöpfe heran und war überaus erfolgreich. In einer Phase der Entspannung und dem ach so optimistischen Gefühl, Gottes Arbeit zu erledigen, entfährt einem schon mal so ein Satz, möchte man meinen.

Dabei wurde das Problem nur verschoben, auch wenn keiner sagen kann für wie lange das ohnehin fragile und in die Jahre gekommene Geldsystem aus Kredit und Vertrauen halten wird. Zins uns Zinseszins werden den Rest erledigen, so wie früher in den anderen Jahrhunderten. Die Zeche werden die kleinen Arbeiter im Weinberg des Herrn zahlen – so wie immer. Herr Blankfein wird meine Seite nicht lesen. Vielleicht schickt ihm ja jemand diesen Rat - obwohl, der gilt ja nicht für ihn.

1. ...Du sollt keine anderen Götter haben neben mir
2. Du sollst den Namen des Herrn ... nicht missbrauchen
3. Du sollst den Feiertag heiligen
4. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren
5. Du sollst nicht töten.
6. Du sollst nicht ehebrechen.
7. Du sollst nicht stehlen
8. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden ...
9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib.

In Laufe der Geschichte haben sich viele für göttlich gehalten. Wir wissen, was mit ihnen geschehen ist. Als sie den Bogen überspannten, wurden die da oben wach und schicken den Rest da unten los. Dann wird es vielleicht angesichts des 20. Jahrestages des Mauerfalls heißen: „Wir lieben Euch doch alle“.

Nichts ist unendlich – auch nicht die Position mitten in einem Abflussrohr.

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