Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1245 (07.58 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1215 im europäischen Handel markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 102.26. In der Folge notiert EUR-JPY bei 115.028. EUR-CHF oszilliert bei 1.0947.

Wir haben an dieser Stelle mehrfach darauf verwiesen, dass potentielle Zinserhöhungen in den USA nicht Ausdruck einer endogenen Konjunkturstärke sein werden, sondern Ausdruck des negativ belegten Phänomens der Stagflation.

Wir sind positiv erstaunt, dass der „Maestro“ der Zentralbankhistorie von gestern, Alan Greenspan, genau dieses Thema aufgenommen hat. Er sagte bezüglich der wirtschaftlichen Lage der USA: “It is the worst economic and political environment that I’ve ever been remotely related to. … The U.S. is headed toward stagflation. … Politically, I haven’t a clue how this comes out. …We’re not in a stable equilibrium. … I hope we can all find a way out because this is too great a country to be undermined, by how should I say it, crazies.”

Nachdem wir mit der Thematik Stagflationsrisiko in den USA erfolgreich medial ignoriert wurden, sind wir gespannt, ob dieses Schicksal auch Alan Greenspan in den deutschen Mainstreammedien widerfährt?

Fakt ist, dass man später nicht behaupten kann, dass es keine Warnungen bezüglich dieses Risikos gegeben hat. Zu diesem Thema einer von den USA ausgehenden Zinswende passen die letzten Einlassungen seitens der BIZ.
Sie so genannte Zentralbank der Zentralbanken, die BIZ in Basel, warnte Zentralbanken davor, die laxe Geldpolitik nicht zu überdehnen. Diese Mahnung der BIZ kommt im Fahrwasser diverser Äußerungen seitens Vertretern des IWF, die ebenfalls mahnten, dass die westliche Zentralbankpolitik an ihren Grenznutzen stoße.

Fazit: Die US-Zentralbank kommt unter Handlungsdruck. Dabei spielt zunehmender Inflationsdruck bei schwacher oder rezessiver Konjunkturlage den Hauptkatalysator (= Stagflation). Obwohl Stagflation grundsätzlich nach Lehrbuch als strukturell negatives Merkmal einer Volkswirtschaft interpretiert wird, wird der Versuch aller Voraussicht gemacht, die US-Zinserhöhungen in einer Welt der Fokussierung auf Nominalzinsen als Attraktion zu vermarkten, da die USA von latenter Kapitalzufuhr abhängig sind. In wie weit das dauerhaft tragen wird, ist mehr als fraglich (normative Kraft des Faktischen).

Ausgehend von den USA steht auch in anderen westlichen Wirtschaftsregionen eine sukzessive Neuausrichtung der Zentralbankpolitik an. Anders sind die präparierenden Einlassungen der BIZ und des IWF nicht zu interpretieren. Dabei werden aller Voraussicht nach das UK (Brexit) und Japan eher Nachzügler sein. Die ersten ernsten Warnsignale sind geliefert worden!

Aus der Eurozone erreichten uns divergierende Konjunktursignale:

Die Industrieproduktion enttäuschte per Juli mit einem Rückgang im Monatsvergleich um 1,1% nach zuvor +0,8% (revidiert von +0,6%). Die Prognose lag bei -0,9%. Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um 0,5% (Prognose -0,7%) nach zuvor +0,7% (revidiert von 0,4%).

An dem Chart wird eine Ermüdungstendenz im Jahresverlauf 2016 deutlich. So etwas bezeichnet man als Warnsignal.

Andererseits gibt es in der Schlüsselbranche Automobile viel Freude: Per Berichtsmonat August stieg der Kfz-Absatz in der EU um 10% auf 819.000 Fahrzeuge. Italien mit +20,1% und Spanien mit 14,6% führen die Statistik an. Im Zeitraum Januar bis August 2016 stellte sich der Anstieg auf 8,1%.

Insgesamt liefert der verfügbare Datenpotpourri nach wie vor per 2016 einen belastbaren Hintergrund, der ein BIP-Wachstum von 1,6% - 1,8% als realistisch erscheinen lässt.

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.0950 - 1.0970 dreht den Bias.

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