Griechenland erscheint nur weniger als ein Jahr nach dem dritten EU-Bailout im vergangenen Sommer schon wieder auf der Bildfläche. Natürlich hat sich an den in Griechenland zugrunde liegenden Problemen seitdem nichts geändert – im Gegenteil, das Geld wird schon wieder knapp. Und so beraten Europas Finanzminister einmal mehr über die Frage, wie mit der sich forcierenden Schuldenkrise in Griechenland in den nächsten Monaten umzugehen sein wird. Echte Lösungen liegen indes in weiter Ferne.

Wirtschaftlich total am Boden, ächzt das südöstliche Peripherieland der Europäischen Union nach dem Schließen der Balkanroute nun auch noch unter Zehntausenden von Migranten, die unter teils desaströsen Verhältnissen in diversen Aufnahmelagern aushalten, um auf ihre Weiterreise zu warten. Kein Wunder, dass der griechische Tourismus zuletzt stark einbrach. Denn welcher Urlauber möchte in den kostbarsten Wochen des Jahres Zeuge von an den Stränden des Landes anlandenden Bootsflüchtlingen werden?

Die einst auf EU-Ebene gepriesenen Pläne zur finanziellen Stabilisierung Griechenlands sind im Zuge der aktuellen Ereignisse in den Hintergrund gerückt. Von EU-Flüchtlingsgipfel zu EU-Flüchtlingsgipfel eilend, mangelte es den Finanzministern der Eurozone schlichtweg an Zeit, um eine Überprüfung der Pläne Athens zur Wiederbelebung der heimischen Wirtschaft durchzuführen. Hinzu gesellt sich die Tatsache, dass der Disput unter den Notkreditgebern der Griechen wieder offen ausgebrochen ist.

Primärer Grund ist die abermals emporkommende Debatte, wie hoch die staatlich-öffentlichen Ausgabekürzungen der Athener Regierung ausfallen sollen, um eine Umsetzung der höchst ambitionierten Pläne nicht zu gefährden. Es ist vor allem der angeschlagene Bankensektor des Landes, der sich einmal mehr im Zentrum der Aufmerksamkeit befindet. Weiterhin herrscht die fatale Ansicht vor, dass eine dringend notwendige Revitalisierung des Bankensystems Schlüsselelement für eine Wiederbelebung der griechischen Wirtschaft sei.

Und so zeigt sich der ehemalige Finanzminister Gikas Hardouvelis wenig optimistisch, darauf hinweisend, dass die Situation heute noch gefährlicher sei als im Sommer des vergangenen Jahres. Damals erweckte es temporär den Eindruck, als würde ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone kurz bevorstehen. Bis sich Washington in Gestalt von Barack Obama in die Zwistigkeiten auf dem Kontinent direkt einmischte, um die am Tisch sitzenden Parteien zur Räson aufzurufen.

Die zusätzlichen Austeritätsauflagen, welche der dritte Bailout zugunsten Griechenlands mit sich brachte, bricht sich nun seit Wochen in Form von landesweiten Arbeitsniederlegungen und einem erneuten Ausbruch von Gewalt auf den Straßen des Landes Bahn. Die nun durch Athen durchzuführenden „Reformen“ erweisen sich als weiterer Hammerschlag auf die Köpfe von Rentnern, Pensionären und den Bediensteten des Landes. Selbst die Syriza-Regierung hatte wiederholt öffentlich erklärt, nicht an die auferlegten „Reformbemühungen“ zu glauben.

Auf diese Weise wird es immer schwieriger, überhaupt noch irgendeinen Fortschritt zu erzielen. Das Treffen der Euro-Finanzminister steht unter keinem guten Stern. Denn nach wie vor ist Griechenlands offizielle Arbeitslosenquote von knapp 25% die höchste in ganz Europa. Die Jugendarbeitslosigkeit verharrt nur knapp unterhalb der Marke von 50%. Die durch den griechischen Unternehmenssektor ausgestoßenen Drohungen erweisen sich im Rückspiegel der Ereignisse betrachtet nicht als Luftschloss. 

Denn immer mehr Unternehmen haben ihre Aktivitäten in den vergangenen Monaten nach Bulgarien, Rumänien, Albanien und Zypern verlagert. Primärer Grund ist eine Besteuerung, welche die meisten Unternehmensführer als ungerecht und viel zu hoch erachten. Zum undenkbar schlechtesten Zeitpunkt gesellt sich die Tatsache, dass die Urlaubsbuchungen auf den ägäischen Inseln im Zuge der Migrationswelle stark eingebrochen sind. Wen verwundert es im Angesicht dieser Ereignisse, dass Griechenlands hoch überschuldete Wirtschaft wieder offiziell in die Rezession abgedriftet ist?!

Machen Sie sich bewusst, dass Griechenland nach drei Bailout-Zusagen durch die Brüsseler EU, dem Verpulvern von Hunderten von Milliarden Euros und dem größten Schuldenschnitt in der Geschichte des Landes noch immer – wie zu erwarten stand – am Tropf hängt. Nicht nur, dass das Land abermals in die Rezession abgedriftet ist, verlassen Unternehmen nun in Scharen das Land, während der Tourismus aufgrund der Migrationswellen aus dem Nahen und Mittleren Osten einbricht.

Welche Zukunftsperspektive hat Griechenland eigentlich? Darum geht es schon lange nicht mehr. Es geht einzig und allein darum, den heillos bankrotten Zombiebankensektor des Landes weiter aufrecht zu erhalten und Griechenland in der Eurozone zu halten – koste es, was es wolle. Selbst namhafte Geschäftsleute und Bankiers von Geschäftsbanken geben offen zu, dass die Wirtschaft Griechenlands sich im Stadium einer Desintegration befinde. Aus diesem Grund werde die Einführung einer Parallelwährung zum Euro abermals ganz offen diskutiert.

Zudem hängt der Austritt Griechenlands aus der Eurozone (Grexit) nach wie vor wie ein Damoklesschwert über der stark angeschlagenen Wirtschaft. In diesem Zuge sind die Zinsen im Regierungsbondsektor in den letzten Wochen und Monaten wieder merklich geklettert. Umso länger der „Reformaufschub“ anhält, desto schwieriger werden sich weitere Kürzungen im Pensionssektor des Landes umsetzen lassen. Zumal die Linksregierung in Athen nicht hinter diesen „Reformen“ steht.

Ohne einen zusätzlichen Schuldenschnitt, der Europas Steuerzahler an den Verlusthaken hängen würde, und noch tiefere Einschnitte in das Pensionssystem wird die Athener Regierung wohl nicht dazu in der Lage sein, ihren Finanzverpflichtungen nachzukommen. Zum selben Zeitpunkt könnten die „Problemlösungsvorschläge“ zwischen dem IWF und den Euroländern nicht weiter auseinanderliegen. Es bleibt eine Frage der Zeit, wann dieser Druck im Kessel eine Explosion freisetzen wird.