Am 25.05. habe ich mich zu den Unruhen in Mazedonien und die mögliche Rolle der UCK Ushtria Çlirimtare e Kosovës) , Befreiungsarmee des Kosovo und deren Verbindungen zum amerikanischen Geheimdienst CIA geäußert.

Nun bin ich gestern über die bulgarische Grenze nach Griechenland gefahren, um dort einige Eindrücke zur Zeit der Kapitalverkehrskontrollen zu gewinnen. Bevor ich diese Eindrücke in einem Folgebeitrag beschreibe, möchte ich mich heute mit der politischen Lage in Griechenland, Bulgarien und Mazedonien beschäftigen.

Griechische Misswirtschaft ist eine „Alte Bekannte“

Die  griechischen Führungsfiguren betreiben nicht erst seit ein paar Wochen und Monaten Misswirtschaft zum Schaden des Landes und zum eigenen persönlichen Vorteil, sondern schon seit Jahrzehnten. Wenn man genau hinsieht, dann gab es in Griechenland seit seiner Staatsgründung im Jahre 1828 kein funktionierendes Allgemeinwesen. Dazu empfehle ich meinen Beitrag hier auf cashkurs.com vom 08.05.2015 „Gauck’s Fußschmerzen trüben das Bewusstsein“.

Misswirtschaft, Korruption, Überschuldungen, Staatspleiten, überbordender Staatsapparat in Griechenland – das ist alles nichts Neues. Hätte man die wechselnden griechischen Regierungen der letzten Jahrzehnte an ihren Taten und nicht an ihren Worten gemessen, wäre das Land kein EU – geschweige denn Euro-Mitglied.

Spätestens 2011 hätte Griechenland mit der PASOK-Regierung unter Papandreou aus dem Euro aussteigen müssen.

Das ist aber graue Theorie. Denn Fakt ist, dass Griechenland, trotz aller bekannten Unzulänglichkeiten noch immer zu dem „elitären“ EURO-Club gehört.

Bekannte Probleme in Griechenland von den „Partnern“ seit Jahrzehnten ignoriert

Da haben unsere EU-Politiker und sonstigen Staatsführer, nicht nur in Europa,  sowohl in der ferneren als auch jüngeren Vergangenheit absichtlich und großzügig über ungelöste und vor sich hin gärende Probleme hinweg gesehen. 

Nicht zuletzt deshalb ist Griechenland Mitglied der EU und sogar Mitglied des künstlichen Währungsgebildes „Euro“.

Warum bewegt sich ein Land mit solch eklatanten, lange bestehenden Schwierigkeiten innerhalb dieser erlauchten Kreise?

Sicher gibt es dafür eine Vielzahl von Gründen. Nicht unterschätzt werden darf dabei Griechenlands Funktion als US-Flugzeugträger im Mittelmeer.

Jetzt gewinnen die griechischen Unzulänglichkeiten an Gewicht

Seit die SYRIZA am 25. Januar ins Amt gewählt wurde, hat sich das Blatt gewendet. Die vielen, seit Jahren aufgestauten Probleme werden von Vertretern des Westens klar benannt. Plötzlich sind alle Unzulänglichkeiten von schwerem Gewicht. Dieselben Probleme, die von PASOK und Nea Dimokratia während ihrer Regierungszeiten nicht gelöst wurden, wiegen seit dem 25. Januar offensichtlich wesentlich mehr als vorher. Tsipras und sein Finanzminister, der Spieltheoretiker Varoufakis haben viel zum Missmut durch ihre offensichtlich sprunghafte und provozierende Verhandlungsweise beigetragen.

Der Kreis schließt sich

Hier schließt sich der Kreis zu meinen o.g. Ausführungen zu den Unruhen in Mazedonien.

Russland sagte schon im Dezember 2014, Gaslieferungen durch die Ukraine nach Europa würden ab 2019 komplett durch Turkish Stream ersetzt. Unsere weitsichtigen und besonnenen Vertreter in Brüssel dachten, sie könnten die Lieferungen durch die Ukraine ohne Russland substituieren. Fleißig eingeredet haben ihnen das unsere starken Freunde jenseits des Atlantiks. Nachdem man nun offensichtlich einsehen musste, dass russische Gaslieferungen noch viele Jahre nicht ersetzt werden können, will die EU, gemeinsam mit den USA  zumindest verhindern, dass Turkish Stream durch Griechenland, Mazedonien und Serbien verläuft. Wenn schon, dann will man die Pipeline durch Bulgarien und Rumänien führen (nur ein kurzes Stück durch Griechenland).

Es ist bisher nicht sicher, ob die vielgepriesene Gasversorgung aus Aserbeidschan überhaupt ausreichen würde. Es sollen nur 10 bis 20 Milliarden Kubikmeter sein, die jährlich aus Aserbeidschan geliefert werden können.

Für Europa stellt sich also die Frage kommt das Gas über Bulgarien und Rumänien oder über Mazedonien und Serbien?

Warum durch Bulgarien und nicht durch Mazedonien?

Der Politologe und Journalist Andrew Korybko ist der Ansicht, dass falls die Pipeline durch Bulgarien und Rumänien verliefe, sie das Territorium zweier verlässlicher Mitglieder von EU und NATO beanspruchen würde.  Als zusätzliche Absicherung beabsichtigen die USA die Verlagerung von schweren Waffen und Ausrüstung für 750 Mann in beide Länder. Das stärkt den schon lange im Aufbau begriffenen Schwarzmeerblock der NATO.  Wenn es den USA gelänge, Russland zu zwingen, sich dem Ostring (Bulgarien und Rumänien als Transitländer) als einzig realistischer südosteuropäischer Variante, Gas nach Europa zu bringen, zu beugen, dann wäre Moskau in einer erbärmlichen strategischen Position.

Ist das nicht Grund genug für die USA und ihre europäischen Vasallen die Pipeline durch Mazedonien und Serbien mit allen Mitteln zu verhindern?

Russlands Interessen

Auch für die Russen hat die Strecke der Pipelines somit geostrategisches Gewicht. Die Verbindung über Griechenland, Mazedonien und Serbien ist die russische multipolare Gegenoffensive  zum Ostring. Moskau plant, die Route über Griechenland, Mazedonien und Serbien (Balkan Stream) als Anreiz für die BRICS-Staaten  zu nutzen, auf dem Balkan zu investieren und die chinesische Balkan-Seidenstrasse von Griechenland nach Ungarn zu ergänzen.

In diesem Licht  betrachtet, dürften die Unruhen in Mazedonien vom 08. Mai dieses Jahres kein Zufall gewesen sein. Vor allem, wenn man die Bindungen zwischen albanischer UCK und dem amerikanischen CIA dabei berücksichtigt. Möglicherweise wird  die Republik Mazedonien ins Visier genommen, da sie das Nadelöhr des Balkan Stream darstellt.  Andrew Korybko dazu: „Russland setzt auf die Strecke durch den Zentralbalkan, weil es weiß, dass Serbien und Mazedonien, die beide keine NATO- oder EU-Mitglieder sind, nicht so direkt von der unipolaren Welt dominiert werden können, wie die bulgarischen und rumänischen US-Satelliten, und es sieht auch Griechenland als ‘Joker’, das kurz davor steht, die Gunst seiner westlichen Herren zu verlieren. Diese Faktoren wiederum machen die Balkan Stream Strecke extrem attraktiv für die russischen Geostrategen, die zutreffend erkennen, dass die drei Staaten entlang dieser Strecke (Griechenland, Mazedonien und Serbien) die Achillesferse der Unipolarität in Westeurasien darstellen, die, wenn man ihr den richtigen Schubs gibt, zum möglichen Zusammenbruch der ganzen Struktur führen kann.“

Washington braucht die Kontrolle

Nachdem Brüssel und auch die USA einsehen mussten, dass weiterhin russisches Gas nach Europa fließen muss, wollen sie mit allen Mitteln den Transport über den Ostring zu erzwingen. Washington kann nur damit weiterhin den Fluss russischen Gases nach Europa kontrollieren.

Im anderen Fall würde Serbien unter Russlands Obhut erstarken. Im Ergebnis würde der Balkan eine Gelegenheit für eine gemeinsame Entwicklung mit den BRICS erhalten. Der russische Balkan Stream würde ihnen sichere Energieversorgung gewährleisten, während die chinesische Balkan-Seidenstraße ihnen den Zugang zu dem größeren Weltmarkt garantieren würde. Wenn Europa den Balkan-Staaten nicht länger wirtschaftlich verlockend erscheint, „dann werden die BRICS zum alternativen Modell, das diese Region nutzen würde, um einen multipolaren Brückenkopf bis tief ins Herz des Kontinents zu errichten, ehe irgend jemand bemerkt, was geschieht.“(Korybko)

Rolle Griechenlands

Somit werden auch die Ziele für Griechenland deutlich: Griechenland muss in der EU und möglichst auch im EURO gehalten werden. Nur eben nicht mit der jetzigen Regierung.

Denn diese ist  kein verlässliches geopolitisches Werkzeug für die westlichen Interessen. Eine Leitung aus  Aserbeidschan durch Griechenland wäre in Ordnung. Eine russische keinesfalls.  

Deshalb muss Griechenland zurück, zurück unter die Kontrolle des Westens, sonst könnte der russische Einfluss auf dem gesamten Balkan zu mächtig werden.

Unser Hegemon will keinen Schritt weichen. Nur, was nach seiner Facon läuft ist richtig und akzeptabel. „Multipolarität“ ist ihm ein Grauen, denn der Hegemon möchte Welthegemon sein.

Beginn von Stellvertreterkriegen auf dem Balkan?

Somit sind wir derzeit Zeugen einerseits einer Schlacht um Griechenland (was sich derzeit noch auf den Austausch der Staatsführer beschränkt; Bürgerkrieg nicht ausgeschlossen) und diverser im Entstehen begriffener Stellvertreterkriege auf dem Balkan, wofür die Unruhen in Mazedonien nur der Anfang gewesen sein dürften. Wir sind Zeugen des Entstehens eines neuen Brennpunktes in Europa. Griechenland kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Deshalb soll Tsipras weg. Wenn es sein muss mit einem Putsch. Griechen passt auf, dass sich in Athen kein zweiter Maidan abspielt.

Nutzen für Europa?

Was hat Europa davon? Warum betreibt es nicht einfach sauberen und zuverlässigen Energiehandel mit Russland. Europa braucht die Energie, Russland die Devisen. Wo ist das Problem könnte man fragen. Dieses liegt ganz offensichtlich in den geostrategisch bedingten Hegemonialbestrebungen Washingtons und der Willfährigkeit zum eigenen wirtschaftlichen Schaden handelnden europäischen Vasallen.

Die Probleme Griechenlands sind alt. Aber jetzt stehen sie im Mittelpunkt eines europäischen Energiedramas. Möglicherweise war das Referendum Tsipras‘ einzige Möglichkeit politisch zu überleben. Das Referendum könnte die Karten neu mischen. Deshalb sind die westlichen Führer schlicht entsetzt („das Volk zu befragen, was für eine Unverschämtheit!“)

Die Sprunghaftigkeit der griechischen Regierung, die seit dem Gewinn der Wahlen im Januar als „linke“ Regierung massive Kapitalflucht der Reichen zugelassen hat, die sich einen Finanzminister Varoufakis leistet,  der schon Papandreou bei den Sparmaßnahmen beraten hat, der seine Ausbildungszeit und wesentliche Zeiten seiner Karriere in England, den USA und Australien  verbracht hat, sowie die australische Staatsbürgerschaft hat, dessen wahren Ziele nicht erkennbar sind, macht jedem Beobachter und Verhandlungspartner zu schaffen.