Was wären wir ohne Statistik? Arme Trottel. Darum gibt es so viel davon. Statistik taugt höchstens für Small Talks und zum Ärgern von Studenten und der Öffentlichkeit….

Auch in der DDR war Statistik beliebt. Es hieß: „Und will der Schmutz nicht weichen, dann musst du eben streichen!“. Das Prinzip bleibt auch heute Exportschlager von ermattenden Planwirtschaften. Damals war in der DDR Marx die Theorie und Murx die Praxis. Der Marx ist in Vergessenheit geraten, der Murx hat überlebt.

Die „Aktuelle Kamera“ meldet aus Euroland schon wieder große Erfolge beim Sparen, auch wenn der Schuldenberg im ersten Quartal auf 9,4 Billionen Euro gestiegen ist. Das sind 92,9 Prozent der Wirtschaftsleistung, zu der ja inzwischen auch Schmuggel, Drogenhandel und Prostitution gehören. Sonst wäre der Schuldenstand noch wesentlich höher. Die Sparanstrengungen in ihrem Lauf…. Pardon, die Schulden, halten weder Ochs noch Esel auf. Und auch nicht unser Geldsystem.

Statistik ist eine herrliche Sache und biegsam wie Politikerworte. Harry Potter unterhält viele Außenstellen zur wissenschaftlichen Aufarbeitung und Interpretation von Ungemach wie Preisinflation, Schuldenständen sowie zur Berechnung einer politisch korrekten Arbeitslosenquote. In den USA gab es jetzt so wenige Anträge auf Arbeitslosenhilfe wie seit 1979 nicht mehr. Kein Wunder! 93,6 Millionen Amerikaner stehen dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung.

Nein, Griechenland ist auch nicht pleite und der Chef der griechischen Bankenaufsicht wahrscheinlich verrückt. Er meint, griechische Geldhäuser seien absolut vertrauenswürdig. Die Leute sollen doch ihr Geld wieder dorthin bringen, und damit der Wirtschaft helfen, sagte er. Das ist so, als wenn Gifthändler ihre Produkte mit „Bio“ kennzeichnen. Er hätte den Leuten vor dem leeren Bankomat auch zurufen können: Bezahlt doch mit US-Dollar, wenn ihr keine Euros bekommt. Damit hat er natürlich Recht, statistisch gesehen…

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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