Wissen Sie was genau heute vor 80 Jahren, also am 29.10.1929, für ein Tag war? Es war Dienstag, aber nicht irgendein Dienstag. Der 29.Oktober des Jahres 1929 ist in die Geschichtsbücher als der schwarze Dienstag eingegangen, der eigentliche Beginn der Weltwirtschaftskrise, der Großen Depression.

Es gibt immer schwarze Tage, wenn es zu einer Wirtschaftskrise kommt, im Zusammenhang der Wirtschaftskrise von 1929 sind sogar mehrere schwarze Tage zu nennen. Verschaffen wir uns zuerst einmal einen Überblick.

24. Oktober 1929, Schwarzer Donnerstag

Das ist der Donnerstag, der dem genannten schwarzen Dienstag voraus ging. Zuerst nichts weiter als ein ganz normaler Handelstag an der New Yorker Börse, bis plötzlich im Laufe des Vormittags massive Verkaufswellen einsetzen, die innerhalb weniger Stunden zu regelrechten Kurseinbrüchen führten.

Allerdings erholten sich die Börsenkurse am selben Tag gegen Handelsschluss sogar wieder, nicht zuletzt weil einige Großbanken demonstrative Stützungskäufe unternahmen. Der gesamte Verlust an diesem Tag hielt sich in Grenzen, lediglich wenig mehr als zwei Prozent. Trotzdem war die Bilanz verheerend: Es wurden 12,89 Millionen Aktien an diesem Tag gehandelt, viermal soviel wie an einem normalen Tag.

25. Oktober 1929, Schwarzer Freitag

Der folgende Freitag wird al schwarzer Freitag bezeichnet, allerdings nur in Europa. Das liegt an der Zeitverschiebung. Damals war die Nachrichtenübermittlung noch nicht so schnell wie heute. Die Meldung von den turbulenten Zuständen an der Wallstreet erreichte Europa erst nach Börsenschluss.

Wichtig: Wenn in den Vereinigten Staaten vom Schwarzen Freitag gesprochen wird, dann ist in der Regel der Börsencrash am 24. September 1869 gemeint. An diesem Tag kam der Handel an der New Yorker Börse aufgrund von fehlgegangenen Goldspekulationen zum Erliegen.

Zusätzlich kennt der Amerikaner den Schwarzen Freitag noch als den Tag nach Thanksgiving. Thanksgiving ist immer der vierte Donnerstag im November, am darauf folgenden Freitag wird meistens Urlaub genommen, ein Brückentag würden wir hierzulande sagen. Er gilt traditionell als der Beginn des Weihnachtsgeschäfts und war früher der erste Tag im Jahr, an dem die Händler aus den roten Zahlen kamen und endlich schwarze in ihre Bücher schreiben konnten, so stark war und ist der Umsatz an diesem Tag – daher Schwarzer Freitag. Das hat mit der Wirtschaftskrise 1929 allerdings nichts zu tun.

26. Oktober 1929, Samstag… 27. Oktober 1929, Sonntag… 28. Oktober 1929, Montag… Am Montag war der Handel verhältnismäßig ruhig, die Ruhe vor dem Sturm sozusagen, denn richtig los ging es erst am...

29. Oktober 1929, Schwarzer Dienstag

Fünf Tage nach den ersten Kurseinbrüchen vom Schwarzen Donnerstag gibt es kein Halten mehr. Panik macht sich breit und die Anleger haben endgültig ihr Vertrauen in die Börse verloren. Sie möchten alle gleichzeitig aus Aktien raus, ohne Limit, egal zu welchem Preis.

Innerhalb kurzer Zeit werden Vermögen in Höhe des Eineinhalbfachen des jährlichen Bruttoinlandsprodukts vernichtet. Genau heute vor 90 Jahren war tatsächlich ein schwarzer Tag.

Der Schwarze Dienstag beendete die so genannten goldenen Zwanziger, ein Jahrzehnt mit deutlichen Wachstumsraten. Quasi aus dem Nichts war in den Vereinigten Staaten von Amerika nach dem ersten Weltkrieg ein landesweiter Bedarf an Gebrauchsgütern wie Automobile, Kühlschränke oder Fotoapparate entstanden.

Diese Nachfrage wurde mit einer drastischen Überproduktion gedeckt. Solange der Markt die neuen Güter aufnehmen konnte, hatte es kein Problem gegeben, die Konsequenz war ein gewaltiges Wachstum mit steigendem Einkommen und steigendem Vermögen gewesen.

Doch als Ende der 1920er die Absatzmärkte langsam gesättigt waren, verpasste man es, die Produktion anzupassen. Ein verheerender Fehler, was zu einem gewaltigen Überangebot an Güter führte. Die Wirtschaftswissenschaftler jener Zeit waren ratlos, waren sie doch bis zu diesem Zeitpunkt von der These ausgegangen, dass sich Angebot die eigene Nachfrage schafft. An Nachfrageausfälle hatte zum damaligen Zeitpunkt niemand gedacht.

Somit kam es schließlich zu deutlich fallenden Preisen, gerade in einer Phase, in der viele von einem ewigen und immer weiter anhaltenden Wirtschaftswachstum sprachen. Die Entwicklung vom Boom zur Rezession kam schnell und unerwartet. Doch das alleine machte die Situation noch nicht so drastisch wie sie schlussendlich ausgefallen ist.

Wieder einmal wurde der Absturz durch übermäßige und vor allem kreditfinanzierte Aktienspekulationen verschlimmert. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Die langen Jahre des wirtschaftlichen Aufstiegs hatten die Wirtschaftssubjekte leichtsinnig werden lassen. Es waren kurzfristige Kredite aufgenommen worden, um in den (weltweiten) Aktienmärkten spekulieren zu können. Dabei waren die Kreditnehmer sogar bereit gewesen, immense Zinszahlung zu leisten, schließlich konnte man am Aktienmarkt ja nur reich werden. Solche Geschäftsmodelle und ähnliche Argumentationen sollten Ihnen auch bekannt vorkommen.

Schließlich brachen diese kreditfinanzierten Geschäftsmodelle bei den ersten Anzeichen von deutlichen Kursrückgängen am 24.10.1929 zusammen. Um zu retten was zu retten ist, stießen Investoren ihre Aktien ab, was den Abwärtstrend zusätzlich noch verstärkte.

Der Wirtschaft das Genick gebrochen haben letzten Endes allerdings die Geschäftsbanken. Sie forderten umgehend ihre vergebenen Kredite zurück, um liquide Mittel zu horten und einer Zahlungsunfähigkeit zu umgehen. Das kehrte die gewaltigen Finanzströme des letzten Jahrzehnts um und ließ weltweit Aktienkurse und Unternehmen zusammenbrechen. Das was notwendig ist, damit die Wirtschaft funktioniert, wurde ihr entzogen: Geld. Auch hier lassen sich wieder parallelen zur heutigen Krise finden, ungeachtet der Tatsache, dass viele Experten behaupten, zwischen der jetzigen Wirtschaftskrise und der von 1929 gäbe es keine Zusammenhänge. Wenn Sie mich fragen, möchte nur niemand zugeben, dass aus den damaligen Fehlern nichts gelernt wurde.

Die Regierungen weltweit versuchten zu intervenieren und die eigene Wirtschaft zu retten. Sie schotteten sich ab, erhoben Schutzzölle und stützten die heimische Wirtschaft. Doch Protektionismus war genau die falsche Maßnahme. Der Welthandel brach regelrecht ein.

Der Rest ist bekannt. Rezession, Deflation (zumindest in den USA) und horrende Arbeitslosigkeit. Noch bis weit in die 1930er Jahre. Die Volkswirtschaften weltweit hatten unter dem Einbruch nicht nur in den eigentlichen Krisenjahren zu leiden. Es dauerte lange, bis sich eine nachhaltige Erholung einstellte und vor allem bis die Arbeitslosenquote begann zurückzugehen.