Heute (18.06.2010) ist es mal wieder so weit. An der Börse tanzen die Hexen zum großen Verfall. Dieser „große Verfall“ hat nichts mit dem dramatischen Verfall der Aktienkurse zu tun, auch wenn man das zunächst meinen könnte. Vielmehr geht es um einen wichtigen Abrechnungstermin für Wetten (Termingeschäfte).

Wenn Sie wetten, wetten Sie ja in der Regel auch auf das Eintreten eines bestimmten Ereignisses zu einem gewissen Termin. „Ich wette mit Dir, dass bis zum 31.12.2011 Elvis von Außerirdischen zurückgebracht wird,“ oder „Wetten, dass pünktlich an Heiligabend wieder mal kein Schnee liegt!?“

Ähnlich ist es bei den Wetten an der Börse. Hier wird beispielsweise auf den Daxstand zu einem gewissen Termin oder den Kurs einer Aktie zu einem anderen Termin gewettet. Damit es bei den unglaublich vielen Wetten nicht kunterbunt durcheinander geht und jeder seine Extrawurst gebraten bekommt – „Ich will aber auf Dienstag 12.13 Uhr wetten“ „Nö, ich fände Mittwoch 17.42 besser…“ – hat man diese „Wettermine“ vereinheitlicht.

So laufen die meisten dieser Termingeschäfte am 3. Freitag eines jeden Monats aus. Das sind „kleine Verfallstermine“. Viermal im Jahr –jeweils der 3.Freitag im März, Juni, September und Dezember - jedoch wird es besonders spannend. Dann ist auch noch der letzte Handelstag der Wetten auf den Dax (Daxfuture). Hier werden in der Regel besonders viele und hohe Wetten abgeschlossen. Jetzt hat natürlich jeder, der solche Wetten abgeschlossen hat ein Interesse daran, diese Wette auch zu gewinnen. Also versucht der Eine die Kurse möglichst hoch zu ziehen, der Andere hat einen Vorteil von tiefen Kursen und versucht selbige zu diesem Termin zu drücken. Daher sitzen sich die „Wetter“ in den großen Bankhäusern an diesem Tag wie Pokerspieler durch Computer verbunden gegenüber und versuchen mit allerlei Tricks und Bluffs die Kurse zum Abrechnungszeitpunkt auf das von Ihnen gewünschte Niveau zu bekommen.

Die Folge sind oft wilde Bocksprünge der Aktien und Indizes an diesem „großen Verfallstag“, an dem 3 unterschiedliche Wettsysteme auslaufen (Daxfuture, Optionen auf den Dax und Optionen auf Aktien). Für den Außenstehenden sind diese merkwürdigen Kurssprünge so irrational wie irritierend als würde er die tanzenden Hexen auf dem Blocksberg beobachten. Daher der Begriff „3-facher Hexensabbat“. Der private Anleger (und der nicht in diese Wetten involvierte Profi) halten sich an diesen Tagen am Besten raus.

Ist das Ganze sinnvoll? Ich sage: Nein. An diesem Tag zeigt sich besonders anschaulich, wie sehr die Wetten die „reale Wirtschaft“ (Aktienkurse) durcheinanderwirbeln. Davon hat letztendlich kein Unternehmen etwas. Außer natürlich die Banken und Marktteilnehmer, die richtig gewettet hatten. Spekulation und Wetten sind nicht an sich schlecht. Sie gehören seit Anbeginn zur Börse und haben auch wichtige Aufgaben. Nur der Spekulant ist bereit, fallende Aktien kurzfristig zu kaufen, wenn kein Investor sie gerade haben möchte. Die Spekulanten halten den Handel in allen Phasen am Laufen. Zu Problemen kommt es erst, wenn die Wetten die realen Geschäfte übersteigen. Und das ist heute etwa mit dem Faktor 1:10 der Fall. DAS ist das Problem. Diese Wetten müssten massiv zurückgefahren werden. Aber hier ist wie so oft die Politik gefordert.

Kleiner vereinfachter Exkurs:

Was ist ein „Future“? 

Eine Wette auf die Zukunft. Der Verkäufer verspricht dem Käufer, ihm an einem bestimmten Tag in der Zukunft eine Aktie zu einem schon heute vereinbarten Preis zu verkaufen. Steht die Aktie an diesem (Verfalls-)Termin höher als der vereinbarte Preis, macht der Käufer Gewinn. Steht die Aktie dann tiefer, gewinnt der Verkäufer.

Ein „Future“ ist eine  Wette, bei der beide Wettparteien die Wette zum Abrechnungstag einlösen MÜSSEN. Das funktioniert in der Regel über die Auszahlung des Gewinns. Also ein fester Vertrag.

Was ist eine „Option“?

Eine ähnliche Wette wie der „Future“, mit dem Unterschied, dass  der Optionskäufer zum Abrechnungstag entscheiden KANN, ob er die Aktien zum vereinbarten Preis vom Optionsverkäufer kauft oder nicht. Wenn der Aktienkurs an diesem Tag niedriger ist als der vereinbarte Preis, wird er es natürlich bleiben lassen. Für dieses „Optionsrecht“ hat er zuvor eine Gebühr („Optionspreis“) bezahlt, die dann natürlich futsch ist.

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