Der weiter kränkelnde Häusermarkt haut offenbar auch den stärksten Mann um. So ergeht es derzeit auch Terry Bollea, dem besser unter seinem Künstlernamen Hulk Hogan bekannten Sportsmann. Im über gefühlte einhundert Runden gehenden Versuch, ein Anwesen zu verkaufen, ging der Preis nun erneut auf die Bretter…

Das Anwesen in Florida wies im Jahr 2006 einen Listenpreis von $25 Millionen auf. Aufgelockert von einer Scheidung gingen die Jahre ins Land, ohne dass sich Käufer meldeten. Dann kam die erste große Welle sinkender Hauspreise und Bollea ließ das Objekt im Jahre 2009 vom Markt nehmen. Das einige Zeit später erneuerte Angebot belief sich dann auf $13,9 Millionen. Immerhin, von 25 auf 14, das ist schon ein Wort, das aber wohl ungehört verhallte. Denn seither wurde der Preis weitere vier mal nach unten angepasst und stand kürzlich bei $10,9 Millionen – still no buyers yet…

Ein Kursrückgang von deutlich mehr als 50%, das kann schon fast als Zeichen der Solidarität mit der breiten Masse der Hausbesitzer verstanden werden.

Besonders großen Trost dürften die Luxusprobleme der Stars den Amerikanern wohl nicht spenden. Der große schuldenfinanzierte Boom, der eher in der Politik und den Talkshows stattfand, hat sich zu einem ausgewachsenen Kater entwickelt. Wie sooft finden sich breite Schichten nach einer derartigen dekadenlangen Periode finanzieller Glückseligkeit als Verlierer wieder.

Reallöhne über Jahrzehnte ohne Anstieg – falls man überhaupt noch ein Einkommen hat. Die Aktienkurse inklusive Dividenden zeigen erlebten selbst nominal ein verlorenes Jahrzehnt, da fegt der aktuelle Hype nur einige Scherben zusammen. Real mag man sich die Zahlen kaum anschauen. Zudem zeigen sich überall die Löcher, die die Krise in die öffentlichen Kassen gerissen hat, und die über Schulden oder Steuern gestopft werden müssen.

Beim Immobilienbesitz ergibt sich so die bizarre Situation einer insgesamt unter Wasser liegenden Besitzergemeinde. Der Wert aller Häuser ist mittlerweile deutlich unter die Summe der aufgenommenen Häuserkredite gesunken. Das ist beachtlich, denn schließlich gibt es eine Menge Häuser die abbezahlt sind oder die gegen Cash den Besitzer wechseln.

Die Datenreihe der Fed umfasst die Daten der letzten beiden Jahre nicht, die Realität sieht folglich noch ein wenig härter aus. Die Darstellung zeigt das ohne Übertreibung historisch zu nennende Ausmaß der aktuellen Problematik. Zwei Wege können eine solche Entwicklung zumindest bremsen. Zum einen würde ein Anstieg der Immobilienpreise helfen.

Dieser ist im Hinblick auf den massiven Angebotsüberhang so rasch nicht zu erwarten. Die Preise fangen gerade an, sich wieder beschleunigt in Richtung Süden zu orientieren. Zum anderen wäre die Rückführung der Kredite positiv. Auch ein Dollar kann nur einmal ausgegeben werden, so dass jeder Greenback, der in die Tilgung fließt, nicht in der Kasse des Wal-Mart klingelt. Vor dem Hintergrund der steigenden Lebenshaltungskosten, der üblen Lage am US-Arbeitsmarkt und dem Zinsanstieg, der natürlich auch die variablen Hypotheken trifft, stehen viele US-Bürger vor schwierigen Entscheidungen.

Vorstellbar wäre eine Reduktion der Kreditsummen durch Onkel Sam. Man ist ja sowieso auf dem Weg in eine vom Grossbankenkomitee gesteuerte Planwirtschaft, was macht das noch aus. Das könnte folgendermaßen laufen: Das Schatzamt oder die Fed kaufen alle Hypothekenpapiere der Banken ab. Dabei ist der Kurs natürlich so, dass in den Geldhäusern keine nennenswerten Abschreibungen anfallen. Hat man die Schulden zentralisiert, gibt es einige Zeit vor der Wahl „den großen Wurf“, die principal reduction, die Herunterschreibung der Kreditsummen. Die Käufe „finanziert“ man über neue amerikanische Staatspapiere, die ja mangels echter Nachfrage ohnehin die Fed kauft.

Das Angebot gilt natürlich nur für amerikanische Staatsbürger. Der einzelne Kreditnehmer freut sich, die Banken sind den ganzen Kram los und die Fed bucht den ganzen Salat unter einem neuen Karteireiter ab. In der Folge lachen sich die Amerikaner schlapp, weil sie auch mit dieser Nummer davonkommen. Wie gesagt, nur eine wirre Idee, aber für wirre Ideen und aussichtslose Abenteuer ist Onkel Sam ja nicht nur geopolitisch immer zu haben. Lupenreine Marktwirtschaft wäre wohl ein Begriff, der das ganze halbwegs ordentlich beschreibt.

Alle anderen Lösungen würden viel Zeit in Anspruch nehmen, wie das mit Strukturkrisen immer der Fall ist. Das Dilemma steigender monatlicher Raten, schwieriger Jobsituation und weiter fallender Hauspreise wird immer offenkundiger. Der jüngste Bericht der Agentur Zillow weist auf die dramatische Entwicklung in den letzten Monaten des Vorjahres hin.

Die Zahl der Hausbesitzer, die einen laufenden Kredit haben, der den Wert ihres Hauses übersteigt (underwater mortgage oder auch negative equity) sprang im vierten Quartal 2010 von 23% auf 27%. Um die 50 Millionen Menschen in den Staaten haben eine Hypothek auf ihr Haus aufgenommen, der Anstieg betrifft also rund 1,5 Millionen Menschen. In einem einzigen Quartal. Dummerweise fordert auch der Anstieg der Zinsen – die Gelddruckerei lässt grüßen – ihren Tribut. Es trifft vor allem die Schuldner, die refinanzieren müssen. Dabei sind die monatlichen Kosten für die Hausbesitzer mit einer Hypothek am Bein ohnehin nicht von Pappe.

Das ganze drückt weiter auf die Preise. Folgerichtig wiesen die Immobilien mit einem Minus von 2,6% den stärksten pro Quartal gemessenen Rückgang seit Januar 2009 auf. Im Vergleich zum Vorjahr sanken die Hauspreise um 5,9%. Die Blütezeit der präsidialen Steuergeschenke war kurz und nicht von Dauer.

Dazu meint ein Herr Doktor Humphries von Zillow:

“Home value trends in the fourth quarter remained grim, but the good news is that these declines, while painful in the short-term, mean we’re getting closer to the bottom,” notes Zillow’s chief economist, Dr. Stan Humphries.

Wenn der Mann noch keinen Titel hätte, wäre dieser Scharfsinn mindestens ausreichend für die Verleihung des Friedensnobelpreises. Denn in der Tat handelt es sich um eine ebenso richtige wie aussagelose Feststellung. In unserem beliebten Bundesligabeispiel müsste es heißen: Diese Niederlage bringt uns nicht nach vorne. Sie ist ein herber Rückschlag, der uns aber näher an den letzten Tabellenplatz, den Boden, heranbringt. So kann man es natürlich auch sehen, sachlich falsch ist die Aussage nicht, der Boden ist immer zwischen dem aktuellen Preis und der Null.

Mehr als die Hälfte aller Transaktionen am US Häusermarkt ist übrigens nicht auf reale Nachfrage zurückzuführen, sondern stammt aus zwangsläufig abgewickelten Geschäften, wie etwa Zwangsvollstreckungen. Bei der aktuell niedrigen Handelsaktivität ist die Gefahr, einen eventuellen Anstieg über zu bewerten, sicherlich gering. Sollte ein derartiges Ereignis dennoch gefeiert werden, sollte der erste Blick der detaillierten Handelsstatistik gelten, um den Anteil der Zwangsvollstreckungen einzusehen.

Die anhaltend wenig erbaulichen Daten vom Immobilienmarkt in den USA untermauern eine Tendenz, die gut zum raschen Einbruch der Konsumausgaben passt, der vom Institut Gallup ermittelt wurde (siehe Aufschwung-NIX-L).

Für unseren Hünen vom Anfang des Artikels gab es im vergangenen Jahr übrigens eine kleine Erleichterung. Ein anderes Anwesen aus dem Besitz des Herrn Bollea ging für $1,65 Millionen über den Ladentisch. Der letzte Listenpreis lag bei $2,3 Millionen. Da soll noch jemand sagen, man könne drüben kein Haus mehr verkaufen, das nur vier Badezimmer hat. Es ist doch alles nur eine Frage des Preises.

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