Nicht nur in der Finanzwelt ist der Münzwurf sehr beliebt. Es wird mit Zufallsprozessen argumentiert und ausgewählte Ausschnitte der Kurshistorie werden zelebriert. Oft wird darüber gesprochen, was alles passieren mag. Genausowichtig wie das ob ist für den Anleger … jedoch meistens das wann...

Gerne wird derzeit für den Sparplan getrommelt. Während Vati und Mutti ihre Ratenkredite für die Couch bedienen, mästen die Kleinen fleißig mit den Spargroschen ihre Sparschweine (dank Bitcoin sicher bald auch als App). Die Menschen mittleren Alter, die sich nicht entscheiden können, ob sie denn auf die Innenseite des Hamsterrades oder auf die Karriereleiter starren, legen ihr Geld an. Das macht man heute gerne passiv. In einem an monetären Katastrophen von der Hyperinflation bis zum einen oder anderen Aktiencrash nicht armen Land fügen sich die Menschen bereitwillig in Ihr Schicksal. Man drückt nach den indirekten und direkten Steuern, nach der GEZ Gebühr noch seinen Obulus an die Riester-Maschine. Der Rest landet in Fonds, weil die langfristig ja nur steigen können.

Während die möglichen Kursgewinne und Dividendenströme mittlerweile in jeder Gazette ohne Tiefgang breitbetreten werden, wird manches Risiko gerne vernachlässigt. Für den regelmäßigen Sparer ist die Frage, wann es zu einem Kursrückgang kommt durchaus bedeutsam.

Die folgenden kleinen Beispiele sollen dies verdeutlichen. Einmal der Einfachheit halber angenommen, jemand habe 100.000 Euro anzulegen. Im ersten Fall lässt der Anleger sein Geld zehn Jahre angelegt herumliegen und erhählt 8% pro Jahr (Ähnlichkeiten mit der Realität sind rein zufällig). In einem Jahr kommt es zu einem Kurseinbruch von 50%. Die Grafik zeigt, in diesem Falle ist es unerheblich, ob der Verlust im ersten, letzten oder einem anderen Jahr eintritt.

Im zweiten Fall legt der Anleger ebenfalls 100.000 Euro an, zahlt aber zusätzlich zum Ende eines jeden Jahres noch einmal 10.000 Euro ein. Durch die Zinseszinseffekte ist es nun von hoher Bedeutung, wann ein Kurseinbruch eintritt. Bricht der Markt im letzten Jahr ein, verliert der Anleger mehr als 84.000 Euro, also mehr als die Summe der Einzahlungen von 8 Jahren.

So wie mancher Trader versucht, im letzten Monat eines nicht ganz so erfolgreichen Jahres noch einmal das große Los zu ziehen, so riskieren auch viele Anleger in späten Jahren Kopf und Kragen. Als Ausrede muss dann das niedrige Zinsniveau und damit die vermeintliche Alternativlosigkeit bei der Kapitalanlage herhalten. Bevor man jedoch sagt, es gebe keine Alternativen, muss man zunächst einmal klarstellen, zwischen was man sich eigentlich entscheidet.

Ein Vergleich von 0,25% auf dem Tagesgeldkonto mit der Hoffnung auf mehr am Aktienmarkt ist ohne eine Berücksichtigung der Risiken nicht sinnvoll. Das ist nach dem nicht sonderlich geglückten Jahresstart dem einen oder anderen vermutlich etwas klarer als noch vor vier Wochen.

Die oben dargestellten Grafiken zeigen, wie unterschiedlich die Auswirkungen von Verlusten in Abhängigkeit vom Eintrittszeitpunkt sind. Wer im Hinterkopf behält, dass auch der von vielen so verehrte DAX inklusive Dividenden schon einmal um 75% gefallen ist, dem sollte es beim Prinzip Hoffnung eigentlich kalt den Rücken herunterlaufen. Nur weil es nach den letzen beiden Bärenmärkten relativ zügig wieder nach oben ging, darf man daraus kein Naturgesetz ableiten.

Um mögliche Risiken abzuschätzen genügen oft kleine Gedankenspiele. Einmal angenommen, der Markt halbiert sich und kommt dann zehn Jahre nicht von der Stelle. Ein Anleger sollte sich klarmachen, wie sich das auf seine finanzielle Situation auswirken würde. Natürlich muss so ein Ereignis nicht eintreten, aber man schließt auch keine Lebensversicherung ab, weil man denkt, man würde morgen das zeitliche Segnen. Man kann es aber auch nicht ausschließen.

Das Nachdenken hat im Vergleich zur Versicherung den großen Vorteil, kostenfrei zu sein. Und wer nachdenkt, kann nicht gleichzeitig ZDF schauen. Ein geradezu unschätzbarer Mehrwert.

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