Ein neuer und massiver Schlag hat den deutschen Finanzsektor getroffen. Am 06.11.13 wurden in einer koordinierten Aktion etwa 30 Objekte der Infinus AG sowie deren Muttergesellschaft Future Business KG aA und diverser Tochtergesellschaften in der ganzen Bundesrepublik durchsucht. Dabei wurden auch sechs verantwortliche Personen in Haft genommen. Kurz darauf haben bereits am 13.11.13 zwei der wichtigsten Unternehmen der Infinus-Gruppe in Dresden, die Prosavus AG und die Future Business KG aA Insolvenzanträge gestellt. Beide Gesellschaften hatten Orderschuld­verschreibungen und Genussscheine herausgegeben, die eine zum Teil 2-stellige Verzinsung aufwiesen und mit großenteils kurzen Laufzeiten aufwarteten. Vertrieben wurden diese Schuldverschreibungen und Genussrechte passenderweise über die Tochtergesellschaft „Infinus AG“, die insoweit auch erhebliche Provisionseinnahmen erzielt und in Teilen an ihre Anlagevermittler weitergereicht hat. Diese Provisionseinnahmen gingen dann aber auch wieder in die Konzernbilanz ein. Die Future Business KG aA wies Ende 2012 ausstehende Orderschuldverschreibungen in einem Volumen von 570 Millionen Euro aus, sowie 38 Millionen an Genussrechten. Die Prosavus AG bezifferte das Volumen der gezeichneten Namensgenussrechte im April 2013 mit 101 Millionen Euro.

Das Landeskriminalamt Sachsen hatte nach der großangelegten Razzia den Schaden mit ca. 400 Millionen Euro beziffert. Dort geht man nun dem Verdacht nach, dass die Finanz- und Ertragslage des Unternehmens falsch dargestellt worden sein könnte.

Das Geschäftsmodell ließ sich zunächst gut an. Die Future Business KG aA verfügt über ein ansehnliches Aktienkapital von mehr als 25 Millionen Euro. Als kein Grund zur Sorge –sollte man meinen- zumal die angegebenen Papiere in der Vergangenheit stets anstandslos bedient worden waren. Dazu haben beide Unternehmen noch im Sommer mit exzellenten Bonitätsbewertungen geworben. Insbesondere die Future Business KG aA stellte immer wieder die Nachricht heraus, dass das Unternehmen „vom Hoppenstedt Kreditcheck zum dritten Mal hintereinander ein Top Rating erhalten“ habe.

Das Geschäftsmodell der Infinus-Gruppe sah u.a. den Verkauf von „gebrauchten“ Lebensversicherungen vor, die bis zum Laufzeitende weiterfinanziert wurden. Daneben gab es Immobilien-Investments, vor allem im Dresdner Raum und seit dem Jahre 2011 auch Edelmetallanlagen. Schließlich beteiligte man sich auch noch an diversen anderen Finanzdienstleistern, so dass der Anschein eines florierenden Geschäftsbetriebes erweckt wurde. Dies alles wurde finanziert mit den emittierten Schuldverschreibungen und Genussrechten. Diese Geldanlagen wurden mit einer ungewöhnlich kurzen Laufzeit angeboten. Die Investments der Infinus-Gruppe in die Lebensversicherungspolicen, Immobilien und Beteiligungen waren jedoch grundsätzlich langfristiger Natur. Werden langfristige Investitionen mit kurzfristig zur Verfügung gestelltem Kapital finanziert, muss eine Gesellschaft häufig neues Geld einwerben, Vermögenswerte auflösen oder Anleger zur Wiederanlage ihres Geldes bringen, um die Verpflichtungen aus fälligen Papieren zu erfüllen. In Krisenzeiten bringt dann eine solche Finanzierungsstruktur Unternehmen schneller in eine Schieflage.

Dass sich am Ende eine erhebliche Finanzierungslücke auftat, kann möglicherweise auch mit der nicht marktgerechten Verzinsung der Schuldverschreibungen und Genussrechte erklärt werden. Gerade dies war aber auch sicher Grund und Anlass für zahlreiche Anleger, sich hier finanziell zu engagieren.

Die Staatsanwaltschaft geht aber auch einem Betrugsverdacht nach und ermittelt wegen Bilanzmanipulation in Verbindung mit den getätigten Edelmetallanlagen. Die Future Business KG aA hat unter Einschaltung eines Salzburger Unternehmens, des Edelmetallhändlers Terra Premium, dessen Verantwortliche gleichfalls zu den Beschuldigten zählen, Beteiligungen an Goldsparplänen, die man selbst emittierte, gezeichnet.

Der größte Teil der hierfür anfallenden Provisionen, bestehend aus einem 7 %-igen Agio und einem 5 %-igen „Kleinmengenzuschlag“ sei, so der Vorwurf, der Infinus AG zugeflossen. Die Terra Premium soll von den 12 % nur 0,1 % behalten haben, der Rest wurde durchgeschleust. Die Empfängerin Infinus AG wiederum verbuchte Provisionseinnahmen, die Rede ist von bis zu 80 Millionen Euro, die nicht nur in den operativen Cash-Flow eingingen, sondern auch aus einer Unterdeckung ein Plus machten.

Er könnte also sein, dass sich nunmehr die Anleger zu Recht Sorgen um die Ansprüche aus ihren Schuldverschreibungen und Genussrechten machen. Insgesamt stehen hier Kapitalanlagen in einer Größenordnung von etwa 630 Millionen Euro im Raum.

Erfahrungsgemäß dauert es Monate, bis der vorläufige Insolvenzverwalter sich ein abschließendes Bild gemacht hat und es zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens kommt. Dann sollten die Anleger ihre Forderungen zur Insolvenztabelle anmelden. Darüber hinaus gegen von der Insolvenz betroffene bzw. bedrohte Firmen gerichtlich vorzugehen, erscheint sinnlos. Anleger anderer Gesellschaften aus der Infinus-Gruppe müssen die Entwicklungen in den kommenden Monaten genau beobachten. Es steht zu befürchten, dass weitere Gesellschaften der Gruppe zahlungsunfähig werden könnten.

Falls ein Anleger im Zusammenhang mit dem Erwerb von Orderschuldverschreibungen oder Genussrechten von seinem Anlageberater oder –vermittler unvollständig oder fehlerhaft über die insoweit bestehenden speziellen Besonderheiten und Risiken aufgeklärt wurde, steht ihm unter Umständen gegenüber dem Berater bzw. Vermittler oder dem dahinter stehenden Unternehmen ein auf Rückabwicklung der Investition gerichteter Schadenersatzanspruch zu. Dies bedarf einer genauen Prüfung im Einzelfall durch einen fachlich versierten und spezialisierten Rechtsanwalt.