Ramon Schack: Prof. Dr. van Creveld, würden Sie das demographische Profil, beziehungsweise die demographischen Prognosen, für die meisten westlichen Gesellschaften, als Sicherheitsrisiko betrachten?

Martin van Crefeld: Absolut. "Krieg ist etwas für die Jugend", so hatte es Napoleon einst ausgedrückt. Alte Menschen können keine Kriege führen. Die "Strapazen", um es mit einem Ausdruck von Clausewitz zu verdeutlichen, sowohl geistig als auch körperlich, sind dafür einfach zu groß. Das gilt heute noch genauso, wie früher.

RS: In Ihrem neuen Buch "Pussycats", sicherlich eines Ihrer umstrittensten Werke, analysieren Sie, weshalb die historische technologische Überlegenheit des Westens, in militärischen Belangen, erodiert. Ist diese von Ihnen skizzierte Perspektive nicht etwas zu pessimistisch, angesichts der Tatsache, dass die USA größere Militärausgaben haben, als der Rest der Welt zusammen und im Westen allgemein mehr für die Verteidigung ausgeben wird, als in anderen Weltgegenden.

MvC: Ich fürchte, ich muss Sie zunächst einmal korrigieren.

Mein Buch "Pussycats" handelt nicht von Technologie, oder gar Militär-Technologie. Es geht in dem Buch ausschließlich um das Töten, beziehungsweise den Willen zu töten, wenn es notwendig ist, was ich in einem Buch - welches ich vor langer Zeit geschrieben habe - "Kampfkraft" genannt habe.

Basierend auf der Tatsache, dass jedes mal, wenn westliche Truppen in der sogenannten 3. Welt operieren, dort besiegt werden, auf die eine oder andere Art. Dieses Faktum verdeutlicht, dass "Kampfkraft" im Westen nicht mehr existiert.

RS: Könnten Sie diese These bitte etwas spezifizieren?

MvC: Gerne. Schon seit einigen Jahrzehnten hat sich das westliche Militär, welches sich selbst rühmt die am besten ausgebildeten und am besten organisierten Truppen in der Geschichte zu besitzen, in einen Haufen von Pussycats verwandelt.

Als Pussycat taumelt die westliche Militärmaschinerie von einer Niederlage zur anderen.

Klar, 1999 siegte die NATO und konnte Serbien ihren Willen aufdrücken, aber auch nur weil der Gegner schwach und aufgebraucht war, nach Jahren des Bürgerkrieges und auf Platz 35 der Welt bezüglich militärischer Stärke stand. Aber, auch dieser Sieg wurde nur errungen, weil Serbien, oder das damalige Rest-Jugoslawien, absolut ohne Luftverteidigung dar stand.

Das gleiche trifft auch für Libyen im Jahr 2011 zu. Dort verrichteten einheimische Bodentruppen die schmutzige Arbeit, Mann gegen Mann, woran die westliche Allianz, unter Führung der USA, gescheitert wäre.

RS: Die Infanterie bleibt also von Bedeutung?

MvC: Ja, der Westen verfügt über eine haushohe Überlegenheit zu Luft und auch zu Wasser, aber schon lange nicht mehr am Boden, was langfristige Siege, inklusive Bodentruppen, Besatzung, erschwert.

RS: Aber, was hat nun die Überlegenheit der westlichen Militärs ins Wanken gebracht? Die wachsende Stärke des Gegners, oder liegen die Ursachen in der Struktur unserer Gesellschaft?

MvC: In meinem neuen Buch, welches auch bald auf Deutsch erscheint, verfolge ich die die Ursachen für dieses Problem zurück au:

A - die Art wie im Westen heute die Kindererziehung stattfindet, bei den wenigen Kindern die es gibt, durch Überwachung, Verhätscheln, wodurch das Erwachsen werden verhindert wird.

B - durch die Tatsache, dass wir das Gleiche mit unseren Truppen vollziehen, indem wir diese wie Babies behandeln und ihnen untersagen ihre militärische Tätigkeit mit Stolz auszuüben.

C - Durch die Feminisierung der Militärkraft, was alle möglichen Probleme verursacht und eine Situation herbeiruft, in der mehr Soldaten die Anschuldigung der sexuellen Belästigung fürchten (häufig zu Unrecht), als den Feind.

D - Die Art und Weise, wie wir postraumatische Belastungsstörungen glorifizieren und zur Mode-Diagnose erheben und E-Die Art und Weise wie wir Rechte über Pflichten stellen.

Teil 2 des Gesprächs folgt in Kürze hier auf Cashkurs.com