Dipl.-Kfm. Kolja Spöri (*1969) ist ein deutscher Investor, Extremreisender und Autor. Nach einem Praktikum bei der Europäischen Union und der Leitung des Sponsoring der Hugo Boss AG machte er sich mit einer Vermarktungsagentur in der Formel 1 selbständig. Heute ist er beteiligt an der Monaco Broadcast S.A., die auch das Pressezentrum von Fürst Albert II. betreibt, sowie an Start-Up-Unternehmen. An der Universität Lausanne unterrichtet er zum Thema Sportbusiness. Von seinen Reisen in mehr als 200 Länder, insbesondere in Kriegs- und Krisengebiete erzählt er in seinem Amazon Nr. 1 - Bestseller "Ich war überall". Über die innere Verfassung Deutschlands, die Beteiligung an kriegerischer Außenpolitik und die Qualität der Medienberichterstattung äußert er sich kritisch.

Guten Tag Herr Spöri. Herzlich Willkommen zum Cashkurs-Interview.

Hallo Herr Calli. Vielen Dank für die Einladung.

Herr Spöri, Sie sind eine sehr facettenreiche Persönlichkeit. Sie sind aus dem Sport-Business, als Bestseller-Autor oder als Weltreisender bekannt, der in über 200 Ländern war. Können Sie sich bitte kurz selbst vorstellen?

Ich bin gebürtiger Schwabe. Ich bin früh ins Ausland gekommen, da meine Eltern im Auswärtigen Dienst tätig waren. Ich habe sechs Jahre in Istanbul verbracht, danach in Madrid und in Kasachstan. Ich habe unter anderem in Frankfurt am Main Wirtschaft studiert. Ich war sportlich und habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Bei Hugo Boss bin ich ins Sport-Sponsoring gegangen. Das war sehr interessant für mich und hat mir sozusagen die Welt eröffnet. Denn ich war als Sponsoring-Leiter für die Formel 1, im Tennis Davis Cup oder bei Golfturnieren der PGA weltweit unterwegs; teilweise an 50 Wochenenden pro Jahr. Es war ein absoluter Traumjob. Er hat mir ermöglicht, mich auf demselben Gebiet, sprich Sport-Marketing, Sport-Medien und Sport-Sponsoring selbständig zu machen. Es haben sich aufgrund der Kontakte – auf diesen teils sehr hochkarätigen Plattformen – später auch Möglichkeiten für andere Geschäfte ergeben.

Meine Stärken sind internationale Kontakte. Ich bin beispielsweise in Russland und in der Türkei gut verdrahtet. Aber auch in Regionen, die vielleicht eher unüblich sind, wie im Kaukasus, im arabischen Raum sowie in verschiedenen afrikanischen Ländern. Insofern mein geschäftlicher Werdegang. Die Selbständigkeit mündete in kleineren Firmenbeteiligungen, z.B. bei einer Fernsehproduktionsgesellschaft in Monaco. Ich war auch an einer deutschen börsennotierten AG beteiligt. Und heute habe ich ein interessantes Umfeld im Bereich Private Equity. Ich beschäftige mich auch mit Start-Ups, aber alles in einem bescheidenen Rahmen.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Sie bei Ihren Reisen eine Welt vor Ort erlebt haben, die Ihr Bild aus den Medien, also wie wir es in Deutschland bzw. im Westen kennen, ins Wanken gebracht hat. Wo ist Ihnen erstmals bewusst geworden, dass es da eine Diskrepanz gibt?

Gute Frage. Interessanterweise war mein erster Eindruck einer Dissonanz vor über zehn Jahren. Und zwar an der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea. Damals gab es noch nicht diesen inzwischen recht starken Tourismus in Nordkorea. Ich habe mich damals mit einer Praxis begnügt, der man sich in unseren Ländersammler-Clubs bedient, wenn die Länder praktisch unzugänglich sind. Da geht man an die Grenzstation, was zwischen Nord- und Südkorea sehr gut funktioniert. Das ist dort unter den Augen der Vereinten Nationen institutionalisiert. Es gibt eine Grenzlinie in einem Grenzhaus, die man ganz bewusst überschreiten kann. Somit reist man dort ein – zumindest hat man den Fuß in Nordkorea. Das Prozedere ist vorgegeben und sehr streng.

Unter den Argusaugen der Amerikaner wird man in das Sperrgebiet gefahren und man wird indoktriniert, wie man sich zu verhalten hat. Es wird einem Angst gemacht. Wenn man nach drüben lacht, könnte es als Provokation aufgefasst werden. Es würde zu übelsten Reaktionen führen. Es dürfe auf keinen Fall gewinkt werden. Man müsse in Reih und Glied bleiben und keiner dürfe ausscheren. Und da kommt man in diese spannungsgeladene Grenzstation. Die amerikanischen und die südkoreanischen Soldaten sind salopp gesagt total uncool. Und dann schaut man hinüber auf die nordkoreanische Seite und stellt fest: „Aha, da sind auch Touristen.“ Damals waren das Besucher aus Nordkorea, aber auch Touristen aus befreundeten Ländern wie Russland, Weißrussland und ich glaube auch Burma könnten das gewesen sein. Und siehe da, die lächelten freundlich rüber und sie winkten. Es wirkte alles nicht so böse und nicht so abschreckend, wie uns eingeimpft wurde.

Später habe ich die Geschichte der Länder recherchiert. Auch wenn ich da jetzt nicht ins Detail gehen möchte, ist es Fakt, dass die Mauer von den Südkoreanern zusammen mit den Amerikanern errichtet wurde. Die Mauer ist allerdings versteckt, so dass man sie vom Süden kommend nicht sieht. Und auch nicht in unserer Medienberichterstattung. Übrigens, auch die deutsche Mauer haben wir den westlichen Kräften zu verdanken, denn Stalin hätte schon 1949 die Wiedervereinigung eines neutralen Deutschlands erlaubt. Ursache und Wirkung, Gut und Böse liegen manchmal genau anders herum. In Korea sollte unsere zwangsgeführte Touristengruppe sozusagen die angeblichen Potemkin’schen Dörfer, die angebliche Berieselung mit Propaganda-Lautsprechern und das heruntergewirtschaftete System auf der anderen Seite erkennen. Nein, so wirkte das nicht. Das hat mich die Stirn runzeln lassen. Nord- und Südkorea ist vor allem ein Propaganda-Krieg. Das angeblich so freie Südkorea unterliegt in Wirklichkeit beinahe derselben Besatzung wie Deutschland. Es ist hochinteressant sich die Geschichte wirklich mal mit neutralen Augen anzuschauen und dann zu entscheiden. Wer sind die Guten, wer sind die Bösen? Wie ist die Idee des 38. Breitengrades entstanden? Wer hat das entschieden? Warum wurde der härteste Krieg aller Zeiten dort geführt? Die deutschen Zivilisten sind während des Zweiten Weltkriegs von den Angelsachsen schon sehr bösartig bombardiert worden. Inklusive Napalm in Dresden. Dann waren Hiroshima und Nagasaki arm dran. Aber was auf Nordkorea herunter regnete, hat das noch übertroffen. Nach meinen Informationen gab es die größten Opfer von Luftangriffen aller Zeiten in Nordkorea. Ganz bewusst Zivilisten zu bombardieren, ist nicht nur völkerrechtlich absolut verboten, es ist auch die Handschrift gewisser Kräfte.

Sie waren zu der Zeit des Arabischen Frühlings in Nordafrika unterwegs. Sie haben die Proteste auf dem Kairoer Tahrir-Platz und den Libyen-Krieg in Bengasi vor Ort miterlebt. Sind Ihnen in Bezug auf „Medienrealität versus Wirklichkeit“ auch dort Unstimmigkeiten aufgefallen?

Ich bin zunehmend in Krisengebiete gereist, deswegen auch im Arabischen Frühling. Im Mai 2011 bin ich in Bengasi gewesen. Mein bester Kumpel und ich haben von Kairo aus eine Autofahrt nach Libyen unternommen, knapp 2000 km. Wir fuhren über eine Grenze ohne Visumkontrolle, weil sie schon in den Händen der Rebellen oder den Freiheitskämpfern lag.  Libyen war mein einziger Trip mit kugelsicheren Westen. In Bengasi waren wir, als die Front direkt vor der Stadt lag. Dabei lernte ich dass eine „No-Fly-Zone“, also der englische Ausdruck für eine Flugverbotszone, eine andere Bedeutung hat, als ich sie bisher verstanden hatte. Eine „No-Fly-Zone“ bedeutet konkret, dass die westlichen Streitkräfte sich durch ihre Überlegenheit die komplette Lufthoheit sichern können. Und dann selbst den Gegner aus der Luft bombardieren. Also eine völlig einseitige No-Fly-Zone. In Libyen war der Luftraum voll mit Apache-Kampfhubschraubern und Mirage-Jets des Westens. Diese hatten Gaddafis Truppen aus der Luft sehr massiv bombardiert, damit die eigentlich relativ schwachen Bodentruppen der Rebellen leichteres Spiel hatten. Nicht gerade „Fair Play“. Aber offenbar typisch für den Westen. Libyen war vorher eines der am meisten entwickelten und stabilsten Länder Afrikas. Jetzt haben „wir“ es ins Chaos gebombt und die Flüchtlinge kommen zu uns.

Auch im Syrien-Konflikt wurde die letzten Monate über häufig über No-Fly-Zones diskutiert. Und gleichzeitig deutsche Tornado-Flugzeuge in die Region zu entsenden, birgt ja auch eine ziemlich paradoxe Komponente in sich. 

Ja, diese Methode wird in anderen Krisen genauso durchgezogen. Doch bildet Syrien aktuell eine Ausnahme. Dort konnte die Flugverbotszone nicht eingeführt werden, weil die Luftstreitkräfte Assads durch die Unterstützung Russlands stark genug blieben. Übrigens: die gewählte und von der UN anerkannte Assad-Regierung hat Russland völkerrechtlich mustergültig um Hilfe gebeten. Der russische Einsatz ist der einzig völkerrechtlich korrekte Kriegseinsatz in der Region. Ob es sich um die Amerikaner handelt, und ich meine nicht die subversiven Tätigkeiten der Amerikaner mit der sogenannten ISIS, sondern nur die offizielle Kriegsführung, oder die Partizipation der Deutschen auf Seiten der nicht UN-anerkannten  abtrünnigen nordirakischen Regierung, die handeln allesamt völkerrechtswidrig. Man könnte schon sagen aus Gewohnheitsrecht. Und gegen deutsches Recht noch dazu. Das sagt aber keiner in unseren Propagandamedien.

Gehen wir von Libyen weiter westwärts. Sie haben auch Mali bereist, wo das französische Militär 2012 intervenierte und von anderen Ländern dabei unterstützt wurde. Welche Erkenntnisse haben Sie dort für sich gewinnen können?

In Mali war ich zu Beginn der „Opération Serval“, als die Franzosen den angeblichen Vormarsch islamistischer Kräfte und/oder Tuareg auf die Hauptstadt Bamako zurückgeschlagen haben. Zurück auf ein Gebiet, das damals beinahe die Republik Azawad geworden wäre, in der die Tuareg ihren eigenen Staat verwirklicht hätten. Aus meiner Sicht kann man hier mehrere interessante Phänomene beobachten. Zum einen gab es wohl einen als legitim zu nennenden Freiheitskampf der Tuareg. Die Tuareg sind, ähnlich den Kurden eines der großen Kulturvölker, die über kein eigenes Staatsgebiet verfügen. Sie sind über mehrere Staatsgrenzen hinweg angesiedelt und haben in dieser misslichen Situation eher weniger Rechte als man einem souveränen Volk zugestehen müsste. Durch ihre aus Libyen zurückkehrenden Söldner, die von dort auch Waffen mitgenommen hatten, wurden sie angeblich motiviert, ihren Kampf für Azawad zu beginnen. Doch in der Region, wo sich Grenzen zwischen Algerien, Niger, Mali und Mauretanien befinden, geht es natürlich nur um Öl.

Gestatten Sie mir eine Zwischenfrage. Im Zusammenhang mit dem Vormarsch islamistischer Kräfte und der Rückkehr der Söldner aus Libyen, durch die die Freiheitsbemühungen forciert und ermöglicht geworden sein sollen, haben Sie jeweils das Wort „angeblich“ verwendet. Warum angeblich? Was meinten Sie damit?

Das hat mit zwei Phänomenen zu tun. Das eine ist, dass eine legitime Bewegung - in diesem Fall die der Tuareg - von einer zweiten überlagert wurde. Die Tuareg fanden sich plötzlich in einem erweiterten Kriegsschauplatz wieder. An ihre Seite gesellte sich plötzlich eine religiöse Bewegung von ausländischen Islamisten, die „Ansar Dine“, die MUJAO und Al Qaida im Maghreb - kurz: AQIM. Gemeinsam mit den Tuareg gingen diese gegen die malische Zentralregierung und ihre Unterstützer aus dem Ausland vor. Also die Überlagerung einer legitimen Freiheitsbewegung durch eine religiöse Angriffsbewegung. Sie hat den Tuareg definitiv nur geschadet. Kleine Anmerkung am Rande: auf ähnliche Weise wurden die legitimen Montagsdemonstrationen aufgeweckter deutscher Bürger von einer organisierten Buchstabensuppe, der PEGIDA, überlagert. Kontrollierte Opposition nennt man das wohl.

Jetzt komme ich auf das zweite Phänomen. Es beschäftigt sich im Kern mit der Frage, wie sich solche Terrorgruppen in der menschenleeren Wüste überhaupt bilden können. Ich kann diesen Punkt mit folgendem Reiseerlebnis konkretisieren, als wir von Mauretanien nach Mali einfuhren. Wir waren zu der Zeit mit einem Jeep im tiefsten Eck Mauretaniens unterwegs. Wir befanden uns fast 800 km von der Atlantikküste entfernt im Landesinneren. Wir fuhren auf der so genannten „Route de l’Espoir“. Auf ihr wurden jahrhundertelang Sklaven transportiert, weshalb es sich natürlich um alles andere als eine „Route der Hoffnung“ handelte. Wir fuhren auf dieser Straße bis ganz tief ins Krisengebiet hinein. Weit nach Mitternacht wurden wir von einer mauretanischen Militärsperre aufgehalten. Es hieß, es sei zu gefährlich hier nachts weiter zu fahren. Ich fühlte mich aber jetzt erst recht wie auf dem Präsentiertablett, weil wir auf einmal mitten in der Wüste bewegungsunfähig waren. Es war ein wunderbarer Nachthimmel voller Sterne. Man konnte ziemlich weit sehen. Der Ausblick ähnelte so ein bisschen den Infrarot-Bildern, die man manchmal auf CNN sieht. Und in den um die Ecke liegenden Bergen waren die Ausbildungscamps von diesen drei so genannten Terrorgruppen MUJAO, Ansar Dine und AQIM verborgen.

Und deswegen fühlten Sie sich wie auf dem Präsentiertablett…

Ja, genau. Und damit komme ich jetzt zum Kernpunkt des zweiten Phänomens. Es ist verdammt schwer in dieses Gebiet zu kommen. Die Straßenverbindungen, die Logistik und die Entfernungen stellen eine sehr große Herausforderung dar. Außerdem wussten wir ja, wie schwierig es ist, rein formal in all diese Länder einzureisen – selbst mit legitimen Interessen und besten Papieren – geschweige denn ohne Visum. Wir stellten uns die Frage, wie die Kämpfer dieser islamistischen Gruppen, die im wesentlichen aus dem Ausland kommen, dorthin gelangen sollen. Wo gibt es so ein leistungsfähiges Reisebüro? Die Antwort ist: ausschließlich geheimdienstliche Unterstützung von einem oder mehreren dieser Anrainerstaaten und deren Sponsoren im Hintergrund ermöglicht die Ansiedlung von solchen so genannten Terrorcamps. Das sollte einem zu denken geben.

Und warum genau herrschen dort diese Unruhen?

Es geht schlichtweg um Öl! Afrika ist voll von Konflikten, wobei es sie nur deswegen gibt, weil man im Schatten des Konflikts Rohstoffe ausbeuten oder besser gesagt kontrollieren kann. Ein weiteres Beispiel ist das westsudanesische Darfur, was bis heute noch unruhig ist. Da gibt es „Gummi Arabicum“, was beispielsweise in unserer Coca-Cola verwendet wird. Im Kongo geht es um Coltan, was für unsere Handy-Herstellung wichtig ist. Und in zig anderen Ecken geht es um Öl, Gold und Diamanten.

Der Handel von Öl, Gold und Diamanten findet in der Weltleitwährung Dollar statt. Damit die FED die Kontrolle über den Dollar und die Welt behält, müssen diejenigen die die FED kontrollieren, gleichzeitig auch genau diese Ressourcen kontrollieren. Das heißt vor allem: künstlich knapp halten!