Nachdem es vor kurz Weihnachten zum Kollaps von einigen wichtigen Regionalbanken in der Toskana kam, stehen Italiens Bankaktien zu Beginn dieses Jahres unter einem enormen Abgabedruck. Dies hat selbst zu Aussetzungen des Handels und einem durch die Regierung in Rom ausgesprochenen Leerverkaufsverbot im Hinblick auf heimische Bankaktien geführt. Nun, Interventionen dieser Art kennen wir spätestens seit dem Ausbruch der Finanzkrise und den jüngsten Ereignissen in China. Wie erfolgreich Maßnahmen dieser Art sind, zeigen einmal mehr die aktuellen Ereignisse an den Festlandbörsen in China. Nämlich überhaupt nicht!

Zu Beginn dieser Woche setzte sich der Abverkauf unter Investoren im Hinblick auf Aktien von Italiens Banken fort. Am Montag führte die Talfahrt im Bankensektor auch zu einem deutlichen Rückgang des italienischen Aktienmarktindexes MIB: Einerseits ist es eine sich allgemein immer stärker verschlechternde Stimmung im Hinblick auf die weltwirtschaftlichen Aktivitäten und andererseits sind es sich mehrende Zweifel unter Investoren, laut denen eine dringend notwendige Konsolidierung unter Italiens Banken zu spät erfolgen dürfte, die zu den starken Abverkäufen zu Beginn der Woche beitrugen.

Es verwundert kaum, dass Italiens älteste Traditionsbank Banca Monte dei Paschi di Siena unter Investoren nur noch mit der Kneifzange angefasst wird. De facto ist das Geldhaus gescheitert und wird eigentlich nur noch durch Regierungsinterventionen am Leben gehalten, worüber ich bereits vor zwei Jahren berichtete. Analysten sind der Ansicht, dass die Banca Monte dei Paschi dringend mit einem anderen heimischen Bankhaus fusionieren müsste, um die Risiken eines Kollapses zu minimieren. Doch welche Konkurrenten, die selbst schon seit geraumer Zeit schwer zu kämpfen haben, würde sich einen solchen Klotz ans Bein hängen?

Einmal mehr würde die Beobachtung gelten, dass aus zwei Fußlahmen noch lange kein ausdauernder Langstreckenläufer hervorginge. Und so war es die Aktie der Banca Monte dei Paschi, die am Montag nach herben Kursverlusten als erste vom Handel ausgesetzt wurde. Bis dahin beliefen sich die Verluste bereits auf knapp 13%. Es dauerte nicht allzu lang, bis auch andere Bankentitel vom Handel suspendiert wurden. Aber so etwas sollte laut mancher Beobachter ja nicht möglich sein. Ich weiß zwar nicht warum, doch vielleicht ist es einfach ein wenig zu viel der Realität, die sich diese Protagonisten nicht eingestehen wollen.

Da lebt es sich besser, auch weiterhin mit Tomaten auf den Augen durch die Welt zu laufen und bloß nicht links oder rechts des Weges zu gucken. Wer weiß, was sich dort finden könnte, nicht?! Neben der Banca Monte die Paschi traf es auch UBI Banca, Banco Popolare und die Banca Popolare di Milano, nachdem es in den jeweiligen Dividendenpapieren zu Verlusten von zwischen 5% und bis zu 10% gekommen war. Die negative Stimmung übertrug sich schnell auch auf Italiens Großbanken, unter ihnen Intesa Sanpaolo Imi und UniCredit, deren Kurse ebenfalls um bis zu 5% abschmierten.

An der Mailänder Aktienbörse blieb diese Entwicklung nicht ohne Folgen. Am Montag büßte der Leitindex MIB um mehr als 2% ein, und erwies sich unter den großen Börsen Europas damit als schlechtester Performer. Dass Italien das nächste Euro-Land sein könnte, das sich schon bald in hochgradigen Schwierigkeiten wiederfinden dürfte, hatten wir in den letzten beiden Jahren bereits zum Thema gemacht. Als ich im vergangenen Sommer unter anderem auch in Italien unterwegs war, fielen mir in der Region um den Gardasee und der Lombardei immer wieder viele wild geklebte Plakate auf, die für einen sofortigen Austritt aus dem Euro und der Einführung einer neuen Währung namens Lombardo warben. 

Um auf die Märkte zurückzukommen, so ist es Ansicht von Analysten, dass sich Investoren in Bezug auf Italien um eine ganze Reihe von Dingen Sorgen zu machen scheinen. Einerseits ließe sich der weltwirtschaftliche Abschwung anführen, dessen Spiegelbild unter Umständen in den stark gesunkenen Ölpreisen auszumachen ist. Doch immer wieder werden auch die aktuellen Ereignisse in China zitiert. Falls sich der dortige Abschwung fortsetzen sollte, wird nicht nur der europäische Export unter Druck geraten, sondern Peking dürfte auch damit fortfahren, seine heimische Deflation über eine Abwertung der eigenen Währung ins Ausland zu exportieren.

Nicht nur Europa, sondern auch die Vereinigten Staaten von Amerika würden auf diese Weise hochgradig getroffen. Andererseits lässt sich die vorherrschende Realität in Italiens Bankensektor nicht mehr unter den Teppich kehren. Lange schon hatten Analysten und global aktive Investoren auf eine Konsolidierung im italienischen Bankensektor gedrängt, die bis heute jedoch ausgeblieben ist. Viele mittelgroße Banken stehen – im Angesicht einer enormen Anzahl von säumigen oder ausfälligen Krediten – nur noch auf sehr wackligen Beinen. Der vor kurz vor Weihnachten erfolgte Zusammenbruch von vier wichtigen Regionalbanken in der Toskana legt darüber Zeugnis ab (ich berichtete).

Italiens ökonomische Probleme werden verschärft aufgrund der Tatsache, dass sich – trotz aller Beteuerungen der Regierung in Rom in den vergangenen Jahren – der öffentliche Schuldenberg unaufhaltsam wächst. Italiens öffentliche Staatsverschuldung hatte zum Ende des letzten Jahres ein astronomisches Niveau von 2,2 Billionen Euro erreicht. Nach Griechenland ist Italien damit der höchst verschuldete Staat in der Eurozone und einer der am meisten verschuldeten Staaten in der Welt.

Hinzu kommt, dass sich die Anzahl der faulen Kredite im italienischen Bankensystem stetig wächst (ich berichtete). Kein Wunder, dass das Wachstum der Wirtschaft einfach nicht mehr richtig auf die Beine kommt. Das mickrige Wachstum führt überdies dazu, dass es Italien – trotz der flankierenden Maßnahmen der Europäischen Zentralbank – in der Zukunft immer schwerer fallen wird, diesen astronomischen Schuldenberg zu bedienen. Von den einst vollmundigen Versprechungen des italienischen Premierministers Matteo Renzi ist nicht mehr geblieben als eine leere Worthülse.

Das ökonomische Wachstum wollte Renzi ankurbeln und den öffentlichen Schuldenberg im gleichen Atemzug abbauen. Wie oft hatte ich im Sommer des letzten Jahres während meines Aufenthalts in Italien die Leute klagen hören, dass das Land de facto über eine Regierung verfüge, die sich nur noch als „loco“ bezeichnen ließe?!

Die erheblichen Steuerlasten drücken nicht nur auf den privaten Konsum, sondern auch auf die Investitionsbereitschaft im heimischen Unternehmenssektor. Folge ist, dass die Arbeitslosigkeit unter der jungen Generation weiterhin auf Rekordwerten verharrt. Ich habe nach manchen Beobachtungen im letzten Jahr meine berechtigten Zweifel daran, ob sich an dieser Situation so schnell etwas ändern wird.