EZB-Präsident Mario Draghi eilte wieder einmal zur „verbalen Rettung“. Vielleicht ließe sich auch von einem perfekten Geschenk an seinen Heimatstaat Italien sprechen, in welchem die Banken wieder einmal am Wackeln und Wanken sind. Auch wenn Draghi in diesem Zuge Brüssel und eine ganze Reihe von Staatsregierungen in der EU gegen sich aufgebracht haben dürfte, wird dem Italiener dieser „Kollateralschaden“ wohl egal gewesen sein.

Laut Draghi solle Banken und deren Bondhaltern in Italien eine Perspektive gegeben werden, die selbstverständlich in Form eines Steuerzahlerbailouts für marode Institute wie die Banca Monte dei Paschi di Siena & Co. daherkommen dürfte. Was sonst? Ich möchte Sie nochmals daran erinnern, dass die durch die EU beschlossenen Bail-in-Regularien seit Jahresbeginn in Kraft getreten sind (ich berichtete).

Mit dem Rücken zur Wand

Und nun? Stehen diese Regularien schon nach nur einem halben Jahr vor einem Rauswurf aus dem Fenster. Draghi ficht das alles nicht an. Laut Aussage des EZB-Präsidenten erforderten „schwierige Zeiten außerordentliche Maßnahmen“. Draghi wird in diesem Kontext auf die vielen Kleinanleger in seinem Heimatland blicken, die ihre Ersparnisse in den letzten beiden Jahren aufgrund von Null- und Negativzinsen in italienische Bankanleihen investierten.

Noch mehr Suizide und hässliche Schlagzeilen dieser Art in den Medien möchte Rom seiner Bevölkerung wohl nicht zumuten, nachdem es zu solchen Akten der Verzweiflung zum Beispiel im Angesicht der toskanischen Bankpleiten im Dezember 2015 gekommen war (ich berichtete). Kein Wunder, dass italienische und europäische Bankaktien nach Supermarios Aussagen wieder ein wenig Boden unter die Füße bekamen.

Bis vor wenigen Tagen waren Bankaktien aus Italien und Spanien auf neue Rekordtiefstände gesunken (ich berichtete). Auch die Deutsche Bank AG – nun durch den IWF offiziell zum gefährlichsten unter allen Bankinstituten weltweit geadelt – geriet in diesen Abwärtssog mit hinein. Um beim IWF zu bleiben, so hatte der Fonds schon zu Beginn dieses Monats davor gewarnt, dass der Ausbruch einer Bankenkrise in Italien zu Ansteckungseffekten rund um den Globus führen könnte.

Steuerzahler wieder in der Pflicht?

Und so machte sich auch der IWF für eine erneute Staatsrettung italienischer Banken stark. Und nochmals: Es wird immer offensichtlicher, dass die seit dem 01. Januar 2016 im EU-Raum gültigen Bail-in-Regularien keinen Pfifferling wert sind. Denn eigentlich sollten Europas Steuerzahler seit Jahresbeginn nicht mehr für marode und bankrotte Banken in die Bresche springen müssen, um Anleihehaltern von privaten Banken einen Bailout zu liefern.

Doch die Tinte ist noch nicht einmal trocken, da zeichnet sich auch schon ein Bruch dieser ehedem beschlossenen und hoch gelobten Regularien ab. Und dies hat mit Blick auf Italien auch seinen Grund. Unter den neuen EU-Regularien wäre es Italiens Regierung nur dann erlaubt ein staatliches Hilfspaket zu schnüren, wenn zumindest ein Teil der in privaten Händen befindlichen Bankanleihen einem Haircut oder Tausch in Aktien unterzogen würde.

240 Milliarden Euro in Bankanleihen an Kleinsparer und Kleinanleger verkauft

Doch wie stellt sich die aktuelle Situation in Italien dar? Die Antwort lautet, dass rund ein Drittel aller vorrangigen Bankanleihen und die Hälfte aller nachrangigen Bankanleihen, die ein kumuliertes Volumen von 240 Milliarden Euro aufweisen, mit dem Segen der Regierung in Rom vornehmlich an italienische Kleinsparer und Kleinanleger verkauft wurden. Falls die Bail-in-Regularien nun greifen sollten, würden Hunderttausende Kleinsparer rasiert.

Denken wir an dieser Stelle ein wenig weiter, wie sich ein solches Ereignis auf die politische und gesellschaftliche Entwicklung in Italien auswirken würde. Falls Hunderttausende Sparer und Kleinanleger in Italien im Zuge eines Bail-ins rasiert würden, dürften sich die Aussichten auf einen Sieg bei dem im Oktober anstehenden Referendum in Bezug auf eine anvisierte Verfassungsänderung für die sozialistische Regierung von Matteo Renzi verflüchtigen.

Vielmehr ließe sich damit rechnen, dass sich die Italiener noch stärker als ohnehin schon in die Arme der 5-Sterne-Bewegung flüchten würden, die nicht nur ein Referendum über die zukünftige Mitgliedschaft Italiens in der EU abhalten, sondern Italien auch die geldpolitische Souveränität zurückgeben möchte (ich berichtete). Übersetzt heißt das, dass es im Falle einer Machtübernahme der 5-Sterne-Bewegung zum großen Euro-Showdown kommen würde.

Anderen Banken in Europa blüht eine ähnliche Entwicklung

Schon nur der Ausblick auf eine solche Entwicklung dürfte einen deutlichen Anstieg der italienischen Bondrenditen, weitere Kreditherabstufungen, einen sich beschleunigenden Abschwung der Wirtschaft und sich verschärfende Zahlungsausfälle im Bankensystem zum Ergebnis haben. So weit, so gut. Blicken wir nun einmal auf ein Potpourri von Daten, das Banken in anderen Ländern der Eurozone betrifft.

Als da allen voran zum Beispiel französische Bankhäuser zu nennen wären. Frankreichs Banken und Privatinvestoren halten ein Volumen an italienischen Regierungsanleihen, das sich auf mehr als 250 Milliarden Euro (!) beläuft. In Deutschland beläuft sich diese Summe auf mehr als 83 Milliarden Euro, davon allein 13 Milliarden Euro in den Bilanzbüchern der Deutsche Bank AG.

Auf den Plätzen folgen Spanien (rund 44 Milliarden Euro), die Vereinigten Staaten (42 Milliarden Euro), Großbritannien (30 Milliarden Euro) und Japan (28 Milliarden Euro). Dazu gesellen sich mehr als 210 Milliarden Euro in Form von Währungskonten, die internationale Banken in Italien ausstehen haben sowie rund 160 Milliarden Euro in Form von gezeichneten Bankanleihen und vergebenen Krediten.

Profitieren die US-Banken?

Mit einem erneuten Bailout der italienischen Banken würde mancherorts auch eine Menge Geld verdient werden können. Blicken wir dazu in die USA. Unter Bezugnahme auf den britischen Telegraph soll die Regierung in Rom das Institut JPMorgan Chase mit einer Ausarbeitung von Plänen beauftragt haben, um eine Bad Bank aus dem Boden zu stampfen, die Italiens Problembanken 50 Milliarden Euro an faulen Krediten abkaufen soll.

Natürlich würde die Kasse der damit beauftragten Institute sprudeln, die im Zuge eines solchen Geschäfts hohe Gebühren vereinnahmen würden. Inwieweit sich Rom und Draghi auf Kollisionskurs mit Brüssel und der deutschen Bundesregierung begeben werden, die sich bisher explizit und vehement gegen weitere steuerfinanzierte Bankenhilfen ohne Einbezug der privaten Bondhalter ausgesprochen hatten, bleibt indes abzuwarten.