Im November wurde der japanische Markt durch eine Meldung aufgeschreckt, in der der Chef-Bond Strategist der Mizuho Bank, ihres Zeichens drittgrößte Bank Japans und eine der 23 privilegierten JGB-Underwriter beim japanischen Finanzministerium (die 23 „Underwriter“ sind diejenigen Banken, die verpflichtend Gebote abgeben müssen, wenn das japanische Finanzministerium neue JGBs begibt), erklärte, daß der JGB Markt tot ist, da die Bank of Japan durch ihre anggressive JGB-Ankaufpolitik einen klassischen „Crowding out“-Effekt herbeiführt.

Durch die schiere marktbeherrschende Stellung der japanischen Zentralbank im Bieterkonsortium werden die anderen – Privatbanken – eben an den Rand gedrängt.

Auf die neue Zentralbankpolitik unter „Abenomics“ will ich jetzt nicht weiter eingehen, die wurde in vorangegangenen Artikeln bereits ausführlich beleuchtet.

Darüber hinaus sollte sich der Leser aber folgende Punkte noch einmal vergegenwärtigen:

Die Zentralbank ist qua Gesetz die einzige Institution, welche – vorbehaltlich der Nichtexistenz konkurrierender Währungen – das einzige im jeweiligen Wirtschaftsraum gesetzlich zugelassene Zahlungsmittel herstellen darf. Sie ist also in einer absoluten Monopolstellung.

Die Geschäftsbanken, welche im Bieterkonsortium mit der Zentralbank um das Unterzeichnen der vom Finanzministerium neu zu begebenden Staatsanleihen konkurrieren, haben dieses Monopol nicht, sehen sich also im Vergleich zur Zentralbank einem eklatanten Nachteil gegenüber, nämlich

daß sie – anders als die Zentralbank – sich nicht das Geld, was sie für die Staatsanleihen-Auktionen benötigen, einfach drucken können, sondern

es sich von der Zentralbank leihen müssen.

Egal, wie man es dreht und wendet, die Zentralbank steht also immer zwingend zwischen Anleiheemittent (Finanzministerium, ergo Regierung) und Händler bzw. Anleiheunterzeichner (also demjenigen, der der Regierung das Geld im Austausch für die Staatsanleihen gibt), welches die Geschäftsbanken sind (die dann diese im Primärmarkt unterzeichneten Anleihen weiterverkaufen, z.B. an Renten- und Pensionskassen, sowie Versicherer usw.)

Wenn die Zentralbank also sowieso immer als Bindeglied zwischen Staat als Kreditnehmer und Bank als Gläubiger steht (da sie ja das Geld drucken muß, um es den Banken zu geben – wenn auch im extremen Fall zum Nullzins), dann kann sie die Finanzierung der Staatsanleihen am besten auch gleich selbst in die Hand nehmen. Und genau das passiert momentan hier in Japan:

Der unheilige Deal zwischen Regierung und Zentralbank wird in Japan seit November besonders eklatant: die Geschäftsbanken ziehen sich aus dem Bieterkonsortium für JGBs zurück (bzw. reichen nur noch Gebote für neue Staatsanleihen ein, die definitiv unattraktiver sind als die Gebote der Zentralbank, womit der letztendliche Zuschlag eben an die Zentralbank geht), die Zentralbank wird zum marktbeherrschenden Teilnehmer und kann nun die Preise (Zinsen) für neue Staatsanleihen setzen, wie sie will (meistens eben sehr niedrig, um der Regierung die Exponentialfunktion bei der Rückzahlung des Zinses zu ersparen).

Von daher erklärt sich auch das Paradox, warum trotz japanischer QE-Maßnahmen, welche die des Federal Reserve Systems in den USA in den Schatten stellen (Pro-Kopf-Rechnung), die Renditen für japanische Staatsanleihen zurückgehen, anstatt durch die Decke schießen.

Die Zentralbank druckt einfach das benötigte Geld selbst.

Die Bank of Japan erreicht damit mehrere Ziele auf einmal:

Sie druckt einfach das benötigte Geld, um die Schulden zu bedienen (Inflation).

Durch den verbilligten Yen werden japanische Exporte billiger, d.h. die Zentralbank exportiert dadurch gleichzeitig ihre Inflation (siehe Modell USA).

Den Staatsschulden stehen (siehe doppelte Buchführung) im gleichen Maße private Guthaben gegenüber, die allerdings durch die Inflation entwertet werden, so daß sich am Ende beide Seiten wieder ausgleichen: sowohl Schulden (national) als auch Guthaben (privat) werden weniger.

Das Geld, welches – besonders bei den Banken durch Zurückschrauben ihrer JGB-Konsortiumsaktivitäten und in Ermangelung anderer renditeträchtiger, aber risikoarmer Anlagemöglichkeiten  – in den Aktienmarkt gepumpt wird, bläst Nikkei und TOPIX in seit Anfang der 1990er Jahre nicht mehr gesehene Höhen und Premierminister Abe kann sich im Lichte neuer Indexhöchststände sonnen.

Das angekündigte Hilfspaket, um die Lasten aus der stufenweise geplanten Anhebung der Verbrauchersteuer (von 5% auf 8% im April 2014, von 8% auf 10% Mitte 2015), aufzufangen, wird auch einfach „nachgedruckt“, der Bevölkerung aber als reale Entlastung verkauft.

Die Kreditausfall-Spreads für japanische Anleihen, Zinsforderungen für neu begebene Staats- und Firmenanleihen etc. sinken auf neue Tiefststände, da dem Markt unmißverständlich klar gemacht wurde, daß das benötigte Geld einfach von der Zentralbank gedruckt wird, „koste es, was es wolle“.

Stellt sich die Frage: warum macht der Markt diesen offensichtlichen Betrug und diese ganz klare Enteignung durch die Hintertür eigentlich mit? Die Antwort ist zweigeteilt:

Der pofessionelle Investor einfach aus Mangel an Alternativen, denn es machen ja alle anderen industrialisierten Märkte (EU, USA) genauso.

Der Pivatinvestor hingegen aus Ignoranz und einem gewissen Teil an „home bias“: der eigene Heimatmarkt läuft einfach besser, als die Märkte draußen. Von daher ist das Geld am besten im Lande selbst angelegt. Gut, das dachte die jetzige Großelterngeneration während der achziger Jahre hier in Japan auch. Wie die Sache ausging, ist hinlänglich bekannt.