Yukio Noguchi, ehedem hochrangiger Vertreter des japanischen Finanzministeriums, spricht jetzt offen aus, was wir auf diesem Kanal seit rund drei Jahren vorgedacht haben. Demnach könnte ein Scheitern der ökonomischen Stimulierungsmaßnahmen in Japan dazu führen, dass sich unter Japans Yen die Falltür öffnen wird. Noguchi spricht gar über einen Absturz auf bis zu 1.000 Yen pro US-Dollar. Und damit würde in Japan eine Hyperinflation ausbrechen.  

Wer zweifelt im Angesicht der aktuellen Ereignisse noch daran, dass Premierminister Shinzo Abes nach ihm benanntes Inflationsprogramm „Abenomics“ vollumfänglich gegen die Wand gefahren ist? Um diese offensichtliche Entwicklung zu verschleiern, werden in Japan nun gar schon Journalisten und populäre Nachrichtensprecher durch Tokio mundtot gemacht, indem Kritikern offen mit Jobverlust und einem Gefängnisaufenthalt gedroht wird. Doch nicht nur das. Auch die Managements der großen Fernseh- und Radiosender sehen sich einem immer größeren Regierungsdruck ausgesetzt. Manchen Sendeanstalten wurde in der Zwischenzeit gar schon mit einer möglichen Schließung im Fall einer zu konzentrierten Kritik an den Regierungsprogrammen gedroht (ich berichtete). Es zeigt sich, wie sehr Japan mit dem Rücken zur Wand steht.

Fünf Rezessionen in nur zweieinhalb Jahren - gigantische Staatsverschuldung

Fünf Rezessionen in den letzten zweieinhalb Jahren sprechen Bände...und dies trotz oder gar wegen eines elektronischen Geldprogramms der Bank of Japan, das die Welt in einem solchen Ausmaß noch nicht gesehen hat. Noguchi, der auch eine Reihe von Beststellern publiziert hat, warnt davor, dass sich die Falltür unter dem japanischen Yen tatsächlich öffnen dürfte, falls sich die geldpolitischen Maßnahmen in seinem Land fortsetzen sollten. 

Der heute an Tokios Waseda Universität lehrende Professor führte in einem Interview aus, dass der Außenwert des japanischen Yens bis auf 300, 500 oder gar 1.000 gegenüber einem US-Dollar abstürzen könnte, falls die japanische Wirtschaft in eine noch ausgeprägtere Schwächephase hineinschlittern sollte. Bereits heute lässt sich feststellen, dass Japans Wachstum seit mehr als einem Jahrzehnt stagniert.

Zum selben Zeitpunkt bedienten sich Regierung und Bank of Japan fiskal- und geldpolitischer Maßnahmen, die in der Geschichte ihres Gleichen suchen. Resultat ist, dass den Japanern die Schulden bis über beide Ohren gewachsen sind. Aktuell ist Japan laut offizieller Zahlen das höchst verschuldete Land der Welt. So hat die Staatsverschuldung ein Niveau von 250% des jährlich erwirtschafteten BIPs erreicht.

Bill Gross: Warnung vor einem japanischen "Finale"

Noguchi ging sogar noch einen Schritt weiter, indem er darauf hinwies, dass die Bank of Japan seiner Ansicht nach Helikopter-Geld abwerfe, indem Ausgaben der Regierung bereits direkt unter Zuhilfenahme der Notenpresse finanziert würden. Auch einige andere namhafte Stimmen – darunter Bondpapst Bill Gross – hatten zuletzt vor einem japanischen „Finale“ gewarnt, in dessen Zuge der BoJ nicht anderes übrig bleibe, als Schulden abzuschreiben.  

Hauptsächliches Problem der Geldschwemme ist ein Faktor, den wir in der Vergangenheit wiederholt angesprochen und diskutiert hatten (unter anderem auch in diesem interessanten Audiointerview zwischen Roman Baudzus und Japan-Experte Peter Babucke). Denn ein großer Teil des elektronisch erzeugten Notenbankgeldes bahnt sich seinen Weg in höchst unproduktive und oftmals spekulative Bereiche.

Auf diese Weise wird augenscheinlich bankrotten Unternehmen – so genannten Zombie-Firmen – die Möglichkeit gegeben, im Wettbewerb zu verbleiben. Diese Ansicht wird durch Noguchi geteilt. Hinzu gesellt sich die Tatsache, dass die Stimulierungsmaßnahmen nicht von Erfolg gekrönt waren. Darauf weisen eine ganze Reihe von Faktoren hin. So sind allen Hoffnungen zum Trotz weder Kapitalinvestitionen noch Löhne und Gehälter – geschweige denn die Preise – geklettert.

Yen-Abwertung und schwache Konsumausgaben

Noguchi ist der festen Auffassung, dass in Japan bereits Helikopter-Geld abgeworfen wird. Was sich im Hinblick auf das Bondankaufprogramm der BoJ beobachten ließe, sei, dass die Banken Bondemissionen der Regierung mit langer Laufzeit zeichneten, um diese danach sofort an die BoJ weiterzureichen. Japans Staatsverschuldung übersetzt sich wie folgt: Zum Ende des Jahres 2014 war jeder Japaner mit umgerechnet knapp $90.000 verschuldet.

Während der japanische Yen im Angesicht einer wilden Achterbahnfahrt um mehr als 25% abgewertet hat gegenüber dem US-Dollar, seitdem Premier Shinzo Abe sein Amt Ende 2012 antrat, weist Noguchi darauf hin, dass eben hierin die Krux liege, weswegen das Wachstum der Konsumausgaben in Japan blockiert sei. Japans Konsum wachse nicht mehr, da sich die Realeinkommen der Japaner am Sinken befänden. Hauptgrund für diese Entwicklung sei der zu schwache Yen.