Beobachter weisen darauf hin, dass die rekordniedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank insbesondere unter japanischen Investoren zu einem Verlassen der Eurozone führen. Eine Region profitiert von der aktuellen Geldpolitik der EZB ganz besonders: nämlich die USA. Hierin liege auch einer der Hauptgründe, weshalb der Euro seine Talsohle noch lange nicht durchschritten haben dürfte.

In Japan ansässige Investmentmanager gehörten im Monat August zu den Nettoverkäufern von französischen, italienischen und deutschen Staatsanleihen. Laut Beobachtern seien japanische Kapitalverwalter nicht nur nicht sonderlich angetan von der absehbaren Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone. Auch die vorherrschende Lage an den Zinsmärkten führt wohl dazu, dass sich insbesondere asiatische Investoren in Richtung der Vereinigten Staaten verabschieden.

Darauf weisen unter anderem auch neueste Daten von den US-Staatsanleihemärkten hin. Danach deckten sich japanische Investoren nun bereits den sechsten Monat in Folge mit den durch das US-Finanzministerium emittierten Schuldpapieren ein. Folge ist, dass der Außenwert der Gemeinschaftswährung Euro sich im laufenden Jahr selbst gegenüber dem japanischen Yen um etwa 6% verbilligt hat.

Ganz anders der US-Dollar, der in diesem Monat gegenüber dem japanischen Yen auf ein 6-Jahres-Hoch von in der Spitze 110,20 kletterte. Laut Analysten stünden die Renditen in der Eurozone unter einem enormen Abwärtsdruck. Diese Entwicklung spiegelt sich unter anderem in der Rendite des deutschen Bunds mit einer Laufzeit von 10 Jahren. Diese markierte zuletzt ein Rekordtief bei 0,85%.

Allerdings sei dies auch einer der Gründe, weshalb sich japanische Investoren nun verstärkt aus der Eurozone verabschiedeten. Denn an der Zinsfront sei eben kaum mehr etwas zu holen. Vielmehr sei Europa dazu verdammt, seine Bemühungen zur finanziellen Lockerung (QE) zu forcieren, so dass auf Euro-Basis finanzierte Carry Trades dazu beitragen werden, den Euro im Außenwert noch tiefer zu befördern.

Schuld an dieser Entwicklung trage vornehmlich die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die den Dollarraum immer attraktiver für ausländische Investoren mache. So genannte Carry Trades werden durch global aktive Investoren genutzt, um sich in einer Währung zu verschulden, der niedrige Zinssätze zugrunde liegen, um mit dem geliehenen Kapital hernach höher rentierliche Vermögenswerte in anderen Wirtschaftsräumen zu erwerben.

Nachdem EZB-Präsident Mario Draghi am Wochenende wiederholt ausführte, dass die EZB Gewehr bei Fuße stünde, um ihr Bilanzbuch um 1 Billion Euro auszuweiten, sehen viele Investoren – unter Berücksichtigung einer Beibehaltung der aktuellen Geldpolitik in Japan – Vorteile in Dollarraumanlagen. Immerhin wird die amerikanische Federal Reserve ihr Bondankaufprogramm wohl in diesem Monat beenden. Der US-Dollar und die Bondmärkte in den Vereinigten Staaten werden auf diese Weise attraktiver. 

Laut Bloomberg haben japanische Investoren unter Bezugnahme auf die Bank of Japan im laufenden Jahr umgerechnet etwa $50 Milliarden in ehedem gehaltenen Bundesanleihen abgestoßen. Auch französische und italienische Staatsanleihen wurden in ähnlichem Umfang veräußert. Wie die Daten zeigen, schichteten die japanischen Kapitalverwalter die dadurch frei werdenden Mittel im August insbesondere in amerikanische Staatsanleihen um.