Seit einigen Wochen lässt sich an den kanadischen Bondmärkten eine inverse Zinskurve beobachten, die traditionell auf den bevorstehenden Eintritt in eine Rezession hindeutet. „Völlig überraschend und unerwartet“ erfolgte die durch Statistics Canada für den Monat November gemeldete Schrumpfung der heimischen Wirtschaft also keineswegs. Es lässt sich leicht vorstellen, dass Amerikas Wirtschaft ihrem in der Welt ökonomisch am stärksten verwobenen Wirtschafts- und Handelspartner in absehbarer Zeit folgen dürfte.   

Der Zustand der US-Wirtschaft macht oberflächlich betrachtet den momentan solidesten Eindruck unter allen wichtigen Wirtschaftsnationen. Doch gräbt man ein wenig tiefer in den aus den Vereinigten Staaten gemeldeten Wirtschaftsdaten, so ist der Lack ganz schnell ab. Vielleicht sehen die USA im internationalen Vergleich zurzeit auch deshalb (noch) besser aus, da sich deren Behörden auf das Faken der eigenen Statistiken besser verstehen als andere.

Stellvertretend seien hier nur die allmonatlich publizierten Lachnummern zur Entwicklung an den amerikanischen Arbeitsmärkten oder auch die gemeldeten BIP-Daten aus dem 3. Quartal 2014 (+5%) genannt, an deren Zustandekommen insbesondere „Obamacare“ einen enormen Anteil hatte. Doch, liebe Leser, all diese Statistikflickschusterei sagt schon lange nichts mehr über den realen Gesundheitszustand der US-Wirtschaft aus.

Wirtschaften der USA und Kanadas die am stärksten miteinander verwobenen Handelsräume in der ganzen Welt

Nun, man braucht aus amerikanischer Perspektive nicht über den großen Teich zu schauen, sondern sollte sein Augenmerk in Bezug auf rückläufige Wirtschaftsaktivitäten in diesen Tagen vielmehr auf Kanada richten. Warum? Ganz einfach schon einmal deswegen, weil das Ahornland der größte Wirtschafts- und Handelspartner der USA in der Welt ist. Ich hatte vor einigen Monaten berichtet, dass sich an Kanadas Bondmärkten eine inverse Zinskurve – der klassische Indikator für eine bevorstehende Rezession – herausbilden könnte.

Diese inverse Zinskurve ist nun zur Realität geworden. Ein Blick auf Kanadas Bondzinsen vom letzten Januartag zeitigt folgende Resultate:

  • 30-jährige:   1,835 %
  • 10-jährige:   1,252 % 
  • 5-jährige:     0,602 % 
  • 3-jährige:     0,386 % 
  • 2-jährige:     0,395 % 
  • 1-jährige:     0,496 % 
  • 1-monatige: 0,581 %


Wie sich zeigt, sind die Zinsen bereits bis in den 3-jährigen Bereich invers. In Antizipation einer bevorstehenden Rezession im Ahornland ließ sich die Bank of Canada am 21. Januar überraschenderweise dazu hinreißen, den eigenen Leitzins – zum ersten Mal seit dem Jahr 2010 – von bis dahin rekordniedrigen 1% auf 0,75% zu reduzieren. Wie zuletzt berichtet, setzte der Loonie, der vor nicht allzu langer Zeit gar noch einen stärkeren Außenwert als der US-Dollar aufwies – seine Talfahrt fort.

Innerhalb von nur kurzer Zeit hat der Cad-Dollar nun um rund 25% im Vergleich mit dem Greenback abgewertet. Man sollte sich die Zeit nehmen, um über diese Entwicklungen einmal nachzudenken. Denn im Falle der Vereinigten Staaten und Kanadas handelt es sich um die am stärksten miteinander verwobenen Wirtschaften in der ganzen Welt. Schon in den Jahren 2006 bis 2008 zeigte sich, wie sehr die ökonomischen Schicksale beider Nationen miteinander verknüpft sind.

Warum sollte sich an dieser Tatsache etwas geändert haben? Nachdem neueste Daten von Statistics Canada zeigten, dass die Wirtschaft des Landes im November erstmals wieder um 0,2% gegenüber dem Vormonat geschrumpft ist, versucht sich die Bank of Canada mittels neuerlicher Zinssenkungen gegen eine sich abzeichnende Rezession zu stemmen. Man könnte sich – unter Berücksichtigung der aktuellen Zinskurve – zu der Mutmaßung verleiten lassen, dass sich Kanada wohl schon in einer Rezession befindet.

Nach wie vor gehen viele Narren an den Finanzmärkten davon aus, dass die Federal Reserve ihren Leitzins im Sommer dieses Jahres tatsächlich um einen Viertelprozentpunkt anheben wird. Wirklich? Wie soll das – im Angesicht eines in jüngster Zeit um 30% zulegenden Dollarindexes – gut gehen?! Laut Aussagen von Vorständen der größten US-Konzerne belaste der Greenback Amerikas Exportaktivitäten immer stärker.

Deutlich wird, dass die US-Exportaktivitäten in den nächsten Quartalen keinen positiven, sondern einen negativen Beitrag zum US-BIP leisten werden. Weitläufige Senkungen der Gewinnprognosen und des zukünftigen Ausblicks unter Amerikas wichtigsten Unternehmen untermauern diese These. Um wieder zur Zinsfront zurückzukehren, so hielt die Bank of Canada ihren Leitzins seit mehr als vier Jahren auf einem konstanten Niveau.

Vor zwei Wochen änderte sich nun also urplötzlich. Warum? Eine Antwort findet sich in dem damals publizierten Statement der kanadischen Zentralbank, in dem es hieß, dass die deutlich rückläufigen Rohöl- und Gaspreise ein Niveau erreicht hätten, das sich stark belastend auf die kanadischen Wirtschaftsaktivitäten auswirke. Kanadas Wirtschaft – obwohl stark von Rohöl-, Gas- und Metallexporten abhängig – ist in einem weitaus höheren Grad diversifiziert als viele andere Rohstoffexportländer.

Trotz allem ist die kanadische Wirtschaft bei Weitem stärker von Rohstoffexporten abhängig als die der Vereinigten Staaten. Hierin könnte einer der Gründe liegen, warum sich Kanadas Ökonomie viel schneller von der letzten Rezession erholte als die USA. Um es in anderen Worten auszudrücken, trugen die ab dem Jahr 2009 wieder merklich anziehenden Rohöl- und Metallpreise stark dazu bei, Kanadas rohstoff- und energiedominierter Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen.

Doch jetzt lässt sich eben genau das umgekehrte Phänomen beobachten. Die eingebrochenen Rohöl-, Gas- und Metallpreise treffen Kanadas Wirtschaft schneller, härter und bevor diese Entwicklung auf den großen Handelspartner USA überspringen wird. Kanadas Zinskurve weist seit mehreren Wochen einen inversen Verlauf auf. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Übersetzt bedeutet dies, dass die kurzfristigen Zinsen (3 Monate, 1 Jahr, 3 Jahre) niedriger sind als die langfristigen Zinsen (10 Jahre, 30 Jahre).

Anleihen mit sechsmonatiger Laufzeit werden zurzeit höher verzinst als diverse Pendants im 3-jährigen Bereich. Normal ist das nicht. Denn – wie weiter oben bereits erwähnt – erwies sich die Herausbildung einer inversen Zinskurve in der Vergangenheit stets als klassischer Indikator für eine bevorstehende Rezession. Die meisten Bondinvestoren zeigen sich derart besorgt mit Blick auf die absehbare Zukunft, dass kurzfristige Risiken höher bepreist werden als langfristige Risiken.

Falls sich Kanadas Wirtschaft nicht schon bereits in einer Rezession befindet, können Sie darauf wetten, dass dies bald der Fall sein wird. Mit blick auf die amerikanischen Bond- und Zinsmärkte hat sich bislang noch keine inverse Zinskurve herausgebildet. Doch dies könnte schneller geschehen als es sich manche Leute vorzustellen wagen. Doch dazu bräuchte es wohl auch aktive Mithilfe des Dutzend Zentralbankapostel, welche die Strategie der Federal Reserve bestimmen.

Der starke Außenwert des US-Dollars und rekordniedrige Zinssätze im Rest der Welt tragen dazu bei, die langfristigen Zinsen in den USA (ab Laufzeiten von 5 Jahren) weiter nach unten zu befördern. Während die langfristigen Zinsen weiter am Sinken sind und neue Allzeittiefs ansteuern, müssten die Fed-Apostel in der Tat so wahnsinnig sein, um den eigenen Leitzins im Sommer dieses Jahres anzuheben. In diesem Fall würden die kurzfristigen Zinsen in den USA sofort steigen, eine inverse Zinskurve wäre wohl das Resultat.

Doch weswegen sollte man eigentlich davon ausgehen, dass die Fed-Mitglieder heutzutage besser als in der Vergangenheit wüssten, was sie tun? Die Ereignisse und die damit verbundenen Boom & Bust Zyklen zeigen, dass eine Handvoll von Zentralbankbürokraten, die sich anmaßen, dauerhaft an den Zinsmärkten zu intervenieren und diese hochgradig zu manipulieren, dies eigentlich nie wussten.

Denn ansonsten wären die durch die Fed in den letzten Dekaden erst aufgepumpten Blasen ja nicht allesamt mit einem lauten Knall geplatzt. Von einer erfolgreichen Geldpolitik kann also gewiss keinerlei Rede sein. Abschließend möchte ich zum Ausdruck bringen, dass die an den globalen Bondmärkten zu beobachtenden Entwicklungen nichts Gutes verheißen. Denken wir einfach zurück an die Tage der platzenden Häuserblase in den USA.

Da saß ein Ben Bernanke im Studio von CNBC und fabulierte über eine äußerst robuste US-Wirtschaft, und dass sich davon ausgehen ließe, dass Amerikas Häuserpreise noch über einen langen Zeitraum – wenn nicht gar auf ewig – weiter steigen würden. Zu diesem Zeitpunkt war die Immobilienblase schon geplatzt. Ich habe den Glauben schon lange daran verloren, dass Zentralbanker mehr wüssten als alle anderen Marktakteure.

Vielmehr hat sich meine Ansicht in den vergangenen Jahren verfestigt, dass sie einfach nicht wissen, was sie tun. Und aus diesem Grunde weitaus dümmer sowie aus purer Not und einem sich stetig verschärfenden Druck heraus agieren. Umso mehr sie in der Vergangenheit falsch machten, desto mehr wollen sie uns nun erzählen, alles unter Kontrolle zu haben. Und umso mehr Notenbanken die Kontrolle über ihre eigens initiierten Verzweiflungsaktionen verlieren, desto mehr politische Kontrolle versuchen sie sich anzueignen, um ihre in der Vergangenheit begangenen Fehler unter den Teppich zu kehren!

Es ist nichts als blanker Unsinn! Ben Bernanke steht stellvertretend Pate für diese Sichtweise.