Liebe Leser,

immer wieder berichte ich anhand eines fundamentalen Ansatzes über die Finanzmärkte und Unternehmen im speziellen. Dabei nutze ich für meine persönlichen Analysen dann immer wieder bekannte Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) oder auch das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV).

Ebenso wie die Dividendenrendite verschaffen diese Kennzahlen einen ersten Überblick über die aktuelle Bewertung einer Aktie am Markt. Wichtig dabei ist es natürlich zu wissen, was es mit diesen Kennzahlen auf sich hat, wie diese also entstehen und ab welchem Wert ein Unternehmen als günstig zu betrachten ist.

KBV

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis wird ermittelt, indem das in der Bilanz aufgeführte Eigenkapital durch die Anzahl der Aktien dividiert und dann ins Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs gesetzt wird. Wenn sich dieser Wert nun unter der Marke von 1 befindet, wird das Unternehmen an der Börse billiger gehandelt als es der eigentliche Wert wiederspiegelt. Warren Buffett betitelt dies damit die Chance zu bekommen 1 US-Dollar für lediglich 50 Cent zu erwerben. Benjamin Graham, hat zu seinen Zeiten geraten auf eine Sicherheitsmarge (also der Abstand zwischen innerem Wert und aktuellem Börsenwert) von 30% zu achten. Dies würde einem KBV von 0,7 oder kleiner entsprechen. Allgemein sollte sich das KBV jedoch unter einem Wert von 1,5 bewegen.

KGV

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis gehört neben dem KBV sicher zu den meistbeachteten Kennzahlen, will man die fundamentale Bewertung eines Unternehmens analysieren. Dabei wird der Unternehmensgewinn durch die Anzahl der Aktien geteilt (Gewinn je Aktie – dieser lässt sich normalerweise auch direkt in den Geschäftsberichten finden) und ebenfalls ins Verhältnis zum Aktienkurs gestellt. Aus historischer Sicht liegt das durchschnittliche KGV aller Unternehmen weltweit zwischen 10-20. Demnach lässt sich sagen, dass Unternehmen unter einem KGV von 10 auf den ersten Blick als günstig erscheinen.

Dividendenrendite

Die Dividendenrendite ergibt sich aus der gezahlten Dividende im Verhältnis zum Aktienkurs und soll für Anleger eine ständige Verzinsung ihrer Anlage darstellen. Dabei schüttet das Unternehmen einen Teil seines Gewinns an seine Anteilsinhaber aus, um diese am Erfolg des Unternehmens partizipieren zu lassen.  Gerade aktuell in volatilen Zeiten können Dividenden sehr stark variieren. So ist es momentan nicht selten Unternehmen mit einer Dividendenrendite von 10% zu finden. Im Normalfall jedoch sollte es das Ziel sein Dividendenrenditen zu erwirtschaften, die über dem Realzins liegen. Dafür sollte jedoch vor allem die Kontinuität der Gewinnausschüttungen Beachtung finden.  Plant ein Unternehmen sinnvoll und ist der Vorstand daran interessiert und dazu in der Lage eine Dividende jedes Jahr leicht zu erhöhen oder zu mindestens konstant zu halten? Warum plant ein Unternehmen eine Dividendenerhöhung? Warum ist die Dividende im letzten Jahr zurückgegangen usw. Gerade der letzte Punkt muss nicht immer negativ sein. Eine gesunkene Dividende heißt aus meiner Sicht auch, dass das Unternehmen sich auf schlechteres Fahrwasser (warum dies auch immer der Fall ist) einstellt) einstellt und mit den verfügbaren Mitteln defensiver wirtschaften will. Ebenso sollte man berechnen, wie gut die Dividende durch den Gewinn abgedeckt ist. Einen Wert von über 40% des Gewinns, der für die Dividende verwendet werden muss halte ich persönlich für hoch.

Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote spielte in der jüngeren Vergangenheit eine immer wichtigere Rolle, aufgrund der Stabilität gerade von Unternehmen im Finanzsektor. Diese sollen durch BASEL III bis 2019 einen immer höheren Puffer ihres Kernkapitals aufweisen, um bei stärkeren Marktschwankungen vom angesparten Kapital zehren zu können und nicht direkt in Schwierigkeiten zu geraten.

Benjamin Graham verlangte nach seiner Analyse ein Eigenkapital, welches nicht vom Fremdkapital überstiegen wird – somit also eine Eigenkapitalquote von 50% aufweist. Jedoch ist auch ein solcher Wert heute sehr schwer zu finden, weshalb ich zum Blick in die gesamte Branche (siehe weiter unten) rate. Durch Branchenspezifische Merkmale bei der Geldbeschaffung können diese häufig stark variieren, wodurch ein Vergleich zur Konkurrenz ratsam ist. Bei den 30-Dax Titeln schwankt das Eigenkapital im Durschnitt zwischen 20-50%. Ein Beispiel ist jedoch die Beiersdorf AG, die in 2012 mit 57% nach oben hinaussticht. Finanzinstitute wie Allianz mit ca. 7% oder die Deutsche Bank mit lediglich 2,68% hingegen sind aufgrund ihrer Natur unten zu finden.  

KCV

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis spiegelt die Ertragskraft eines Unternehmens wieder. Der Cashflow als Saldo aus Mittelzufluss und - abfluss ist dafür die wohl wichtigste Kennzahl. Ein niedriges KCV deutet also daraufhin, dass der aktuelle Aktienkurs im Verhältnis zur Ertragskraft eines Unternehmens günstig ist. Eine Studie des Handelsblattes aus 2012 hat ergeben, dass die 15 deutschen Unternehmen mit dem geringsten KCV einen Wert zwischen 2,4 - 3,9 aufgewiesen haben.

Jedoch bleibt auch beim KCV eins zu beachten. Sollte der Cashflow innerhalb eines Unternehmens sehr lange Zeit hoch sein kann dies auch Nachteile aufzeigen. So wird Managern z.B. häufig unterstellt, dass ihnen die Phantasie und/oder der Tatendrang fehlt die Barmittel weiter in das Wachstum der Firma zu investieren.

KUV

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis wird ebenso wie die anderen Kennzahlen ermittelt. Also der Umsatz durch die Anzahl der Aktien im Verhältnis zum Aktienkurs. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis ist besonders wichtig bei Unternehmen, die noch neu am Markt sind und keine Gewinne erwirtschaften. Auch hier gilt natürlich; Je geringer das KUV, desto günstiger scheint ein Unternehmen an der Börse bewertet zu sein. Die gleiche Studie des Handelsblattes hat ergeben, dass die 15 niedrigsten Werte aller deutschen Unternehmen sich zwischen 0,10 – 0,26 bewegten.

Intangible Assets

Die intantigble Assets, also die unsichtbaren Werte spielen ebenso bei jeder Bewertung eines Unternehmens eine Rolle. So existieren in jedem Unternehmen auch Werte, die sich nicht in der Bilanz wiederspiegeln und daher auch nicht in die Berechnung der genannten Kennzahlen mit einfließen. Dies resultiert u.a. daraus, dass Unternehmen vorschriftsmäßig häufig nach dem Niederstwertprinzip bilanzieren. Dabei wird also der Wert des Umlaufvermögens oder des Anlagevermögens aufgrund des Vorsichtprinzips so gering wie möglich angesetzt, wohingegen Schulden nach dem Höchstwertprinzip so hoch wie möglich bilanziert werden.

Wenn nun ein Unternehmen z.B. Anlagen, Immobilien oder Lagerbestände, die ja auch aus Rohstoffen (Holz, Öl, Kupfer etc.) bestehen können, unter ihrem Marktwert bilanziert, ist das Unternehmen also im eigentlichen Sinne mehr wert, als es das Eigenkapital und somit das KBV ausweist.

Weiterhin gibt es noch unsichtbare Werte wie z.B. Patentrechte (Pharmaindustrie), ein gewisses Know-How und einen dadurch entstandenen Marktvorteil (Technologie), die Marktmacht mit erschwerten Eintrittsbarrieren für neue Konkurrenten (Beispiel Coca-Cola), ein einleuchtendes und erfolgreiches Geschäftsmodell oder auch ein exzellentes Management. Diese Faktoren gilt es ebenso zu beachten, wie die nackten Zahlen will man am Erfolg eines Unternehmens partizipieren.

Scheuklappen auf!

Bei der Betrachtung aller genannten Faktoren, die beachtet werden sollten, wenn ein Unternehmen analysiert wird gilt jedoch auch darauf zu achten den Titel immer im Kontext zu sehen. So kann auch ein KBV von über 1 selbstverständlich für ein günstiges Unternehmen sprechen, wenn Konkurrenten deutlich teurer bewertet scheinen. Daher ist es immer hilfreich eine ganze Branche zu sehen und den Vergleich des Unternehmens zu suchen. Neben einem Branchenvergleich hilft ebenfalls auch der Vergleich mit dem Index. So kann eine gering bewertete Aktie beispielsweise in einer im Schnitt teureren Branche aktiv sein, bewegt sich jedoch in einem Land, welches aufgrund konjunktureller Daten in großen Schwierigkeiten steckt. Dann nutzt am Ende auch die schönste Bewertung nichts, wenn der sich heimische Markt in einer Rezession befindet oder darauf zubewegt. 

Wenn all die genannten Faktoren bei der Bewertung eines Unternehmens beachtet werden steigen auf jeden Fall die Chancen für Sie ein attraktives Investment auszumachen und rentabel zu investieren.

In diesem Sinne wünsche Ich Ihnen weiterhin erfolgreiche Investments!

Ihr Andreas Meyer


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