Nochmal Teil 1

Nochmal Teil 2

Nochmal Teil 3

Die sonderbare libysche Opposition

Die sogenannte libysche Opposition selbst ist eine bunte Mischung politischer Opportunisten, inklusive ehemals von der CIA trainierter Mudschahidin-Guerillas wie Abdel Hakim al-Hasidi der libysch-islamischen Kampfgruppe, der offen enge Verbindungen mit al-Qaida bis zurück nach Afghanistan zugibt. 12) Damit steigt in jedem Falle das Niveau der Unglaubwürdigkeit von Washingtons bizarrster Militärkampagne der jüngsten Zeit.

Zur Opposition gehören ebenfalls ehemalige hochrangige Regimemitglieder, die sich an der Seite von Amerika, Großbritannien und Frankreich unterstützen Opposition besser aufgehoben sahen. Ferner finden sich noch ein paar unverhohlene Halsabschneider, die, unterstützt von Washington, London oder Paris, eine Chance witterten, die Kontrolle über eines der reichsten Länder der Erde zu erlangen. Ihre ‘Opposition‘, anders als in Tunesien oder anderswo, ist zu keiner Zeit ‘gewaltlos‘ gewesen. Sie war von Beginn an eine bewaffnete Revolte, ein Stammeskrieg, nicht das heißblütige Streben nach Demokratie. Die NATO-Mitgliedsstaaten werden von Washington angewiesen, eine Tyrannen-Bande beim Rausschmiss einer anderen zu helfen, deren Agenda sich nicht mit dem deckt, was das Pentagon als “Full-Spectrum Dominance” erachtet.

(Anm. der Redaktion: Mehr zu Full-Spectrum Dominance erfahren Sie im gleichnamigen Artikel der deutschsprachigen Wikipedia.)

Für den Großteil der Welt ist die libysche ‘Opposition’ noch immer ein vages vom CNN oder der BBC geliefertes Bild einer Steine werfenden Jugend, die vor den gut positionierten Kameras nach Freiheit und Demokratie ruft. In Wahrheit verhält es sich jedoch ganz anders. Wie George Friedman von STRATFOR darlegte, „bestand der Libyen-Aufstand aus einer Ansammlung von Stämmen und Persönlichkeiten, einigen aus der libyschen Regierung, manchen aus der Armee und vielen anderen, die sich schon länger gegen das Regime auflehnen.“ Er fügt hinzu: „Es wäre ein großer Fehler, das was in Libyen passiert ist, als einen freiheitlich-demokratischen Massenaufruhr zu sehen. Die Erzählweise muss bereits gestreckt werden, damit sie in den meisten Ländern funktioniert, doch in Libyen bricht sie vollständig zusammen." 13)

(Anm. der Redaktion: STRATFOR steht für “Strategic Forecasting” und ist ein als Unternehmen geführter privater Nachrichtendienst mit Sitz in Austin, Texas. Der Dienst zählt nach Firmenangaben knapp 300.000 zahlende Abonnenten. Mehr unter stratfor.com.)

Es zeigt sich, dass die hauptsächliche Opposition gegen Gaddafi aus zweier sehr seltsamer Organisationen entstammt - der Nationalen Front zur Befreiung Libyens (NFSL)und einer bizarren Gruppe, die sich selbst als das Islamische Emirat Barce bezeichnet. Das ist der ehemalige Name des nord-westlichen Teils von Libyen und der gleichnamigen Stadt. Seine Führung behauptet, die Gruppe bestehe aus früheren al-Qaida-Kämpfern, die zuvor aus dem Gefängnis freikamen. Ihre Bilanz des Blutvergießens ist bis heute beeindruckend.

Die zentrale Oppositionsgruppe in Libyen ist eben diese Nationale Front zur Befreiung Libyens, die Berichten zufolge von Saudi Arabien, der CIA und dem französischen Gemeindienst finanziert wird. Sie taten sich mit anderen Oppositionsgruppen zum Nationalen Konferenz der Libyschen Opposition zusammen. Es war diese Organisation, die den Tag des Zorns ausrief, welcher Libyen am 17. Februar ins Chaos stürzte. 14)

Die Schlüsselfigur in der Nationalen Front zur Befreiung Libyens ist ein gewisser Ibrahim Sahad, der zweckdienlicherweise in Washington lebt. Nach den Archiven der Kongressbibliothek ist Sahad derselbe Mann, den die CIA bei ihrem gescheiterten Libyen-Putsch 1984 einsetzte. Die Library of Congress bestätigt weiterhin, dass die CIA die NFSL vor und nach dem missglückten Coup ausgebildet und unterstützt hat. Am 11. März erkannte die französische Regierung als erste die NFSL diplomatisch an, welche nun unter dem formlosen Deckmantel einer Dachgruppe agiert, die sich Nationaler Übergangsrat nennt - und wenig mehr als die alte NFSL ist: eine seit Jahren von den Saudis, den Franzosen und der CIA finanzierte Gruppe. 15)

Der neue Übergangsrat wie vermeldet nicht viel mehr als die alte NFSL - eine nicht-gewählte Gruppe gealterter Monarchisten im unternehmerischen Exil, nun von Gaddafi abtrünnig, die eine Gelegenheit wittern, ein großes Stück vom Öl-Kuchen abzubekommen und ihre Träume vom Ruhm mit Hilfe der Saudis, der Franzosen und der CIA zu verwirklichen. Dies sind diejenigen, in deren Auftrag die NATO jetzt kämpft. Der Nationale Übergangsrat, angeführt von Mustafa Abdul Jalik, ist in Bengasi angesiedelt und kontrolliert den größten Teil des Ostens des Landes.

Dem Nationalen Übergangsrat gehören auch solche ehemalige Gaddafi-Regime-Insider an wie der libysche Ex-Justizminister Mustafa Abdell-Jalil und der ehemalige Innenminister General Abdel Fattah Younis, der sich bereits früher vom Gaddafi-Regime absetzte. Bereits kurz nach der Gründung warben sie in Washington und bei anderen westlichen Regierungen um Unterstützung. Sie möchten eine bewaffnete Offensive gegen die von der Regierung kontrollierten Gebiete im Westen starten, um Gaddafi zu stürzen. Dies ist kaum eine unschuldige und spontane Twitter-Revolte, obwohl die Revolten in Tunesien, in Ägypten und anderswo bei Weitem auch nicht spontan gewesen sind. 16)

Anfang März entsandte der Übergangsrat seinen De-facto-Außenminister Ali al-Essawi und Abdel-Jalils Spießgesellen Mahmoud Jebril nach Paris, wo die französische Regierung offenkundig ihre Gelegenheit witterte, auf die Innenbahn eines künftigen Regimes in Tripolis zu gelangen. Daraufhin erkannte Frankreich den Übergangsrat als die ‘legitime Repräsentanz‘ des libyschen Volks an. 17) Direkt danach wurde Frankreich zur führenden Stimme für eine (natürlich) von Frankreich geleitete militärische Intervention im Namen der neu gefundenen Rebellen-Freunde in Bengasi.

Während die Franzosen eine enge Verbindung zum diplomatischen Flügel der bunt zusammengewürfelten Bengasi-Rebellen zu haben scheinen, haben die Briten ihre Aufmerksamkeit auf den militärischen Flügel konzentriert, wo der ehemalige Innenminister Gaddafis General Abdel Fattah Younis ihr Mann zu sein scheint. Younis befehligt nun eine “Armee” des Übergangsrates. 18)

Hillary Clinton ebenfalls aufgemacht, die Bande der USA zu den Aufständischen zu festigen. Am 13. März traf sie sich, wie gemeldet wurde, in Kairo mit Anführern der Oppositions-Rebellen. Kairo ist ja nun ein Ort, der fest in den Händen eines vom Pentagon abhängigen ägyptischen Militärrats ist, nachdem die Twitter-Jugend ihren Zweck der Entthronung Mubaraks erfüllt hatte. Als sie das Treffen ankündigte, sagte sie: „Wir reichen der Opposition innerhalb und außerhalb Libyens die Hand. Ich werde mich mit einigen dieser Persönlichkeiten sowohl hier in den USA als auch während meiner Reise nächste Woche treffen, um zu besprechen, was die USA und andere noch tun können.“ 19)

Im westlichen Teil Libyens wird die kämpfende Opposition von der zweiten von Frankreich anerkannten Gruppe angeführt, des Islamischen Emirats Barce. Die Gruppe ist als eine Gruppe von „betagten Verbannten und Abtrünnigen des ehemaligen Gaddafi-Regimes beschrieben worden [...] welche die monarchistische Flagge des alten Königs Idris schwenken“. 20) - nicht gerade eine revolutionäre Twitter-Jugendbewegung mit drängend demographisch bedingten Absichten.

Fazit

Zum Zeitpunkt des Verfassend dieser Zeilen ist es so weit klar, dass für Washington und seine ‘Koalition der Unwilligen‘ beim Entfachen dieses neuen Kriegs über Libyen weit mehr auf dem Spiel steht als sich irgendwer eingestehen zu vermag. Ob dieser die ersten Schüsse eines neuen Weltkriegs darstellt oder ob diverse Regierungen innerhalb und außerhalb der NATO die Kraft haben, der betörenden Macht des Pentagon-Kriegsapparats zu widerstehen, ist offen. Was feststeht ist, dass die jüngsten Geschehnisse, die Ende 2010 in Tunesien begannen, nur ein Teil einer kolossal großen und zunehmend verzweifelten US-Strategie einer ‘kreativen Zerstörung‘ sind. Bis jetzt zumindest ist es für die in den betroffenen Regionen Lebenden alles andere als kreativ gewesen.

Fußnoten:

12 Praveen Swami, et al, Libyan rebel commander admits his fighters have al-Qaeda links, The Telegraph,

London, 26. März 2011. 13 George Friedman, Libya, the West and the Narrative of Democracy, Stratfor, 21. März 2011, abgerufen in http://www.stratfor.com/weekly/friedman_on_geopolitics.

14 David Rothscum, op cit.

15 Ibid.

16 Anthony Shadid and Kareem Fahim, Opposition in Libya Struggles to Form a United Front, The New York Times, 8. März 2011.

17 Stratfor, Libya's Opposition Leadership Comes into Focus, 20. März 2011, abgerufen auf www.stratfor.com/analysis/20110307-libyas-opposition-leadership-comes-focus.

18 Ibid.

19 Robert Dreyfus, Will the World Recognize the Libyan Opposition?, The Nation, 10. März 2011, abgerufen auf http://www.thenation.com/blog/159138/will-world-recognize-libyan-opposition.

20 Matt Checker, Reasons against "intervention" in Libya, abgerufen auf www.spiral-m.de/blog.html