Hier geht es zum ersten Teil

In der Tat waren es nicht nur philanthropische Beweggründe, die Dieter Schwarz zur Gründung seiner gemeinnützigen Dieter Schwarz Stiftung gGmbH bewogen haben. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der Erhalt und die Sicherung des Unternehmens über seinen Tod hinaus im Vordergrund seines Interesses und das seiner Erben standen. Hier nun noch einmal die Grafik aus Teil 1, die die Grundstruktur des Dieter-Schwarz-Imperiums aufzeigt:

Weitestgehend unbekannt ist die Tatsache, dass neben der Dieter Schwarz Stiftung gGmbH eine zweite Gesellschaft mit den Namen Dieter Schwarz Stiftung Zweite gGmbH gegründet wurde. Schaut man sich die Gesellschaftsverträge beider gGmbhs an – sie liegen dem Autor in notariell beglaubigter Abschrift vor - wird schnell deutlich, dass neben dem gemeinnützigen und mildtätigen Zweck auch weniger altruistische Gründe für die Schaffung dieses Firmenkonstrukts eine große Rolle gespielt haben. Deutlich wird auch, dass es Sinn macht bei zwei leiblichen Töchtern eine weitere Stiftung gGmbH zu gründen, wobei die genauen Beteiligungen der beiden Gesellschaften im Verborgenen bleiben. 

Und so heißt es unter §12 der ersten gGmbH:

[...] Geschäftsanteil der Dieter Schwarz Familienstiftung

Mit der Einräumung des Geschäftsanteils Nr. 2 an die Dieter Schwarz Familienstiftung („DSF“) ist sichergestellt, dass über den Vorstand von DSF ein Familienangehöriger von Herrn Dieter Schwarz, insbesondere nach seinem Tod, an der Gestaltung der Gesellschaft (mittelbar) Anteil hat. Daher ist der Geschäftsanteil Nr. 2 nur stimmberechtigt, wenn er durch Familienangehörige von Herrn Dieter Schwarz (Ehefrau oder Abkömmlinge) vertreten wird, die dem Vorstand der DSF angehören. [...]

... und in der zweiten gGmbH ebenfalls unter §12

[...] Mitgliedschaftsrechte der Familie Schwarz

Als Gesellschafter mit einem Geschäftsanteil über je Euro 10.000 sind nach dem Tod von Herrn Dieter Schwarz je ein geeigneter (leiblicher oder adoptierter) Abkömmling von Herrn Dieter Schwarz aus den Familienstämmen der beiden Töchter („Familiengesellschafter“) zu berufen; [...] Sämtliche stimmberechtigten Gesellschafter (ausgenommen Familiengesellschafter) und der Inhaber des Geschäftsanteils mit der lfd. Nr. 2 (Anm. des Autors: es handelt sich um die Dieter Schwarz TV-Vermögensverwaltung GmbH, Neckarsulm) können einstimmig beschließen, dass ein bereits Gesellschafter gewordener Familiengesellschafter aus der Gesellschaft ausscheidet. In beiden Fällen kann der betroffene Familienstamm einen anderen Familiengesellschafter benennen, der nach Maßgabe von Abs. 1 zu berufen ist. [...] Soweit keine zwei Familiengesellschafter vorhanden sind, sind die für Abkömmlinge vorgesehenen Geschäftsanteile für spätere Generationen bereit zu halten, ggf. als eigene Anteile der Gesellschaft. [...]

An dieser Stelle möchte ich Sie – liebe Leser – ganz herzlich beim Klub der glücklichen Spermien willkommen heißen. [1/2] Und ich gebe an dieser Stelle zu, dass es auch mir als dreifachen Familienvater zunächst einmal selbst schwer fällt und Überwindung kostet, sich einzugestehen, dass der eigene Nachwuchs nur aufgrund der Abstammung im Grunde wenig Anspruch hat, einen leistungslosen Kapitalertrag in Form einer Erbschaft zu erhalten ohne dafür irgendwelche Steuern zahlen zu müssen. Auch wenn es sich um bereits versteuertes Einkommen handelt. Schließlich ist das Geld, dass beispielsweise zum Einkauf bei Lidl und Kaufland verwendet wird auch bereits versteuertes Einkommen, das die Gewinne der Konzerne erst ermöglicht. Von daher halte ich es für völlig legitim und auch nötig, leistungslose Kapitalerträge steuerlich mindestens den Einkommen aus Arbeit gleichzustellen, wenn nicht diese noch stärker im Vergleich zu Arbeitseinkommen zu besteuern. [3]

Und gerade die Konstruktion des Schwarz-Imperiums ermöglicht es völlig legal, das Vermögen des Dieter Schwarz, in Form seiner an die gGmbHs übertragenen Anteile an Lidl, Kaufland und den unzähligen anderen Firmen langfristig zu schützen und die familiäre Unternehmensnachfolge steuerfrei über Generationen zu sichern. Erbschafts- und/oder Schenkungssteuern sind bei dieser Konstruktion der Gemeinnützigkeit ausgeschlossen. Im Übrigen bietet diese Gesellschaftsform hervorragenden Schutz vor beispielsweise feindlichen Übernahmen von Unternehmen, die an der Börse gang und gäbe sind.

Ähnliche Gründe liegen bei den Unternehmen Lidl und Kaufland vor, die jeweils eigenständig als Stiftung & Co KG firmieren. Auch dieses Konstrukt eignet sich hervorragend, um beispielsweise die eigenen Kinder über Firmenerträge bestmöglich versorgen zu können. Im Fall von Lidl und Kaufland sind die Komplementäre (persönlich haftende Gesellschafter) die jeweiligen Stiftungen. Geleitet werden diese vom berufenen Stiftungsvorstand. In der Satzung der Stiftung werden fähige Manager als Geschäftsführer bestimmt, die gleichzeitig als Manager des Gesamtunternehmens fungieren. Als Kommanditisten „getarnt“ können nun die eigenen Kinder und Familienangehörige am hervorragend und professionell geführten Unternehmen mit den Gewinnausschüttungen beteiligt werden, ohne dass diese freilich etwas mit der Leitung desselben zu tun hätten oder eine Arbeitsleistung erbringen müssten.

Auch an dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Schilderung dieses Sachverhalts nichts mit Neid zu tun hat. Vielmehr sollte die Frage erlaubt sein, ob es in einer Gesellschaft richtig sein kann, dass die Leistungsträger eines Unternehmens, nämlich vornehmlich die Verkäuferinnen, Verkäufer, Lagerarbeiter, etc. mit Hungerlöhnen abgespeist werden und der moderne Geldadel aufgrund seiner Abstammung mehr oder weniger leistungslos einen übermäßigen Anteil der Erträge eines Unternehmens für sich beansprucht. In der Tat handelt es sich hierbei um einen modernen Feudalismus, - eine neue Herrschaft des Geldadels, die zwischenzeitlich überwunden zu sein schien.

Im Falle eines Dieter Schwarz sprechen wir beispielsweise lt. Forbes Liste [4] von einem geschätzten Vermögen in Höhe von 15 Milliarden Euro, das allein im letzten Jahr um geschätzte 3 Mrd. Euro angewachsen sein soll. 3 Mrd. Euro pro Jahr entsprechen in etwa einem Einkommen von 8 Millionen Euro pro Tag. [4]

Vor diesem Hintergrund relativieren sich auch die wohltätigen Spenden für Bildung und Erziehung der Dieter Schwarz Stiftung [5], die verschiedenen Quellen nach heute etwa zwanzig bis dreißig Millionen Euro pro Jahr betragen dürften und vornehmlich aus Spenden der Lidl und Kaufland Stiftungen stammen [6].

 [1] TV Kritik: Anne Will „Klub der glücklichen Spermien“

[2] Süddeutsche.de: "Im Klub der glücklichen Spermien"

[3] Siehe auch: Interview mit Prof. Dr. Max Otte - "Premiere bei Cashkurs"

[4] Forbes: The Richest People On The Planet 2013 [Dieter Schwarz #29]

[5] Dieter Schwarz Stiftung gGmbH

[6] Bildungsförderer: Lidl-Chef spendet fünf Millionen Euro jährlich

[7] Spenden: Der Lidl-Mäzen