Es gibt mittlerweile wohl niemanden in Deutschland, der die Einzelhandelsketten Kaufland und vor allem Lidl nicht kennt. Doch dürfte der Name des Gründers und Eigentümers Dieter Schwarz (* 24. September 1939) den wenigsten Menschen ein Begriff sein. Und das obwohl dieser überaus erfolgreiche Unternehmer laut Forbes Magazine in diesem Jahr auf Platz 29 der Liste der finanziell reichsten Menschen des Planeten vorgerückt ist. [1]

Wobei Dieter Schwarz schon seit 1999 lange Zeit nicht mehr auf dieser Liste auftauchte. Das Forbes Magazine hatte ihn damals von der Tabelle der Mega-Reichen entfernt, da der kamera- und öffentlichkeitsscheue Unternehmer seine Anteile am eigenen Unternehmen der gemeinnützigen Dieter Schwarz Stiftung GmbH übertragen hatte. Doch kam man in diesem Jahr seitens der Forbes Redaktion überraschenderweise zu der Erkenntnis, dass der bald 74-jährige Schwarz sehr wohl weiterhin seine Anteile kontrolliere und immer noch über genügend finanzielle Mittel verfüge, um zum illustren Kreis der World´s Billionaires gezählt zu werden.

Des Weiteren dürfte weitestgehend unbekannt sein, dass die Unternehmen Lidl und Kaufland selbst Personengesellschaften in Form einer Stiftung & Co. KG sind. Diese wiederum befinden sich im Eigentum der Schwarz Beteiligungs GmbH. Das Machtzentrum der Schwarz-Holding befindet sich übergeordnet in der Schwarz Unternehmenstreuhand KG, die zwar nur 0,1 Prozent der Anteile besitzt, jedoch 100 Prozent der Stimmrechte. Haupteigner mit 99,9 Prozent der Anteile an der gesamten Schwarz-Gruppe ist somit eine gemeinnützige GmbH: die Dieter Schwarz Stiftung gGmbH  - allerdings ohne Stimmrechte bei der Schwarz Beteiligungs GmbH.

An der zentralen Schaltstelle des Handelskonzerns sind neben Dieter Schwarz und Vorstandschef Klaus Gehring weitere Spitzenmanager als Kommanditisten und Berater tätig. Gehring ist zudem Aufsichtsrat-Chef von Lidl und Kaufland und gilt als engster Vertrauter von Schwarz. Seit 2004 ist er alleiniger Komplementär, also persönlich haftende Gesellschafter der Schwarz Unternehmenstreuhand KG und damit der unumstrittene „zweite Mann“ hinter Dieter Schwarz. Neu im Kreis der Kommanditisten ist seit November 2011 der ehemalige Vorstandschef von Celesio, der Jurist und Spitzenmanager Fritz Oesterle. Doch auch wenn sich Dieter Schwarz schon 1999 aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat, soll er auch heute noch im Hintergrund die Fäden in den Händen halten und laut Lebensmittelzeitung als „persönlich haftender  Gesellschafter in allen deutschen operativen Gesellschaften“ Einfluss ausüben können. Insbesondere auch durch sein Vetorecht als außerordentliches Mitglied der Unternehmenstreuhand KG.

Darüber hinaus ist die Struktur des Konzerns mit seinen auf sechs- bis siebenhundert geschätzten Landes- und Servicegesellschaften und beispielsweise 35 Regionalgesellschaften bei Lidl fast undurchdringbar. Die äußerst restriktive Informationspolitik des Konzerns lässt das Dieter-Schwarz-Imperium nicht nur in einem mysteriösen Licht erscheinen, sondern macht es schon fast zu einer Blackbox.

Bevor wir uns mit den Gründen für diese überaus komplexe Firmenstruktur beschäftigen hier zunächst einmal eine kleine Übersicht des Schwarz-Imperiums:

Die Schwarz-Gruppe könnte nach einer Prognose von PlanetRetail den Metro-Konzern noch in diesem Jahr als einen der größten Handelskonzerne in Deutschland überholen. Und spätestens 2016 dürfte der Discounter Lidl den Discount-König Aldi in Bezug auf den weltweiten Umsatz entthronen, was im europäischen Markt bereits geschehen ist.

Um ein wenig Licht ins Dunkel des Schwarz-Imperiums zu bringen, müssen wir uns zunächst mit der Eigentümergesellschaft nämlich der Dieter Schwarz Stiftung gGmbH beschäftigen. Zunächst einmal muss gesagt werden, dass der Begriff „Stiftung“ vom Gesetzgeber nicht genau definiert ist. Untersteht beispielsweise „die rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts“ als Prototyp der staatlichen Stiftungsaufsicht und-kontrolle, sieht das bei einer Stiftung gGmbh anders aus. Beispielsweise wird die Berücksichtigung des Stifterwillens nicht unter staatliche Aufsicht gestellt. Ebenso können Satzungsänderungen vorgenommen werden, die dem Stifter ein hohes Maß an Flexibilität einräumen.

Doch natürlich können Satzungsänderungen bei einer Stiftung GmbH oder gGmbh dazu führen, dass der Bestand der GmbH als stiftungsähnliche Organisation aufgehoben bzw. die Gemeinnützigkeit aberkannt wird. Denn eine gemeinnützige GmbH muss als Gesellschaft grundsätzlich einen mildtätigen, gemeinnützigen, und/oder kirchlichen Gesellschaftszweck haben. Aus diesem Grund erhalten gGmbHs vom Gesetzgeber steuerliche Vorteile, die insbesondere in der Befreiung von Körperschafts- und Gewerbesteuer liegen. Doch wer jetzt vermutet, dass Dieter Schwarz seine Stiftung gGmbH nur gegründet habe, um Steuern der Firmen Lidl/Kaufland zu sparen wird an dieser Stelle enttäuscht. Denn die Ausrichtung des Unternehmens darf nur aus geschäftlichen Aktivitäten bestehen, die einen gemeinnützigen Zweck verfolgen. Im Falle der Dieter Schwarz Stiftung gGmbH besteht dieser Zweck in der Förderung von Bildung. Auf der Homepage der Stiftung heißt es dazu:

Auftrag des Stifters Dieter Schwarz

Die Dieter Schwarz Stiftung wurde im November 1999 als gemeinnützige GmbH gegründet. Der Stifter Dieter Schwarz erteilte der Stiftung den konkreten Auftrag, Bildung und Erziehung zu fördern. Insbesondere umfasst dies die Förderung von Angeboten der Aus- und Weiterbildung für Kindertagesstätten und Schulen sowie das Entwickeln neuer Lehr- und Lernmethoden. Ebenso ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung an Hochschulen durch Stiftungsprofessuren und die Finanzierung einer privaten Hochschule für Unternehmensführung Bestandteil des Stifterauftrags. Darüber hinaus sollen Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaft und Technik begeistert werden. [...]

Merkwürdig ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass beispielsweise die Anzahl der Ausbildungsplätze bei Lidl in den letzten Jahren von sowieso schon für eine solche Konzerngröße minimalen 652 in 2008 auf bescheidene 274 Azubis in 2011 reduziert wurde. Weiterhin sei an die Mitarbeiterbespitzelung und die schlechten Arbeitsbedingungen inkl. Lohndumping erinnert, die dem Schwarz-Konzern – und natürlich auch anderen Discount-Ketten - ein überaus schlechtes Image einbrachten.

Es können also in der Tat nicht nur philanthropische Beweggründe gewesen sein, die Dieter Schwarz zur Gründung seiner Stiftung bewogen haben. Und in der Tat ist davon auszugehen, dass vielmehr der Erhalt des Unternehmens über seinen Tod hinaus im Vordergrund des Interesses steht.

... wird in Teil 2 fortgesetzt.