Marine Le Pen, am 5. August 1968 in Neuilly-sur-Seine, als die jüngste von drei Töchtern von Jean-Marie Le Pen geboren, ist heute als Vorsitzende des Front National (FN) Kandidatin für das Präsidentenamt in Frankreich.

Marine Le Pen, die gelernte Rechtsanwältin und Mitglied des europäischen Parlaments ist für die einen der pure Horror, für die anderen Hoffnung.

Referendum zum FREXIT

Le Pen verfolgt eine protektionistische Finanz- und Wirtschaftspolitik, verlangt den Austritt Frankreichs aus dem Euro und die Rückkehr zum Franc, um die finanzpolitische Entscheidungsgewalt aus Brüssel nach Paris zurück zu holen und  kritisiert Kapitalismus und Globalisierung im Zusammenhang mit der Banken- und Eurokrise. Davon abgesehen, dass sie die Frage des EU-Austritts, wie der Brite Cameron von einem Referendum abhängig macht, verblasst ihre Programmatik im Vergleich zu Euroskeptikern wie François Asselineau, der auch „Monsieur Frexit“, genannt wird  oder Philippe Poutou von der Neuen Antikapitalistischen Partei.

Hört man sich deren Ideen an, dann wünschen sich auch die härtesten Kritiker des FN Le Pen als das kleinere Übel auf dem Präsidentenstuhl.

Gegen Islamisierung

Le Pen lehnt eine multikulturelle Gesellschaft strikt ab. Sie verlangt rigorose Kürzungen bei der Sozialhilfe für in Frankreich lebende Ausländer, strikte Ausweisungsgesetze für kriminelle Immigranten und die Abschaffung des Geburtsortsprinzips zur Erlangung der französischen Staatsbürgerschaft. Diese solle nur durch Abstammung oder Verdienst erworben werden. Zur Bekämpfung der Kriminalität schlägt sie unter anderem ein Referendum zur Wiedereinführung der Todesstrafe vor.

Le Pen will den französischen Laizismus gegen die „Islamisierung“ des Landes verteidigen. So sagte sie im Dezember 2010, die Straßen seien inzwischen jeden Freitag von betenden Muslimen „besetzt“ wie Frankreich im Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht und – in Anspielung auf die Probleme der französischen Vorstädte – es gebe Orte (No-go-Area), an denen es nicht gut sei, eine „Frau zu sein, homosexuell oder Jude, nicht einmal französisch oder weiß“. Für diese als islamfeindlich kritisierten Äußerungen wurde 2013 ihre Immunität vom Europaparlament entzogen und ein Strafverfahren wegen Anstiftung zu Gewalt und Hass gegen sie eingeleitet. Das Strafgericht in Lyon sprach sie 2015 unter Anführung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung frei.

Wasser auf die Mühlen des Front National ist nicht zuletzt Angela Merkels Flüchtlingspolitik in Europa mit dem Druck auf andere EU-Länder Flüchtlingskontingente zu akzeptieren.

NATO-Austritt

Für den Fall eines Wahlsieges versprach Le Pen 2011 den Austritt Frankreichs aus der NATO und eine Vertiefung der Kooperation mit Russland.

Euro-Skeptiker in der Mehrzahl

Der Fokus ist in diesen Wahlen auf Emmanuel Macron und Marine Le Pen gerichtet.

Die anderen neun Kandidaten haben zwar keine Aussicht auf Erfolg, interessant ist dennoch, dass die Euroskeptiker unter ihnen in der Überzahl sind.

Umfrageinstitute sehen die Dinge so, wie sie gerne hätten

Bei dieser Wahl ist alles möglich. Erinnern wir uns an Alain Juppé, der schon als sicherer Wahlsieger der Konservativen galt. Bis er die Vorwahlen gegen Fillon verlor. Fillon wiederum zerlegt sich mit seinen fragwürdigen finanziellen Machenschaften selbst. Es ist genau diese Selbstbedienungsmentalität der politischen Klasse, die den Franzosen zum Halse raushängt.

Halten wir fest: Juppé ist erledigt, Fillon ist erledigt, Hollande ist erledigt.

Überraschend tauchte als aussichtsreicher Kandidat Emmanuel Macron auf.

Stetig an der Spitze vertreten ist in Frankreich nur der FN mit Marine Le Pen.

Die Umfragen sehen Emmanuel Macron als Gewinner, spätestens im zweiten Wahlgang. Dabei blenden sie jedoch satte 40 Prozent unentschlossene Wähler aus.

Vor wenigen Tagen durfte ich persönlich mit Anhängern der kleinen Parteien diskutieren. Tenor der Gespräche war, dass die Linksorientierten, trotz Enttäuschungen lieber Macron ihre Stimme geben würden, um Le Pen zu verhindern. Die Anhänger der der kleinen Parteien am rechten Rand hingegen dazu neigen, den FN mit Marine Le Pen zu wählen, damit ihre Stimme nicht sinnlos verloren geht.

Es bleibt spannend.