Dass ein Abladen der massiven Überkapazitäten an Chinas Stahl- und Rohstoffmärkten bei gleichzeitigem Deflationsexport in den Rest der Welt ernsthafte Konsequenzen zur Folge haben würde, hatte ich bei der ein oder anderen Gelegenheit in der Vergangenheit zum Thema gemacht. Nachdem die amerikanische Stahlindustrie die eigene Regierung dazu drängte, die Einfuhrzölle auf chinesische Stahlimporte auf 256% anzuheben (ich berichtete), protestieren Tausende Stahlarbeiter in der gesamten Europäischen Union, weil diesen Angst und Bange um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze wird.

Dass die zu beobachtende Eskalation des internationalen Währungskriegs irgendwann in einen globalen Handelskrieg samt eines deutlich zulegenden Protektionismus´ münden würde, war mehr als absehbar. Dazu genügt ein Blick in die Geschichtsbücher. Die USA und Indien hatten in dieser Hinsicht Mitte Januar nach den im Jahr 2014 durch den Westen gegenüber Russland verhängten Sanktionen einen weiteren Ernst zu nehmenden Schuss abgefeuert.

Wer einen Blick auf die Daten zu den aus China vermeldeten Exportpreisen für den Monat November wirft, erkennt, dass die durch chinesische Produzenten berechneten Preise im Vergleich mit dem Vorjahresmonat um weitere 1,5% gesunken waren (siehe nachfolgenden Chart). Dies entsprach gleichzeitig dem stärksten Jahresrückgang seit Beginn des Jahres 2010

Doch damit nicht genug. Es kommt nämlich – wie kaum anders zu erwarten – noch viel dicker. So gab Chinas Zollverwaltung gestern morgen bekannt, dass die Ausfuhren des Landes im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um 11,2% einbrachen. Die Importe brachen sogar um 18,8% ein.

Und nun zum Vergleich hier einmal die durchschnittlichen Konsensschätzungen unter Analysten und Ökonomen vor dieser Datenpublikation: Exporte –1,9%, Importe –0,9%. Aha, sehr weit gefehlt, ließe sich da wohl nur noch sagen. Diese Entwicklung führt dazu, dass die Pekinger Regierung im laufenden Jahr keine Handelsprognosen mehr veröffentlichen will.

Doch Sie rufen sich Erinnerung, dass heute alles anders sein soll als in der Vergangenheit? Nein, werte Leser, mitnichten. Es erweckt aus heutiger Sicht eher den Eindruck, als ob es noch dicker kommen wird. Denn Sie wollen mir nicht allen Ernstes weiß machen, dass die USA dazu in der Lage sein werden, den Stab als Konjunkturlokomotive der Welt von China zu übernehmen?

Der Originallink zu diesem Videoclip bei Yutube: https://www.youtube.com/watch?v=Grfdr455MyM

Vielmehr erweckt es den Eindruck, als ob die meisten Märkte in China derart saturiert sind, dass vielen Produzenten nichts mehr anderes übrig zu bleiben scheint, als die eigene – und trotz des weltwirtschaftlichen Abschwungs – weiter zulegende Stahl- und Rohstoffproduktion in der Heimat in den Rest der Welt zu exportieren. Und damit auch sinkende Preise!  

Es verwundert mich nicht, dass die Exporte in den Bereichen der Stahlerzeugnisse, Öl, Kupfer und Aluminium laut jüngster Daten der General Administration of Customs neue Allzeithochs erreicht haben. Grund ist, weil Chinas Stahlmühlen, Schmelzbetriebe und Raffinerien noch immer weitaus mehr produzieren als es eine sich merklich abschwächende Nachfrage in der Heimat hergibt.

Die Überschüsse versucht China im Angesicht von fallenden Preisen an seine Handelspartner zu verscherbeln. Folge ist, dass die internationalen Stahlpreise noch immer am Sinken sind und in diesem Zuge zu Beginn des noch jungen Jahres 2016 ein frisches 10-Jahres-Tief ausgebildet hatten. Vor allem in Europa und den Vereinigten Staaten ist man über diese Entwicklung keineswegs erfreut.

Spannungen im internationalen Handel wachsen

Eine Flut an chinesischen Überschussexporten überrollt die Märkte im Rest der Welt. Folge ist, dass Beobachter davon ausgehen, dass der europäischen Stahlindustrie schon in Kürze das Licht ausgehen könnte. Selbstverständlich wachsen auf diese Weise auch die Spannungen im internationalen Handel. Doch im Angesicht der Eskalation des globalen Währungskriegs ließ sich damit ohnehin rechnen. Es war alles nur eine Frage der Zeit.

Es sind vor allem die internationalen Stahlmärkte, die sich mit einer Flutwelle an Exporten seitens Chinas Staatsfirmen und durch Peking subventionierten Produzenten konfrontiert sehen. Laut des europäischen Stahlverbands Eurofer und dessen amerikanischen Pendants Iron and Steel Institute kursiere zurzeit eine Überproduktion von etwa 700 Millionen Tonnen in Form von allen möglichen Stahlerzeugnissen rund um den Globus.

Allein China trage mit mehr als 420 Millionen Tonnen dazu bei. Laut Beobachtern und Analysten werde sich die aktuelle Situation gar noch verschlimmern. Die Preise für Metalldraht, der sich in einer Vielzahl von industriellen Erzeugnissen – angefangen bei Kühlschränken bis hin zu Frachtcontainern – findet, werden bis ins nächste Jahr hinein laut neuester Prognosen um weitere 15% sinken.

Auch Europas Stahlunternehmer schließen sich den Protesten an

Und dies führt uns zur aktuellen Entwicklung in Europa. Tausende Stahlarbeiter protestieren in der gesamten Europäischen Union, um ihren Sorgen vor massiven Arbeitsplatzverlusten in ihrer Branche Ausdruck zu verleihen. Stein des Anstoßes sind eben jene billigen Dumping-Exportprodukte – darunter Stahlerzeugnisse –, mit denen China die Weltmärkte flutet.

Es sind jedoch nicht nur Europas Stahlarbeiter und deren Gewerkschaften, die gerade auf die Palme gehen. Auch die europäischen Stahlunternehmer schließen sich diesen Großprotesten an. In diesem Zuge bezichtigen sie Chinas Staatsführung, den heimischen Firmen illegale Exportsubventionen zu gewähren, um die massiven Überkapazitäten im Ausland unterhalb von deren Produktionskosten anbieten zu können.

Und so finden sich Europas Stahlarbeiter, deren Gewerkschaften und die Stahlunternehmer im Chor zusammen, um ein gemeinsames Lied zu singen. Die Brüsseler EU wird darum ersucht, die Stahleinfuhren aus China per gesetzlicher Verordnung zu drosseln. Sollte die EU sogar so weit gehen, um China Marktstatus zu gewähren, befänden sich Zehntausende von Jobs in der europäischen Stahlindustrie auf der Kippe, wie es hieß.