Liebe Cashkurs-Leser,

 
es gibt sicherlich noch viele gute und fleissige Journalisten, die Ihren Job ernst nehmen und tolle Arbeit abliefern. Im Folgenden finden Sie allerdings den Gegenentwurf hierzu.
Mein Kollege Prof. Max Otte hat sich erfolgreich gegen einen solchen Krawalltext aus dem ehemaligen „Qualitätsmedium“ Spiegel Online gewehrt.
 
Im Folgenden ein Artikel aus der Kolumne von Max Otte, veröffentlicht auf Boerse.de zu einem Artikel der auf Spiegel Online am 31.10.2016 erschienen ist und uns beide direkt als Thema hatte.
 
Auch ich möchte noch eine wichtige Anmerkung vornehmen. Der Spiegel-Autor behauptet: "Dirk Müller war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.“ Das ist  schlicht falsch! Ich hatte dem Autor sehr wohl ein Interview angeboten. Diesen Termin wollte er allerdings nicht abwarten und hat dann lieber behauptet ich sei nicht zu erreichen gewesen. So werden heute Schlagzeilen gemacht und Leute absichtlich und wissentlich diffamiert. Soviel zum Thema „Qualitätsjournalismus“.
 
In Zeiten rückläufiger Leserzahlen, einbrechender Werbeiennahmen und schierer Verzweiflung bei manchem Medientreibenden  tritt der einstige Berufsethos des Journalisten schnell in den Hintergrund, wenn das wirtschaftliche Überleben auf dem Spiel steht. Dann geht es nicht mehr um Fakten, sondern um Klickzahlen. Die Folge ist ein lautes und hysterisches Kreischen, das Erfinden von Skandalen wo keine sind nur um klicks und somit ein paar Euro zu verdienen. Für ausführliche Recherche ist da kein Platz. Schnell, laut, schmutzig. Der Begriff „Krawallmedien“ trifft es in vielen Fällen heute besser, leider inzwischen auch viele, die einst unter dem Begriff „Leitmedien“ bekannt waren. Man muss jedoch auch hier genau unterscheiden, es ist meist nicht das Medium an sich, sondern der einzelne Journalist. Der eine erlaubt sich noch guten und ausgeglichenen Journalismus, der andere schlägt verzweifelt um sich. Am liebsten auf jene die keine große Rechtsabteilung haben und man keine Angst vor großen Gegenreaktionen haben muss. Die Folge ist das katastrophale Bild, das die ehemals etablierten Medien heute abgeben.
 
Ich wünsche Ihnen einen weiteren Erkenntnisgewinn beim Lesen der Zeilen von Max Otte.

Max Otte ./. SPIEGEL ONLINE – oder: wie schlampig sogenannte „Qualitätsmedien“ arbeiten

von Prof. Dr. Max Otte

Im Moment stehe ich bei einigen Medien in der Kritik. Das ist prinzipiell o.k. Wer hoch gelobt wird, muss auch Kritik aushalten können. Aber was einige der sogenannten Qualitätsmedien sich derzeit erlauben, ist schlichtweg schlampig und niveaulos. So musste ich gerade mit Hilfe eines Anwalts eine Unterlassungsverpflichtungserklärung von SPIEGEL ONLINE erwirken, mit der sich SPIEGEL ONLINE verpflichtet, gewisse Aussagen unter Meidung einer Vertragsstrafe nicht mehr zu verbreiten. Denn SPIEGEL ONLINE hatte trotz eines Interviews mit mir einfach falsche Fakten berichtet. Über die Gründe kann ich nur mutmaßen. Vielleicht wollte man mich unbedingt in die Pfanne hauen.

Aber von Anfang an: Vom Sommer 2014 bis Ende 2015 haben meine Fonds underperformt. Das hatte seine Gründe, über die ich auf dem Privatinvestor-Tag am 29.10.2016 ausführlich berichtet habe. Mittlerweile sind wir wieder auf der Spur. Die sechs Jahre davor - vom März 2008 bis Sommer 2014 - haben die Fonds deutlich outperformt. Insgesamt haben wir DAX, ATX, einem Mischindex aus MSCI und Renten und dem MSCI ohne Dividenden geschlagen. Nur mit dem MSCI mit Dividenden konnten wir aufgrund der Periode von Sommer2014 bis Herbst 2015 nicht mithalten.

Nachdem einige Branchenblätter das vor einigen Monaten bereits aufgegriffen hatten, hatten die sogenannten „Qualitätsmedien“ nichts Besseres zu tun, als alten Kaffee aufzukochen und diese Geschichte groß aufzumachen. Von einem „Absturz der Promi-Fonds“ schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung über Dirk Müller und mich. Offensichtlich hatte der Redakteur Dennis Kremer seine Titelgeschichte schon im Kopf, als er mich um ein Interview bat. Von dem, was ich ihm in den zwei Stunden gesagt habe, sind ganz wenige böswillige Zitate übriggeblieben, nach dem Motto „Otte sammelt Geld bei Privatanlegern ein und die haben das Nachsehen“. Um das zu beweisen wurde ausgerechnet der Zeitraum genommen, über den sich die Underperformance nachweisen lässt. Die Outperformance wurde ausgeblendet. Dazu wurde der aus meiner Sicht falsche Index genommen. Mit soviel einseitig negativem „Spin“ hatte ich nicht gerechnet.

Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich unter dem Titel „Schande, Schande, F.A.Z.“ in einer Kolumne thematisiert hatte, dass der Finanzteil der Zeitung immer mehr zu einer Verkaufsveranstaltung für Finanzprodukte verkommt. Egal, abgehakt.

Und dann meldete sich Henning Jauernig von SPIEGEL ONLINE. Er habe über dem Econ Verlag Kontakt aufgenommen und wolle sich mit mir über die Neuausgabe meines Buches Investieren statt sparen unterhalten. Seine e-mail vom 20. Oktober 2016 liest sich wie folgt:

Sehr geehrte Frau Olbertz,

Manuel Alfaro vom Ullstein Verlag hat mich darauf hingewiesen, dass im November die Neuauflage des Bestsellers "Investieren statt sparen" von Max Otte erscheint.

Gerne würden wir darüber berichten. Wäre es möglich, Herrn Otte für ein Interview zu treffen?

Beste Grüße, Henning Jauernig

Mein Büro war angesichts des niveaulosen Geschreibsels der F.A.S. sensibilisiert. Da es aber um mein Buch ging und Herr Jauernig mich schon einmal interviewt hatte und ich einen guten Eindruck von ihm gewonnen hatte, willigte ich ein.

Ich traf Herrn Jauernig im Hilton in Berlin und unterhielt mich mehr als eine Stunde mit ihm über Investieren statt Sparen, mein Leben, die moderne Volkswirtschaftslehre. Herr Jauernig hatte auch in Köln VWL studiert, und so ergab sich manches Gespräch. Nur sehr wenig über die Fonds.

Dann kam er noch mit in meinen Vortrag bei der Urania, wo zu einer Veranstaltung 10 Jahre der Crash kommt, Jürgen Diessl, Leiter des Econ Verlags, Prof. Helge Peukert zur Qualität meiner Prognosen und ich zur Lage der Weltwirtschaft sprachen. Laut Prof. Peukert war "Der Crash kommt" ein sehr weitsichtig und wissenschaftlich fundiertes Buch. Ich sandte Herrn Jauernig später detaillierte Daten über die Fondsperformance und über meinen wissenschaftlichen Ansatz.

Heraus kam eine grottenschlechte und in einigen Fakten schlichtweg falsche Geschichte „Wenn der Guru Geld verliert“, die im Prinzip bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hätte abgeschrieben sein können. Offensichtlich hatte Herr Jauernig von Anfang an seine Geschichte im Kopf. Mein Buch interessierte ihn nur am Rande.

Seine Story würzte er unter anderem mit einem falschem Statement. Ich hatte ihm gesagt, dass ich nicht auf die Fondseinnahmen angewiesen sei und die Fonds in Ruhe und strategisch aufbauen zu können. Das schnelle Geld würde mich nicht interessieren; ich wollte langfristig für meine Anleger da sein. Daraus wurde: Doch Otte hat ein Problem: Den Großteil seiner Einnahmen verdient er mit seinen Honoraren als Redner und mit Buchverkäufen und nicht mit seiner Arbeit als Fondsmanager. Die Marke Otte funktioniert ohne Bühnenauftritte nicht.“

Auf die anwaltliche Abmahnung, die ich dem SPIEGEL ONLINE schickte, kam nur schwache Gegenwehr. Ich hätte gesagt, dass ich 20 Prozent meiner Einkünfte durch Vortrags- und Buchhonorare erziele. Das habe ich so bestimmt nicht gesagt! Vielleicht sagte ich: „maximal 20 Prozent“ (also wahrscheinlich weniger), weil ich in dem Moment den genauen Prozentsatz nicht wusste. Daraus wurde dann: „Den Großteil seiner Einnahmen verdient er mit seinen Honoraren als Redner und mit Buchverkäufen und nicht mit seiner Arbeit als Fondsmanager.“ (!) Selbst wenn es 20 Prozent gewesen wären, wäre die Aussage von Herrn Jauernig schlichtweg falsch. Denn 20 Prozent sind immer noch nicht der Großteil. Können Sie rechnen, Herr Jauernig? Tatsächlich werden Redner- und Buchhonorare dieses Jahr deutlich weniger als 10 Prozent meiner Einnahmen ausmachen.

Hätte Herr Jauernig minimal weiter recherchiert, wäre er darauf gestoßen, dass ich zudem auf dem Fondskongress in Mannheim im Januar 2016 angekündigt hatte, die Zahl meiner Auftritte radikal zu reduzieren und meine Professur an der Universität Graz auslaufen zu lassen. Ich konzentriere meine Energien auf die Fonds und die Aktienanalyse.

Des Weiteren schrieb der Journalist des SPIEGEL ONLINE, dass ich zwischenzeitlich 400 Millionen Euro bei Privatleuten eingesammelt habe und dies mittlerweile auf 150 Millionen geschrumpft sei. Auch diese Zahlen sind falsch. In der Spitze hatten die Fonds ca. 240 Millionen Euro von Privatanlegern; nun sind es ca. 150 Millionen. Leider kaufen eben viele die Performance des letzten Jahres und entscheiden sich nicht strategisch für einen Fonds.

Sie, sehr geehrte Privatanleger, sind mir treu geblieben, während es vor allem bei sogenannten institutionellen Anlegern Rückflüsse gegeben hat. Ich danke Ihnen dafür. Ich bin seit gut 15 Jahren für Sie da. Wer arbeitet, macht manchmal Fehler. Vom März 2008 bis zum Oktober 2016 habe ich über 85% Prozent für Sie verdient - netto, nach Kosten. DER PRIVATINVESTOR ist meine Mission. Das ich mir mit meinen politischen Kommentaren nicht nur Freunde mache, weiß ich. Ich plane, auch noch in 15 Jahren für Sie, sehr geehrte Privatanleger, da zu sein.

Eine bekannte und erfolgreiche Person des öffentlichen Lebens schrieb mir: "Ja, ich habe die eine oder andere hämische Schlagzeile gelesen, aber du wirst mir glauben, wenn ich dir sage, dass mich das absolut nicht interessiert. Dafür kenne ich das Geschäft viel zu gut, dafür kenne ich die frustrierten Typen, die das schreiben, viel zu gut, ich weiß, wovon das getrieben ist: Neid und Missgunst. Es ist der Spaß daran, Leute fertigzumachen, was im Übrigen auch am besten klickt und verkauft, weil wir als Gesellschaft insgesamt mittlerweile unglaublich hämisch und ungnädig geworden sind."

Sehr geehrter Herr Jauernig - es wäre schön, wenn Sie beim nächsten Mal in jedem Punkt bei der Wahrheit blieben. Eine sorgfältige und ausgewogene Berichterstattung, wie ich sie früher einmal von SPIEGEL kannte, wäre sogar noch schöner. Aber ich will nicht zu viel verlangen.

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