Im Wöchentlichen Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit vom 9.6.2022 ist zu lesen, dass seit Mitte Dezember im Intensivregister der Impfstatus von neu aufgenommenen COVID-19-Patientinnen und -Patienten auf Intensivstationen erfasst wird, verbunden mit der fett gedruckten Warnung:

Es ist zu beachten, dass die Intensivregister-Daten in dieser Form nicht geeignet sind, um die Wirksamkeit der Impfung einzuschätzen. Es muss die generelle Altersverteilung von Intensivpatientinnen und -patienten sowie die Entwicklung der allgemeinen Impfquote der Bevölkerung berücksichtigt werden.“

Eine Zeitlang hat das RKI die Aufgabe übernommen, Impfeffektivitäten zu berechnen, wenn auch auf ziemlich fragwürdige Weise. Aber als diese in allen Altersgruppen steil nach unten gingen, hat man am 5.5. damit aufgehört. Stattdessen hat das RKI angekündigt, „in regelmäßigen Abständen separate Auswertungen zum Themenkomplex COVID-19-Impfung/Impfeffektivität (zu veröffentlichen), die eine detailliertere Betrachtung einzelner Aspekte erlauben als im Rahmen des Wochenberichts möglich.

An Monatsrhythmus ist bei diesen „regelmäßigen“ Abständen offenbar nicht gedacht, denn bisher kam meines Wissens noch nichts derartiges und auf der Netzseite des RKI zur Impfeffektivität gibt es keinen Hinweis darauf. Aber die Neuaufnahmen nach Impfstatus wurden immerhin (bisher) noch mitgeteilt.

Im Bericht vom 9.6. heißt es dazu auf Seite 19:

Für den Zeitraum vom 09.05.2022 bis 05.06.2022 (KW 19 – KW 22/2022) wurde der Impfstatus von 1.545 COVID-19-Aufnahmen gemeldet, das entspricht etwa 66,5 % der für diesen Zeitraum übermittelten Fälle (2.324). 15,5 % (240 Fälle) aller COVID-19-Neuaufnahmen mit bekanntem Impfstatus waren ungeimpft. Rund 7,8 % (120 Fälle) wiesen einen unvollständigen Immunschutz auf (Genesen ohne Impfung oder Teil-Immunisierung). 76,7 % (1.185 Fälle) hatten einen vollständigen Impfschutz (Grundimmunisierung oder Booster), der Anteil mit Boosterimpfung lag dabei bei ca. 51,8 % (800 Fälle). Für den betrachteten Zeitraum waren 82,8 % (757) der vollständig geimpften ITS-Erstaufnahmen mindesten 60 Jahre oder älter.“

Mehr als die Hälfte der neu aufgenommenen Intensivpatienten mit Covid und bekanntem Impfstatus waren geboostert, mehr als drei Viertel hatten einen sogenannten vollständigen Impfschutz. (Man beachte die unsinnige Zusammenlegung von den nur einmal Geimpften und den Genesenen ohne zusätzliche Impfung.). Gegenüber dem Bericht vom 5.5. stieg der Anteil der geboosterten und vollständig Geimpften um 3,1 bzw. 3,0 Prozentpunkte. Auch ohne die Altersverteilung der Intensivpatienten und der Bevölkerung nach Impfstatus genau zu kennen, kann man schließen, dass es mit dem Schutz vor schwerer Erkrankung durch Impfung und Boostern nicht allzu weit her sein kann.

Mit diesen Zahlen im Hintergrund empfiehlt der Gesundheitsminister allen Ernstes allen Erwachsenen eine vierte Impfung (entgegen der Ständige Impfkommission) und wollen die Landesregierungen von Hessen, Baden-Württemberg und Bayern allen Ernstes eine allgemeine Impfpflicht ab 60 durchdrücken. Eine Vermutung, wozu solche Wahnsinnsvorschläge dienen, habe ich an anderer Stelle formuliert.

Doch zurück zum RKI und dem inzwischen gut eingeübten Umgang mit solchen unbequemen Daten.

Im Bericht vom 16.6. liest man nun auf Seite 19 statt der gewohnten Zahlen zur Intensivbettenbelegung:

Im Zuge einer Umstellung der Impfabfrage im Intensivregister kann der Impfstatus der COVID-19-Patientinnen und -Patienten auf Intensivstation zeitweilig nicht bereitgestellt werden. Sobald wieder genügend Daten für eine stabile Auswertung erfasst sind, werden die Zahlen der neuen Abfrage wie gewohnt an dieser Stelle berichtet.“

Na da sind wir aber mal gespannt, wie lange das dauern wird, und was dem RKI einfällt, um den Anteil der Vielfachgeimpften an den Intensivpatienten zu drücken.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Blog von Norbert Häring. Vielen Dank für die Erlaubnis ihn übernehmen zu dürfen!