Nach der Ankündigung zu Massenentlassungen bei der Großbank HSBC zieht Konkurrent Barclays Bank wohl nun schon bald nach. Nach dem sang- und klanglosen Abgang von Vorstandschef Antony Jenkins werden Pläne bekannt, die bei Barclays in den nächsten zwei Jahren den Abbau von 30.000 Mitarbeitern vorsehen. Analysten gehen davon aus, dass die weltweite Belegschaft bei Barclays bis Ende 2017 von heute 140.000 auf weniger als 100.000 Mitarbeiter sinken wird.

Anhaltende Ertragsschwäche & hoch gesteckte Ziele

An dem nun angekündigten Jobabbauprogramm gehe kein Weg vorbei, wie im Umfeld des Managements von Barclays gemunkelt wird. Es sei die einzige Möglichkeit, um auf die chronische Misere der Großbank zu reagieren. Im Zuge des massiven Jobabbaus sollen die Gewinne des Instituts auf Vordermann gebracht werden.

Primärer Grund ist das Ziel, den Aktienkurs von Barclays Bank in den nächsten Monaten und Jahren zu verdoppeln. Andernfalls sei es nicht auszuschließen, dass es irgendwann zu einem Übernahmeangebot für die britische Großbank kommen könnte. Von den Massenentlassungen werden insbesondere Mitarbeiter auf der mittleren Managementebene und in den stationären Filialen der Bank betroffen sein, wie Medien berichten.

In diesen Bereichen sollen die Prozesswege in der Zukunft deutlich verschlankt werden, wodurch einmal mehr Arbeitsplätze abgebaut werden, die bis dato zu den gut bezahlten und sozialversicherungspflichtigen Jobs gehörten. Ob es bei dem geplanten Jobabbau von 30.000 Stellen bleiben wird, steht zurzeit noch nicht fest.

Vielmehr wird unter Analsten in der City of London damit gerechnet, dass der auf Jenkins nachfolgende CEO noch mehr Stellen abbauen könnte. Obwohl der Konkurrent HSBC Bank vor einigen Wochen einen globalen Abbau von 50.000 Mitarbeitern bekannt gab, ging diese Maßnahme vielen Analysten trotz allem nicht weit genug.

Nachwehen der Finanzkrise

Dass insbesondere die britischen Banken weiterhin unter den Nachwehen der Finanzkrise und des Bankencrashs in den Jahren 2008 und 2009 leiden, hatten wir in dem ein oder anderen Bericht in der Vergangenheit immer wieder einmal zum Thema gemacht. Kostenkürzungen, Entlassungen und sonstige Sparmaßnahmen bestimmen die Geschäftspolitik wie nie zuvor.

Während der Arbeitsplatzabbau bei Barclays Bank oben genannte Bereiche am stärksten betreffen wird, fallen die 50.000 abzubauenden Arbeitsplätze bei HSBC Bank größtenteils in der Investmentbankingsparte an. In diesem Bereich wird rund ein Drittel aller Mitarbeiter aus dem Institut ausscheiden.

Mit ein Hauptgrund für die anhaltende Ertragsschwäche unter britischen Banken sind vor allem die rekordniedrigen Zinsen und die im Angesicht von Manipulationsenthüllungen durch die staatlichen Behörden verhängten Strafzahlungen. Bei HSBC Bank hatte diese Entwicklung zur Folge, dass dem Institut das Einfahren der Ernte aus den seit dem Jahr 2011 verabschiedeten Spar- und Entlassungsprogrammen verhagelt wurde.

Die Details

Während es bei Barclays Bank einen guten Teil der Mitarbeiter in der Heimat erwischen wird, die ihre Entlassungsschreiben zugestellt bekommen, traf es im Hinblick auf die HSBC Bank vor allem Mitarbeiter in den beiden Ländern Brasilien und der Türkei. In Großbritannien wird es im Fall von HSBC immerhin 8.000 Mitarbeiter treffen.

Hinzu kommt, dass HSBC bis Ende des Jahres 2017 den Abbau von Vermögenswerten in einem aktuellen Gegenwert von knapp $300 Milliarden vorantreiben wird. Dabei trifft es vor allem Investmentbankingsparte der Bank mit einem Vorschlaghammer. Immerhin hat das aufzugebende Geschäftsvolumen einen Gegenwert von $140 Milliarden.

Im Angesicht der aktuellen Entwicklung an den Finanz- und Kapitalmärkten ist dies unter Umständen nicht einmal eine schlechte Neuigkeit. Denn an verbrieften und mit hohen Risiken behafteten Papieren und der Emission von Toggle Bonds und sonstigen verrückten und relativ intransparenten „Vermögenswerten“ ist die Welt gewiss in überreichem Ausmaß gesegnet.